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Gesellschaft & Religion Der Streit um die «dunklen Seiten des Koran»

Korankritiker haben Hochkonjunktur: Satiriker Andreas Thiel hat sich im Schlagabtausch mit Roger Schawinski auf einen Korankenner berufen: Manfred Schlapp. Der Altphilologe weist zwar auf kritische Sätze des Korans hin, nennt aber die Islamisierung des Abendlandes ein Gespenst.

Legende: Video Altphilologe Manfred Schlapp über Andreas Thiel abspielen. Laufzeit 0:53 Minuten.
Vom 16.01.2015.

Eigentlich hätte das Buch erst im Februar erscheinen sollen. Aber dann, am 15. Dezember, fielen sich zwei Männer in einer Talkshow von SRF gegenseitig ins Wort. Der Aufschrei, der auf die Sendung folgte, machte dem Schweizer Offizin-Verlag klar: Das Buch muss raus, sobald wie möglich.

Andreas Thiels Vordenker

Legende: Video Altphilologe Manfred Schlapp über die dunklen Seiten des Islam abspielen. Laufzeit 1:11 Minuten.
Vom 16.01.2015.

Andreas Thiel berief sich im Duell mit Roger Schawinski immer wieder auf Aussagen eines «Orientalistik-Professors», auf den Altphilologen und Philosophen Manfred Schlapp.

Koran-Erklärer haben Hochkonjunktur: Alle wollen verstehen, was in Syrien, Irak und vor allem jüngst in Paris geschehen ist. Manfred Schlapp (der kein Professor ist), hat sich intensiv mit «Koran-Arabisch» befasst. Sein Buch «Islam heisst nicht Salam» (zu deutsch: Islam heisst nicht Frieden) ist ein schillerndes Lesebuch; in 170 kurzen, flockig geschriebenen Essays enthüllt der Autor ein ambivalentes Verhältnis zum Islam.

Charmante Miniaturen über die Hochblüte des Islam

In einem lockeren Ritt durch die Geschichte des Islams zeichnet Schlapp die Kriegs- und Eroberungsfeldzüge der Muslime in groben Zügen und kurzen Kapiteln nach. Blutige Geschichten. Doch Schlapp würdigt auch die Verdienste und den muslimischen Einfluss auf die Entwicklung der europäischen Wissenschaft, Philosophie und Literatur. Er erzählt aus der Blütezeit des Islam, von Cordoba über Damaskus bis Bagdad und schwärmt von islamischen Universalgelehrten. Er erlaubt sich kühne Sprünge vom Einen zum Anderen, verzettelt sich hie und da, streut charmante Miniaturen aus der Geschichte islamischer Wissenschaft und Kultur.

Doch sein Hauptinteresse gilt der Ideengeschichte des Koran und der Philologie, den «Wortspielen, poetischen Wendungen und kunstvollen Formulierungen». In amüsanter Weise leitet er zum Beispiel die Herkunft von Wörtern wie «Alkohol» ab oder beschreibt die Erfindung der mathematischen Ziffer «Null». Für ihn ist der Koran ein «unerschöpfliches Bergwerk, in dem zu schürfen immer wieder ein Vergnügen ist».

Die dunklen Seiten des Islam

Legende: Video Islamwissenschaftlerin Rifa’at Lenzin über die Aussagen von Manfred Schlapp abspielen. Laufzeit 0:55 Minuten.
Vom 16.01.2015.

Doch die Gewalt sei dem Koran inhärent, sagt er im Interview am 13. Januar mit der «Sternstunden»-Redaktion. Drei Verben seien es, die den Koran «wie ein Mantra» durchzögen. Er zitiert jene sattsam bekannten Fluchverse und Suren, die zum Mord an Ungläubigen aufrufen und jene Qualen beschreiben, welche Unzüchtige und vom rechten Glauben Abgefallene erwarten. Auch Höllenvorstellungen und die Frauenbilder im Koran sind für ihn Teil der «dunklen Seiten des Islam».

In der aktuellen «Sternstunde Religion» kritisiert die Islawissenschaftlerin Rifa’at Lenzin diese Aussagen als grosse Vereinfachung. Sie bezeichnet Schlapps Umgang mit dem Koran als fundamentalistisch.

Nicht vor dem Karren der Pegida

Ob er die Gefahr einer Islamisierung des Abendlandes sehe? Manfred Schlapp reagiert entrüstet und sagt: «Ich warne nicht, ich weise darauf hin.» Aber wenig später bezeichnet er die Islamisierung des Abendlandes als ein Gespenst. Er lässt sich also nicht vor den Karren von Pegida spannen. Doch er wolle auf die Gefahr und die Sorgen der Menschen aufmerksam machen. Man solle diese Sorgen ernst nehmen.

Die Formel «Sorgen ernstnehmen» klingt derzeit in vielen politische Reden von links bis rechts. Was heisst das genau? Die Antworten sind mindestens so disparat wie die Interpretationen des Koran.

Buchhinweis

Manfred Schlapp: «Islam heisst nicht Salam.» Offizin Verlag, 2014.

68 Kommentare

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  • Kommentar von x unbekannt, x anonym
    an srf: Wieso spricht man über die von euch selbst ernannte ``dunkle Seite des Islams?`` Der Islam hat kein einzigen Punkt an dem mann Dunkel sagen kann oder darf, und erst gar nicht von euch nicht muslime.
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    1. Antwort von G.Beretta, Bern
      Das ein Kommentar von x unbekannt überhaupt online geschalten wird ist mir ein Rätsel. Wissen Sie was die Strafe ist, wenn man den Islam verlässt ?(Apostasie) Der TOD!!! „Diejenigen, die an Gott nicht glauben, nachdem sie gläubig waren…nein, diejenigen, die (frei und ungezwungen) dem Unglauben in sich Raum geben, über die kommt Gottes Zorn (w. Zorn von Gott) und sie haben (dereinst) eine gewaltige Strafe zu erwarten.“ – Sure 16, Vers 106: Ein bisschen Eigenkritik von Muslime würde nicht schaden
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Sharia und heute. Was sagt die alte Sharia, wenn zwei junge Leute Ehebruch begehen und es ein männlichen Zeuge gibt? Und wie geht die alte Sharia vor, der vermeintliche männliche Zeuge lügt und die zwei junge Leute Ehebruch beschuldigt? Beweise für die Unschuld der beiden gibt es meistens keine.
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    1. Antwort von antwort, Bern
      im islam gilt Gottes-Furcht. Allah ist der Allweise der almächtige, er ist allsehend und Allwissen. jeder Muslim ist sich bewusst das allah in sieht, das ist auch der Grund weshalb man bei solch einer Situation nicht Lügt! du deine aussagt: nicht 1 zeugen gemäss Shari3a zwei! beweiss aus dem Koran den Allah sagt im Qur3an: „Und nehmt zwei gerechte Personen von euch zu Zeugen“ (Sûra 65:2)
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    2. Antwort von Astrid Meier, Zürich
      Klare Antwort: Wenn 2 Verheiratete Ehebruch begehen und es einen männlichen Zeugen gibt: es sind drei Zeugen zu wenig. Zina wird festgestellt, wenn 4 männliche Zeugen das Paar während des Aktes (der Penetration!) beobachten. Wobei es untersagt ist, in einen Raum einzudringen, der nicht eigener Wohnraum ist. Tatsächlich ist es fast unmöglich diese Situation zu schaffen, man kann ja die Türe schliessen... Unverheirateten würde gem. Scharia die Todesstrafe zudem nicht drohen.
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Welches sind die Konfliktpunkte zwischen dem Koran und dem Westen? Ich sehe da zur Zeit "nur" die Sharia, wie die Religion missioniert werden sollte, das Familienbild und die Rolle der Frau. Die Sharia ist m.E. sehr ähnlich wie die Strafbestimmungen von Moses. Das Umfeld von Moses sowie vom Mohamed war aber ein anderes als wir es heute haben. Die Gesellschaft hat sich in ein paar Punkten weiter entwickelt. Daher war es sinnvoll schon zur Zeit Jesus die Gesetze von Moses zu relativieren.
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