3D-Drucker – die nächste, grosse Revolution

Die 3D-Drucker kommen. Noch vor kurzem gab es nur grosse Industriegeräte – jetzt sind die ersten Modelle für den Normalverbraucher auf dem Markt. Experten sagen dem 3D-Druck eine grosse Zukunft voraus und prophezeien eine ähnliche Revolution, wie sie der Personal Computer mit sich brachte.

Der 3D-Drucker macht Schlagzeilen. Ärzte retten einem Kleinkind das Leben mit einem Luftröhren-Splint, den sie in einem 3D-Drucker herstellten. Die NASA tüftelt an einem Gerät, das Essen produzieren soll für Astronauten – der Replikator aus der Enterprise lässt grüssen.

Aber auch gefährlicher Unfug lässt sich mit dem 3D-Drucker schon treiben. Der Amerikaner Cody Wilson hat damit eine Pistole gebaut, die kein Metallscanner am Flughafen entdeckt.

Die «Macher»-Bewegung

Das alles klingt noch nach Zukunftsmusik und ist weit weg vom Alltag. So scheint es – aber auch der Alltag hat schon begonnen. An der Marmorgasse in Zürich. Im 3D-Druckshop von Christiane Fimpel und Philipp Binkert entstehen praktische Anwendungen. Modelle von Häusern, spezielle Teile aller Art für Firmen oder auch eher spielerisch Tierköpfe als Kleiderhaken fürs Kinderzimmer.

«Machen» – das ist das Stichwort, das immer wieder fällt im Gespräch mit Christiane Fimpel Wir alle werden zu Machern. Das ist die Revolution, die der 3D-Drucker bringt.

Die Revolution wird noch nicht gerade morgen stattfinden. Dazu sind die Geräte für den Massenmarkt noch zu wenig leistungsfähig. Es gibt zwar schon den 3D-Drucker für den Heimgebrauch für 1000 bis 2000 Franken. Mit denen lässt sich auch schon manche Idee in Plastik ausdrucken.

Die Fabrik bei sich zuhause

Aber das ist noch nicht die Welt der «personal fabrication», wie sie sich Neil Gershenfeld vorstellt. Der Professor am MIT in Boston sieht ein Welt voraus, in der jeder (fast) alles zu einem beliebigen Zeitpunkt an einem beliebigen Ort herstellen kann.

Gershenfeld zieht dabei eine Analogie zur Entwicklung des «personal computings». Am Anfang gab es da auch die grossen Rechner, teuer und nur für den exklusiven Einsatz in Firmen. Dann folgten die ersten, wenig leistungsfähigen Rechner für den Privatgebrauch.

Der PC hat in den folgenden 30 Jahren den Arbeitsalltag völlig verändert, wir kommunizieren ganz anders als früher, ganze Berufe und Branchen sind verschwunden.

Man kann erahnen, was eine ähnliche Entwicklung beim 3D-Drucker bewirken wird. Wer immer sich mit der Herstellung von Dingen beschäftigt, wird sich umstellen müssen.

Das Ende des Schraubenladens ist erst der Anfang


Besuch im 3D-Druckershop

3:42 min, aus Kultur kompakt vom 25.07.2013

Ein einfaches Beispiel: Eine Schraubenfabrik braucht es nicht mehr. Auch Läden, die Schrauben verkaufen, werden überflüssig. Der Konsument wird sich die Druckanleitung herunterladen und zuhause ausdrucken.

Natürlich werden sich auch viel komplexere Gebilde als Schrauben ausdrucken lassen – was da noch alles auf uns zu kommt, übersteigt das Vorstellungsvermögen des normalen Konsumenten. Denn wer hat vor 30 Jahren auch nur annähernd vorausgesehen, wie radikal der PC unsere Welt verändern wird.