«Blick in die Feuilletons»: Nachruf auf Ronald Dworkin

Der amerikanische Rechtsphilosoph Ronald Dworkin ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Die Feuilletons würdigen Dworkins Überzeugung, dass das Recht in der Moral verankert sein muss.

Ronald Dworkin Porträt.

Bildlegende: Einer der einflussreichsten Denker unserer Zeit: Rechtsphilosoph Ronald Dworkin im August 2005. John Earle / Suhrkamp Verlag

«Er hat Moralphilosophen mit den Dilemmata richterlichen Entscheidens konfrontiert und Generationen von Richtern einen genaueren Blick auf ihre alltägliche Praxis eröffnet», schreibt Alexandra Kemmerer in der «Süddeutschen Zeitung».

Dworkin lehrte an amerikanischen und englischen Universitäten und publizierte regelmässig in der «New York Review of Books» – dort kommentierte er die Rechtsprechung am amerikanischen «Supreme Court» und die Erosion der Grundrechte nach den Terroranschlägen am 11. September 2001. Sein Hauptwerk ist das Buch «Gerechtigkeit für Igel», das 2011 erschien.

Kritik an Minarett-Initiative


Nachruf auf Ronald Dworkin

2:37 min, aus Blick ins Feuilleton vom 15.02.2013

Andreas Tobler berichtet im «Tages-Anzeiger» von Dworkins Überzeug «dass es keinen archimedischen Punkt gibt, von dem aus man die Moral aushebeln kann.» Patrick Bahners erklärt weiter in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», dass Dworkin Bürgerrechte wie Trümpfe behandelte: «Traditionelle Zwecke rechtlicher Regelungen wie die öffentliche Sicherheit oder die Wahrung der guten Sitten werden im Zweifelsfall von den Bürgerrechten ausgestochen.»

Diese Bürgerrechts-Trümpfe stachen für Dworkin auch, wenn sie gegen den Willen der demokratischen Mehrheit zur Geltung gebracht werden. Kein Wunder hat der Rechtsphilosoph bei einem Vortrag in Bern die Annahme der Minarett-Initiative in der Schweiz kritisch kommentiert.

Sprüche und Design: Hartmut Essligner

Ausserdem ist in der «Süddeutschen Zeitung» heute ein Portrait über den deutschen Industriedesigner Hartmut Essligner zu lesen. Er hat für Sony, Lufthansa, Apple und andere Grossfirmen gearbeitet und der Journalist Michael Bitala beschreibt in seinem Portrait, wie viele Fehler er in der Begegnung mit Esslinger begangen hat.

Sein erster war ein hässliches Aufnahmegerät: «Keine Ausreden», sagt Esslinger, «Sie sind es gewohnt Shit zu akzeptieren, (…) die vielen Knöpfe verwirren, wenn Sie da länger als 10 Sekunden hinschauen, sind sie fertig.» Bitala berichtet über die radikale Karriere des Industriedesigners Hartmut Esslinger, und von den vielen markigen Sprüchen des Designers.

Moderne Bügeleisen vergleicht der etwa mit toten Katzen. Zentrale Einsicht des Portraits in der «Süddeutschen Zeitung»: bei Design kommt es nicht auf Schönheit an, sondern auf Freundlichkeit und Einfachheit.