Zum Inhalt springen

Gesellschaft & Religion Die Spanisch-Brötli-Bahn brachte die Schweiz in Fahrt

Zürich, 1847. Die erste Bahnlinie der Schweiz wird eröffnet. Die Spanisch-Brötli-Bahn fährt nach Baden. Für die Schweiz beginnt damit ein neues Zeitalter. Die Bahn hat sich seit damals zwar stark verändert – wir reisen schneller und komfortabler. Das Prinzip aber ist seit über 150 Jahren dasselbe.

Die Spanisch Brötli Bahn im Biel.
Legende: Immer noch eine Attraktion: Die Spanisch-Brötli-Bahn fährt bei ihrem 150. Jubiläum durch Biel. Keystone

Am 7. August 1847 um 13.00 Uhr war es soweit. Der Eröffnungszug der ersten Bahnlinie der Schweiz verliess den Hauptbahnhof Zürich. 45 Minuten später traf die Spanisch-Brötli-Bahn mit seinen 140 geladenen Gästen in Baden ein. Sie war mit halsbrecherischen 30 Stundenkilometern durch das Limmattal gefahren.

Nicht nur die Badener Blätterteigspezialität «Spanisch Brötli» – daher wahrscheinlich der Name des Zuges – konnte so schnell nach Zürich transportiert werden. Für die gesamte Schweiz brach ein neues Zeitalter an. In ganz Europa war das Eisenbahnfieber ausgebrochen.

Unverändert: das geniale Prinzip

Das Spektakuläre an der Spanisch-Brötli-Bahn ist, dass sich seither an der Idee der Eisenbahn nichts geändert hat.

Gezogen von einem Zugfahrzeug fahren Wagen auf Schienen, die vom 1835 vom Engländer Ingenieur Charles Vignoles entwickelt wurden. Der Abstand der beiden Schienen, genau 1435 Millimeter, entspricht demjenigen der allerersten Eisenbahnen überhaupt. Die beiden Schienen sind auf Eichenbalken befestigt. Ein geniales System, denn die rollende Reibung von Eisenrädern auf Eisenschienen ist nahezu null. Und es können fast unbeschränkt viele Wagen aneinander gekoppelt werden, sie halten die Spur.

Schneller und komfortabler

Wie sich seither gezeigt hat, ist auf dieser Grundlage fast alles möglich: Aus den 30 Stundenkilometern von damals sind 574,8 Stundenkilometer beim französischen TGV geworden. Aus den sechs Wagen der Spanisch-Brötli-Bahn sind kilometerlange Güterzüge in den USA geworden. Personenzüge sind zweistöckig, wenn es sein muss.

Man kann in ihnen schlafen, essen oder arbeiten. Statt in mit Holz geheizten und zugigen Wagen reisen wir vollklimatisiert und mit Internet. Alles ist anders und doch ist alles gleich: die Eisenbahn, das war ein wirklicher Geniestreich.

Sendung: SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 20.07.2015, 07:15 Uhr.

Sommerserie «Unerreicht!»

Es gibt sie, die Dinge, die man gar nicht neu erfinden oder weiterentwickeln muss – weil sie einfach gut sind, wie sie sind: einfach unerreicht. Diesen Dingen geht Radio SRF2 Kultur diesen Sommer nach.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Peter Detlev Kirmsse, Bad Kissingen
    Mit 13 Jahren hatte ich das Glück in den Schulferien 1947 von einer Schweizer Familie nach Balgach eingeladen zu werden. Damals wurde auch gerade das Hundertjährige Jubileum der Schweizer Eisenbahn gefeiert. Ich bin jetzt noch sehr stolz, daß mir meine Gastgeber - die Familie Reufer-Koller - ermöglichten im oberen Rheintal im August eine Fahrt mit der Spanisch-Brötli-Bahn mitzumachen und auch etwas später in St.Gallen eine große Schweizer Eisenbahn Ausstellung anzusehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten