Bio-Fleisch für das gute Gewissen?

Kann man Bio-Fleisch mit besserem Gewissen geniessen? Gemäss «Bio Suisse» werden die Tiere auf Bio-Höfen «besonders artgerecht gehalten». Nur, was bedeutet das? So viel vorweg: Umgebracht werden alle Tiere auf die gleiche Art. Vorläufig.

Zwei Kühe auf der Alp, Berg im Hintergrund

Bildlegende: Bio-Kühe haben ein besseres Leben. Getötet werden sie allerdings auf gleiche Art wie alle anderen Kühe. Keystone

Schweizer Bio-Tiere haben regelmässig Auslauf ins Freie. «Je nach Tierart bedeutet das von Frühjahr bis Herbst täglichen Weidegang oder regelmässigen Zugang zu einem Aussenbereich», versichert Stephan Jaun. Er ist Leiter Unternehmenskommunikation von «Bio Suisse», dem Dachverband der Knospe-Betriebe.

Biohühner seien besser gestellt als Hühner in konventionellen Betrieben: Freilandhaltung ist bei Knospe-Eiern vorgeschrieben. Doch auch die männlichen Küken aus Biobetrieben haben ein hartes Schicksal: Sie werden kurz nach der Geburt aussortiert und getötet, da sie keine Eier legen und sich nicht für die Fleischproduktion eignen.

Bio-Tiere essen Bio

Beim Futter gibt es wichtige Unterschiede: Bio-Tiere essen nur gentechnikfreies Biofutter, in der Regel aus dem eigenen Betrieb. Bei Wiederkäuern – also Rindern, Schafen und Ziegen – ist energiereiches Kraftfutter nur bis zu zehn Prozent erlaubt. Der Rest ist Raufutter, also Gras, Heu und Gärfutter. Bei Hühnern und Schweinen dagegen sei Kraftfutter die Hauptspeise auf dem Menüplan, meint Jaun.

Es gibt zwar keine Bio-Richtlinien für ein Mindestalter der Schlachttiere, aber das Ziel ist eine «nachhaltige Tierhaltung», wie Jaun meint: «So setzen wir etwa in der Milchviehzucht auf langlebige und gesunde Tiere. Stiere, die diese Eigenschaften an ihre Nachkommen vererben, zeichnen wir mit dem Kleeblatt-Logo aus, so dass Biobauern sie in der Zucht einsetzen können.» Zudem gelte: «Je länger die Kuh lebt und Milch gibt, desto tiefer schlagen die Kosten pro Liter Milch für ihre Aufzucht vom Kalb zur Kuh und für den Tierarzt zu Buche.» Ein längeres Leben sei also auch aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll.

Bio-Tiere sterben konventionell

Bio-Tiere sterben nicht anders als Tiere aus konventioneller Tierhaltung. Allerdings gibt es zurzeit Bestrebungen, den Tieren mit der Tötung direkt auf der Weide den Stress des Transports und der grossen Schlachthöfe zu ersparen. Dieses Anliegen erachtet «Bio Suisse» als zukunftsweisend.

Aber darf man Tiere töten? «Bio Suisse» findet die Diskussion um das Thema wertvoll, sieht das Zusammenleben mit den Tieren auf dem Bauernhof aber als «natürlichen Kreislauf». Die Tiere würden getötet und geschlachtet, «weil sie ihre vom Menschen zugeteilte Aufgabe als Nutztier erfüllt haben», meint Jaun. «Was sollten wir sonst mit einer alten Kuh und einem männlichen Kalb sinnvollerweise machen, für die es auf dem Hof keinen Platz hat? Auch in der Produktion von Getreide oder Gemüse töten Menschen immer wieder Tiere. Wer den Acker bestellt, der tötet Mäuse, Regenwürmer und anderes Kleintier – selbst mit der Handhacke im Garten.»

«Bio Suisse»

Der Dachverband der Knospe-Betriebe. Diesem Label vertrauen in der Schweiz viele Konsumenten. Jeder achte Landwirtschaftsbetrieb in der Schweiz ist mittlerweile ein Bio-Betrieb, etwa 5‘800 an der Zahl. Der Marktanteil von Bioprodukten beträgt derzeit sieben Prozent.