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Gesellschaft & Religion Das Hebammen-Netzwerk - ein Pionierprojekt für junge Eltern

Drei Tage darf eine Mutter mit ihrem Neugeborenen im Krankenhaus bleiben, allerhöchstens vier. Das Hebammen-Netzwerk «Family Start beider Basel» will diesem kurzen Wochenbett etwas entgegensetzen. Das Pionierprojekt bietet eine Helpline und sogar Hausbesuche für Eltern mit Neugeborenen an.

In einem Krankenhauszimmer hält eine junge Mutter ihr Baby im Arm, daneben steht eine Hebamme.
Legende: Eine Hebamme bietet mit ihrem Erfahrungswissen grosse Hilfe für frischgebackene Eltern. Keystone

«Eine faule Wöchnerin ist ein Segen für die ganze Familie». Der Spruch aus dem Emmental ist alt, aber die Berner Hebamme und Pflegewissenschaftlerin Dr. Elisabeth Kurth zitiert ihn immer noch gerne und oft: Zu wichtig ist der Lebensanfang, zu umwälzend das Erlebnis Geburt, und zu schädlich ist Hektik und Stress in den ersten Tagen mit dem Neugeborenen.

Durch die neuen Fallpauschalen ist das Wochenbett in der Klinik so kurz wie nie zuvor. Gerade mal 36 bis 48 Stunden dürfen sich heute die Wöchnerinnen und ihre Babys in der Klinik pflegen lassen. Danach geht es nach Hause – und dort sind die Mütter oft allein mit all dem Neuen, mit dem erschöpften Körper, mit dem schreienden Kind – und mit ihren Fragen.

Um diesem kurzen Wochenbett etwas entgegenzusetzen, hat Elisabeth Kurth mit anderen Fachleuten in Basel ein Hebammen-Netzwerk ins Leben gerufen. «Family Start beider Basel» heisst das Projekt und bietet Familien mit Neugeborenen telefonische Beratung und sogar Hausbesuche an.

Ziel ist es, die jungen Familien ihren Bedürfnissen angepasst zu betreuen und da zu sein, wenn es mit dem Stillen nicht klappt, der Nabel sich entzündet, das Baby nicht zunimmt oder die mütterlichen Tränen fliessen. «Family Start beider Basel» ist ein Pionierprojekt. Zürich liebäugelt schon mit der Übernahme der guten Idee.

Eine Nummer gegen Baby-Kummer

0848 622 622 heisst die Nummer gegen Anfangskummer: Eine Mutter meldet sich bei der Hebamme, weil das Stillen schmerzt. Ein Vater ruft an, weil der Säugling schon seit einer Stunde schreit, schreit und schreit. Die Fachfrau am anderen Ende der Helpline weiss Rat und Tat.

Von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends ist die Beratungsstelle besetzt. Pflegewissenschaftlerin Kurth setzt sich dafür ein, dass die Versorgungslücke in der Nacht geschlossen wird und somit das «Rund um die Uhr Angebot» perfekt ist. «Aber ich bin sehr froh, dass wir es schon so weit geschafft haben», sagt Kurth.

Unmittelbarkeit statt Ratgeber-Dschungel

Es gibt mittlerweile eine Flut von Ratgebern, Internetforen, Büchern, Tipps und Tricks für die ersten Tage und Wochen mit einem Neugeborenen. Junge Eltern bekommen also viel Informationen, aber Erfahrungswissen haben sie nicht. «Man kann heute gut und gern erwachsen werden, ohne je ein Baby in den Armen getragen zu haben», sagt Elisabeth Kurth und beschreibt damit eine Folge des historischen Wandels von der Gross- zur Kleinfamilie hin. 

Junge Eltern haben in der Regel viel gelesen und sind gut informiert, aber in der Praxis sind sie schnell unsicher und froh, wenn jemand kommt, der sie unterstützt und ihnen weiterhilft. «Unmittelbare Hilfe ist wichtig», sagt die Kurth und weist darauf hin, dass die ersten 40 Tage nach der Niederkunft ein Ausnahmezustand sind. Daran kann auch die Beschleunigungsmaschinerie unserer Gesellschaft nichts ändern. Gut Ding will eben Weile haben.

2 Kommentare

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  • Kommentar von S.TH., Bern
    Ambulante Hebammenbetreuung für gibt es schon lange . Während den ersten zehn Tagen ist Hebammenbetreuung via Grundversicherung bezahlt, ob im Spital, Geburtshaus oder zu Hause. Es fehlt wohl noch immer an der Information. Organisierbar ist eine Hebamme,welche nach Hause kommt,auch nach Spitalaustritt, via kantonale Vermittlungszentralen oder auch unter www.hebamme.ch findet sich die Liste der freiberuflichen Hebammen schweizweit.
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  • Kommentar von Thomas, Egg
    Das bracht es doch nicht. Hebammen klingt für mich wie Heizer auf der SBahn.
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