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Psychotherapeut Guy Bodenmann über aktuelle Paarkonflikte
Aus Kultur-Aktualität vom 25.03.2020.
abspielen. Laufzeit 04:21 Minuten.
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Beziehungskonflikte und Corona «Paare sollten die Routine aufrechterhalten»

Der momentan notwendige Rückzug in die eigenen vier Wände ist für viele Eltern, aber auch für Paare ohne Kinder eine grosse Herausforderung. Es kommt zu Spannungen, Streit und zu Konflikten. Die Universität Zürich stellt darum kostenlose Online-Trainings für Paare zur Verfügung. Entwickelt haben das Konzept der Psychologe Prof. Guy Bodenmann und sein Team. Falls es zu einem Konflikt komme, sei es vor allem wichtig, sich an bestimmte Regeln zu halten, erklärt Bodenmann.

Guy Bodenmann

Guy Bodenmann

Psychologe

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Prof. Dr. Guy Bodenmann ist Psychotherapeut (Verhaltenstherapeut) und Fachpsychologe für Psychotherapie FSP. Er ist Direktor von drei Weiterbildungsstudiengängen (u.a. CAS für Paartherapie). Er ist Ausbildner und Supervisor von Paartherapeuten. Ausserdem ist er Direktor von Paarlife und Entwickler des Konzepts und des Trainings.

SRF: Was sind aktuell die grössten Herausforderungen für Paare?

Guy Bodenmann: Paare haben momentan die gleichen Herausforderungen, wie vorher schon. Nur ist jetzt alles noch verstärkt durch diese spezielle Situation: man muss zu Hause auf engem Raum zusammenleben – häufig mit den Kindern. Das bedeutet eine zusätzliche Stressbelastung. Mit dieser umzugehen, erfordert eine Anpassungsleistung.

Paarlife - Online-Training für Paare

Die Webseite «Paarlife, Link öffnet in einem neuen Fenster» der Universität Zürich steht für Beratungen und weitere Informationen per Mail, Link öffnet in einem neuen Fenster zur Verfügung. Ausserdem gibt es ein Online-Training, Link öffnet in einem neuen Fenster für Paare.

Spannungen, Gereiztheit, Schuldzuweisungen. Wie soll man damit umgehen?

Man muss sich erst Mal bewusst sein: ganz viele Paare kämpfen weltweit mit dieser Situation. Zuerst ist es wichtig, eine gewisse Routine aufrechtzuerhalten, damit nicht alles völlig aus dem Ruder läuft. Dass man eben auch rausgeht, spaziert, joggen geht – natürlich nicht in Gruppen. Aber dass man so weiterhin Impulse von aussen hineinträgt.

Und wenn es zum Konflikt kommt?

Zuerst muss man prüfen: sind beide in der Stimmung, den Konflikt konstruktiv anzugehen. Wenn einer schon sehr gereizt ist, sollte diese Person zuerst einmal runterfahren und sich in der Wohnung eine kleine Nische des Rückzugs zu schaffen.

Falls ein Konflikt beginnt, sollte man sich an bestimmte Regeln halten. Wir haben gewisse Sprech- und Zuhörregeln. Es braucht eine Struktur: Zuerst spricht nur eine Person, die andere hört zu und fasst zusammen. Dann kommt die andere Person zu Wort. Muss müsste versuchen, diese häufig schnellen Konfliktgespräche zu verlangsamen und konstruktiv durchzuführen.

Dann sollte man sich nicht gegenseitig zum Feindbild machen, sondern sagen: «Wir sind jetzt beide im selben Boot.»

Wie geht man dieses gegenseitige Unterstützen am besten an?

Man sollte sich bemühen, eine schöne Atmosphäre zu schaffen. Das können beide tun. Zum Beispiel sich wieder an die Verliebtheit am Anfang der Beziehung erinnern – wie war das damals? Und zu spüren wie es seiner Partnerin oder seinem Partner geht – wo braucht er oder sie meine Unterstützung? Dazu hilft es, sich zu erinnern, welche Probleme man früher auch schon gemeinsam gemeistert hat.

Sie haben mit ihrem Team ein Online-Training entwickelt. Wie kann das Paaren konkret helfen?

Einerseits haben wir ein Online-Training, das beide für sich am Computer bearbeiten können. Da werden Themen wie Stress behandelt. Was hat Stress für eine Auswirkung auf die Partnerschaft? Wie kann jeder für sich mit Stress besser umgehen.

Dann wird erklärt, wie man gemeinsam besser mit Belastungen umgehen kann, wie man konstruktiv streitet und schliesslich: wie können wir Alltagsprobleme effizienter miteinander lösen.

Wenn man sieht, das ist zu wenig oder es bestehen schon lange Spannungen in der Beziehung, kann man Paar-Coaches buchen. Diese stehen dann für eine Krisenintervention zur Verfügung und können kurzfristige Impulse geben. Aber sie machen auch eine Triage und schätzen ab: ist diese Form ausreichend oder braucht es eine Paarberatung oder Paartherapie.

Das Gespräch führte Katrin Becker.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 25.3.2020, 6.50 Uhr; beck/haet

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