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Gesellschaft & Religion Blutspur durch die Kirchengeschichte

Das Opus Magnum des Schriftstellers und Kirchenkritikers Karlheinz Deschner ist fertig. 1986 war der erste Band seiner «Kriminalgeschichte des Christentums» erschienen – diese Tage kam der zehnte und letzte heraus. Die Dokumentation von Verbrechen im Namen des Christentums provoziert.

Ein graues kreuz vor einem wolkenverhangenen Himkmel
Legende: Autor Karlheinz Deschner untersucht die dunklen Kapitel des Christentums. colourbox

Völkermord, Kreuzzüge und Hexenjagd, Machtgier und Intrigen: Karlheinz Deschner trug zusammen, was er an Schandtaten vorfand. Es sind Schandtaten, begangen von Kirchenvätern, Päpsten oder Ordensgründern im Namen der christlichen Religion. Wie ein Besessener sammelte er historische Belege für seine tiefste Überzeugung: Gott geht in den Schuhen des Teufels. Eine Abrechnung, wie sie schonungsloser nicht sein könnte.

Keine Gelder von Universitäten

Der 1924 in Bamberg geborene Karlheinz Deschner veröffentlichte bereits in den 50er Jahren kirchen- und religionskritische Bücher. 1971 stand er wegen Kirchenbeschimpfung vor Gericht. Doch dies hielt ihn nicht von seiner Mission ab – im Gegenteil.

Dabei lebte Deschner, der eine fünfköpfige Familie zu ernähren hatte, oft nah am finanziellen Abgrund. Forschungsgelder von Universitäten oder Stiftungen gab es für sein Projekt natürlich keine. Nur dank der Unterstützung privater Mäzene konnte Deschner sein Lebenswerk vollenden.

Austritt aus der Kirche

Was bringt einen Mann dazu, Jahrzehnte seines Lebens der Aufdeckung kirchenhistorischer Dunkelkapitel zu widmen? Als Deschner 1951 eine geschiedene Frau heiratet, wird er von der katholischen Kirche exkommuniziert. Er tritt aus der Kirche aus und bekämpft sie fortan vehement.
 
In Interviews sagt Deschner aber auch mehrmals, dass nicht schlechte Erfahrungen allein ausschlaggebend gewesen seien für seine Kirchenkritik. Was ihn immer am meisten geärgert habe, sei die Diskrepanz zwischen hehrem Anspruch der Kirche und gelebter Wirklichkeit.

Deschner hat nicht etwa nur die katholische Kirche im Blick. Auch die Reformatoren bekommen ihr Fett ab. Man denke an Luthers Antisemitismus oder Calvins theokratischen Fanatismus. Alle christlichen Kirchen haben für Deschner ihre ursprüngliche Liebes- und Friedensbotschaft ins pure Gegenteil verkehrt.

Vorwurf der Einseitigkeit

Dass sich Deschner mit solchen Aussagen nicht nur Freunde macht, versteht sich von selbst. Über 50'000 Briefe hat er schon erhalten, ein Grossteil von erbosten Christen. Dabei wird im zum Beispiel tendenziöse Geschichtsschreibung vorgeworfen. Er suche nur das Abseitige und Pervertierte. Namen wie Mutter Teresa, Dietrich Bonhoeffer, Friedrich Spee oder Franz von Assisi hingegen lasse er aussen vor.

Mit dem zehnten Band ist Karlheinz Deschners Monumentalwerk «Kriminalgeschichte des Christentums» nun abgeschlossen. Die Meinungen darüber werden wohl weiterhin auseinander gehen.

16 Kommentare

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  • Kommentar von Sabine Kühn, Soltau
    Auch wenn ich nachvollziehen kann das ein Mensch etwas benötigt um daran zu glauben so frage ich mich jedesmal wenn ich einen Christen/Muslime höre was so schwer daran ist zu akzeptieren, daß es auch andere "Glaubensrichtungen" gibt.
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  • Kommentar von JoeH, Basel
    Im Gegensatz zu Gott sind die Menschen fehlbar. Und wer Macht hat, auch in einer Kirche, ist der starken Versuchung ausgesetzt, diese zu Missbrauchen. Wer denkt, selber von dieser Eigenschaft nicht betroffen zu sein ist schlichtweg Naiv! Umso mehr sind wir auf die Gnade Gottes und das Opfer von Jesus Christus angewiesen, da wir Menschaen ALLE von Grund auf böse sind. Wer dieses Opfer akzeptiert kann Befreiung von der Last getaner Sünden erfahren. Wer nicht, fühlt sich im innern Schuldig.
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  • Kommentar von Gottmituns, Nürensdorf
    Alle Religionen sind gemacht vom Menschen. Das Evangelium aber hat Jesus Christus in die Welt gebracht, damit die Menschheit Erlösung von ihren Sünden erlangt. Das hat mit den Kreuzzügen nichts gemeinsam. Das ist der grosse Unterschied. Solange wir unsere eigenen Interessen im Zentrum haben und Jesus verleugnen, können wir die christliche Botschaft nie an andrere Menschen weiter geben. Und es gibt nur eine Wahrheit: Jesus Christus!
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