Der Tourismus wächst, die Erde ächzt

Die Tourismusbranche ist die drittgrösste Industrie der Welt. Und sie soll weiter wachsen. Bereits jeder siebte Mensch soll bis 2020 als Tourist unterwegs sein. Dabei sind die Folgen für Umwelt und Klima nicht mehr absehbar. Sieben alarmierende Zahlen zum Tourismus.

    • 1.
      4 Prozent Wachstum
      Zwei Robben am Strand, im Hintergerund eine Gruppe Touristen.

      Bildlegende: Attraktion Galapagos: rund 220'000 Touristen haben 2015 die Inselgruppe besucht. Flickr/pantxorama

      Die Galapagos-Inseln, weit draussen im Pazifischen Ozean, berühmt geworden durch die Entdeckungen von Charles Darwin, ziehen heute immer mehr Touristen aus aller Welt an. 4 Prozent Wachstum jedes Jahr: Das bedeutet, dass letztes Jahr rund 220'000 Touristen die Inselgruppe besucht haben. Die Folgen für das Ökosystem sind verheerend, stellt Max Boehnel fest, der mit einem Stipendium der des Medienfonds «real21 – die Welt verstehen» eine Reportage über den Tourismus auf Galapagos durchführte.

    • 2.
      1,6 Milliarden Menschen
      Touristen im Schnee auf dem Jungfraujoch.

      Bildlegende: Gruss vom Jungfraujoch: 1,6 Milliarden Menschen sollen 2020 als Touristen unterwegs sein. Keystone

      Die Zukunft des Tourismus soll nachhaltig sein. Das hat die Welttourismusorganisation der Vereinigten Nationen, die UNWTO, für das Jahr 2017 als Losung ausgegeben. Auch die Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsziele der UNO, die Sustainable Development Goals, sehen vor, dass bis ins Jahr 2030 alle Länder «Politiken zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus erarbeiten und umsetzen» sollen. Allerdings prognostiziert die UNWTO, dass bis 2020 1,6 Milliarden Menschen als Touristen unterwegs sein sollen: rund ein Siebtel der gesamten Menschheit.

    • 3.
      280 Millionen Menschen
      Zwei junge Frau beugen sich an einem Tisch über ein Tablet.

      Bildlegende: Trotz oft prekärer Anstellungsbedingungen: 280 Millionen Menschen beschäftigt die Tourismusbranche. Keystone

      So viele Menschen beschäftigt der Tourismus weltweit direkt oder indirekt, jeder elfte Arbeitsplatz weltweit hängt direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Die Tourismusbranche ist damit nach der Automobilindustrie und dem Erdölsektor der drittgrösste Erwerbszweig weltweit. Viele Arbeitsplätze im Tourismus, darauf weist die Entwicklungsorganisation «Arbeitskreis Tourismus» in Basel hin, sind geprägt von prekären Anstellungsbedingungen und saisonalen Schwankungen.

    • 4.
      5 Prozent der Klimaerwärmung
      Eine junge Frau zieht einen am Flughafen einen Koffer mit Punkten hinter sich her.

      Bildlegende: Tendenz steigend: Der Ferien-Flugverkehr ist für rund 5 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Keystone

      Der Flugverkehr, der ganz wesentlich auf den Tourismus zurückgeht, ist für rund 5 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. Tendenz steigend. Wenn die Zahl der Touristinnen und Touristen weiterhin so steigt wie bis anhin, wird der Anteil des Flugverkehrs an der Klimaerwärmung bis 2050 auf 22 Prozent ansteigen, errechnete kürzlich eine Studie für das Europäische Parlament.

    • 5.
      3 Milimeter pro Jahr
      Menschen am Strandstrand aus der Vogelperspektive.

      Bildlegende: Zweifelhaftes Vergnügen: 3 Millimeter pro Jahr stieg der Meeresspiegel im Mittel der letzten Jahre. Keystone

      So viel beträgt der Anstieg des Meeresspiegels im Mittel der letzten Jahre. Nicht nur wird ein höherer Meeresspiegel ganze Inseln zum Verschwinden bringen; bereits heute führt er dazu, dass etwa an der Westküste Afrikas ganze Strände und Küstenorte von den Wellen des Meers einfach weggefressen werden.

    • 6.
      11 Prozent aller Ressourcen
      Menschen auf dem Weg zu einem sich Hotel, das sich im Bau befindet.

      Bildlegende: Landverbrauch durch den Tourismus: Aktuell wird er auf etwa 70'000 Quadratkilometer geschätzt. Keystone

      Der Tourismus verbraucht in etwa 11 Prozent aller Ressourcen. Allein der Landverbrauch durch touristische Aktivitäten wird heute auf etwa 70'000 Quadratkilometer geschätzt. Geht die Entwicklung so weiter wie bis anhin, wird sich dieser Anteil bereits 2030 verdoppelt haben. Zum Vergleich: Noch 1975 besetzen touristische Infrastrukturen nur etwa 20'000 Quadratkilometer.

    • 7.
      100 Milliarden Dollar
      Ein Flugzeug der Swiss wird betankt.

      Bildlegende: Billig tanken: Die Flugbranche spart dank tiefen Kerosinpreisen zur Zeit rund 100 Milliarden Dollar. Keystone

      Die Einsparungen der Flugbranche durch günstigere Kerosinpreise betragen zur Zeit rund 100 Milliarden Dollar. Damit, so schreibt die Klimaschutzorganisation myclimate in einer Stellungnahme, «werden zur Zeit die Flugpreise gesenkt und die Gewinne der Airlines erhöht». myclimate fordert «obligates klimaneutrales Fliegen», also die obligatorische CO2-Kompensation aller Flugemissionen. Die Airlines haben diese Forderung stets abgelehnt.

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