Religiöse Erziehung Drei Religionen und wie Eltern sie ihren Kindern vermitteln

Religion gibt Kinder Heimat und Halt im Leben. Das sagen Eltern, die ihre Kinder religiös erziehen.

Drei Bücher liegen übereinander, darauf die Symbole der drei Religionen Christentum, Judentum und Islam.

Bildlegende: Religion als Grundlage für die Erziehung: Was vermitteln christliche, jüdische oder islamische Eltern ihren Kindern? Imago/UIG

Christine Bachmann erzieht ihre Kinder römisch-katholisch

SRF: Sie erziehen Ihre Kinder religiös. Wie äussert sich das im Familienalltag?

Christine Bachmann: Wir pflegen die gängigen christlichen Rituale wie Beten vor dem Essen, Abendgebet, gemeinsamer Besuch der Sonntagsmesse, in der unsere Kinder auch ministrieren. Einen besonderen Platz hat das gemeinsame Sonntagsabendgebet, wo wir für alle Anliegen in der Familie beten, für unsere Freunde und die kommende Woche. Daneben versuchen wir Vorbild zu sein in der christlichen Nächstenliebe: ein offenes Haus zu haben, Leute in Not zu unterstützen.

Familie von Christine Bachmann: sieben Kinder.

Bildlegende: Die Familie von Christine Bachmann: sieben Kinder. ZVG

Erziehung heisst ja immer auch, zuerst sich selber zu erziehen, an sich selber zu arbeiten. Darum ist es für mich wichtig, selber eine tiefe Beziehung zu Gott zu pflegen und Jesus als Vorbild in der Erziehung zu nehmen. Ich überlege mir, wie er handeln würde.

Welche Werte vermitteln Sie Ihren Kindern?

Papst Franziskus sagte, die Worte «Danke, Bitte, Entschuldigung» sollen den Familienalltag prägen. Das sind Werte, die das Zusammenleben angenehm machen. Unsere Kinder sollen die Erfahrung machen, dass glücklich ist, wer für den anderen lebt.

Daneben sind uns Ehrlichkeit, Selbständigkeit, verzichten können, den Blick auf den anderen richten, Toleranz und sich selber annehmen können sehr wichtig.

Wir möchten den Kindern Ehrfurcht vor dem Leben und vor Gott weitergeben.

Wie gehen Sie in der Familie mit Konflikten um?

In Konfliktsituationen versuchen wir im Gespräch mit dem Kind eine Lösung zu finden. In der Regel bestrafen wir die Kinder nicht, sondern schauen, dass sie die Konsequenz ihres Handelns tragen müssen, wobei wir sie dabei auch begleiten und unterstützen.

In der Familienkonferenz bearbeiten wir die Anliegen einzelner Familienmitglieder.

In einer schwierigen Situation begleiten wir ein Kind vor allem durchs Gebet. Mit den kleineren Kindern machen wir hin und wieder ein fiktives Päckchen, in welches wir den Streit einpacken und dann wegwerfen. Das wirkt befreiend.

«Religion ist Gift für Kinder.» - was sagen Sie den Kritikern religiöser Erziehung?

Meine Erfahrung ist, dass die religiöse Erziehung das Kind stärkt, ihm eine Identität gibt und seine innere Haltung positiv beeinflusst. Im Leben geht es um Freiheit und Verantwortung. Ich glaube, der Glaube hilft dem Kind, Verantwortung zu lernen, um dann als Erwachsener in Freiheit das Leben zu gestalten.

Gift könnte es sein, wenn es im Glauben nur um das Befolgen von inhaltsleeren Regeln geht, wenn man sich abhängig macht von einer Gemeinschaft oder Institution oder wenn Religion missbraucht wird, um Macht auszuüben oder unlautere Ziele zu erreichen.

Doron Schächter erzieht seine Kinder jüdisch

SRF: Sie erziehen Ihre Kinder religiös. Wie äussert sich das im Familienalltag?

Doron Schächter: Einerseits leben wir die Halacha vor (jüdische Regeln, modern übersetzt «jüdischer Lifestyle»): Beten, Segenssprüche, Koscher essen, den Shabbat einhalten, Feiertage etc. Andererseits vermitteln und diskutieren wir jüdisches Wissen: Historisches, Inhalte der Thora, philosophische Schriften und insbesondere lernen zu lernen.

Familie von Doron Schächter: vier Kinder.

Bildlegende: Die Familie von Doron Schächter: vier Kinder. ZVG

Welche Werte vermitteln Sie ihren Kindern?

Eigentlich sehr universelle, vielleicht humanistische Werte wie der sorgsame Umgang mit Mitmenschen oder mit Natur und Umwelt. Diese gilt es in den Quellen zu finden und sich an diesen dann teilweise auch zu reiben. Ich spreche nicht gerne von jüdischen Werten.

Wie gehen Sie in der Familie mit Konflikten um?

Wir versuchen hier Gott zu imitieren. Eine Strafe sollte nicht künstlich auferlegt, sondern eine Konsequenz aus dem Handeln sein. Verstösse gegen religiöse Regeln werden nicht bestraft.

«Religion ist Gift für Kinder.» - was sagen Sie den Kritikern religiöser Erziehung?

Kann es durchaus sein. Das sieht man in der Welt heute sowie in der Geschichte leider zur Genüge.

Dilek Ucak Ekinci erzieht ihre Kinder muslimisch

SRF: Sie erziehen Ihre Kinder religiös. Wie äussert sich das im Familien-Alltag?

Familie von Dilek Ucak Ekinci: zwei Kinder.

Bildlegende: Die Familie von Dilek Ucak Ekinci: zwei Kinder. ZVG

Dilek Ucak Ekinci: Zum Beispiel morgens, wenn wir mit der arabischen Anrufungsformel Basmala («Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes») den Tag beginnen. Und zwar sprechen wir die Formel gleich, wenn wir aufwachen und aus dem Bett aufstehen. Oder beim Essen, wenn wir uns für das Essen mit der arabischen Formel Alhamdulillah («Gott sei Dank») bedanken und die Mahlzeit beenden. Oder mit einem Gebet ins Bett gehen.

Welche Werte vermitteln Sie ihren Kindern?

Diese Frage ist für mich schwer zu beantworten, da man im Alltag als Eltern nicht so viel über Werte nachdenkt. Vielmehr vermittelt man sie unbewusst durch das eigene Verhalten. Aber Respekt, Höflichkeit oder Fairness werden im Alltag schon thematisiert.

Wie gehen Sie in der Familie mit Konflikten um?

Sehr unterschiedlich. Manchmal sehr ruhig, manchmal auch laut. Konflikte werden bei uns aber sogar mit der Jüngsten ausdiskutiert. Im schlimmsten Fall mit der Konsequenz, ins Zimmer geschickt zu werden.

«Religion ist Gift für Kinder.» – was sagen Sie den Kritikern religiöser Erziehung?

Diese Aussage irritiert mich, da ich mir wünsche, dass die Religion für meine Kinder eine Quelle für das Vertrauen ins Leben ist. Ich möchte, dass ihr Glauben sie stärkt und sie immer Kraft aus ihm schöpfen können.

Die Gespräche führte Norbert Bischofberger.

Sendung: SRF 1, Sternstunde Religion, 5.2.17, 10 Uhr.

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