Ex-«Blick»-Chef Werner de Schepper: fröhlich, katholisch, sündig

Er entfernte das Seite-3-Mädchen aus dem «Blick» und führte das tägliche Bibelzitat ein: Werner de Schepper war jahrelang Chefredakteur der Boulevardzeitung und brachte Bibel und Boulevard erfolgreich zusammen. Sein neustes Projekt: Ein Newsroom für das neue katholische Medienzentrum.

Werner de Schepper vor einem Kirchenfenster mit einer «Blick»-Zeitung.

Bildlegende: Studierter Theologe und Vollblutjournalist mit Vorliebe für den Boulevard: Werner de Schepper. Keystone / Getty Images / Bildmontage

«Blick»-Chef zu sein, ist für mich ein Lebenstraum. Das sagte der 49-jährige Vollblutjournalist Werner de Schepper, der lange in führenden Positionen beim Ringier-Verlag war, vor bald zehn Jahren. Ein Traum, den er von 2003 bis 2007 lebte – und so richtig auskostete: Der studierte Theologe und gebürtige Belgier entfernte das nackte Seite-3-Mädchen und führte das tägliche Bibelzitat ein.

Seit 2007 ist der Traum ausgeträumt. Aber daraus ist kein Albtraum geworden. Denn bei seinen nachfolgenden Karriere-Stationen – zum Beispiel bei der Aargauer Zeitung – stürzte er sich mit Leidenschaft auf die lokalen Themen, die nah am Menschen dran sind. Und auch dort versuchte er das Thema Religion und Kirche gut zu platzieren, weil – wie er sagt – «Religion und Sex die letzten Tabus» in den Medien sind.

Katholisch und ein wenig rebellisch

De Scheppers Eltern waren 1963 aus Belgien nach Olten gezogen. Dort wuchs er in einem streng katholischen Milieu auf, wo der Sinn fürs Teilen und für soziale Gerechtigkeit gross geschrieben wurden. Mit 19 trat Werner de Schepper in ein Kapuzinerkloster ein, das er aber nach sechs Wochen der Liebe wegen wieder verliess.

Die Faszination für die Theologie aber blieb: Er studierte in Fribourg Moral- und der Befreiungstheologie. Gerne erzählt er noch heute, dass er damals als wohl einziger unter den linken Studenten auf dem Campus regelmässig den «Blick» unter dem Arm trug und so für manche Provokation sorgte.

Boulevard aus dem katholischen Milieu

Beruflich wurde schon bald der Ringier-Verlag die Heimat für den frisch gebackenen Journalisten mit theologischem Hintergrund. In der «Schweizer Illustrierten» schrieb er mit Vorliebe über Bischöfe und Gewerkschafter. Fromm war er, links war er und als junger Mann bald recht erfolgreich: Im «Blick» boten sich ihm – erst als Stellvertreter, dann als Chefredakteur – reizvolle Boulevard-Stories aus dem katholischen Milieu an, von Bischof Haas bis zu Bischof Vogel. Intern bei seinen Kollegen wurde der Chef gerne als «fröhlicher katholische Sünder» beschrieben. Eine Charakterisierung, die de Schepper noch heute gefällt.

Kirchengeschichten – multimedial

Zu Beginn des nächsten Jahres kehrt der erfahrene Medien-Bummler de Schepper quasi zu seinen Wurzeln zurück. Er wird den in Zürich geplanten, neuen katholischen Medienauftritt prägen. Dabei soll ein Medienzentrum entstehen, das das bisherige Internet-Portal «kath.ch» und die Katholische Internationale Presseagentur Kipa ablösen wird.

Unter der Leitlinie «online first» wird de Scheppers neue Redaktion «Geschichten aus Kirche, Religion und Gesellschaft multimedial» anbieten. Ein «Muss-Medium» soll es werden, sagt Werner de Schepper, ein «Must» für Kirchenleute, denen die Welt da draussen etwas näher kommen soll. Ein «Must» auch für die Macherinnen und Macher der säkularen Schweizer Medien, die nach kompetenten Analysen suchen.

So wie man den Journalisten Werner de Schepper in den letzten 25 Jahren kennengelernt hat, könnte ihm im künftigen «Katholischen Medienzentrum der Deutschschweiz» vor allem eines gelingen: Er wird die Türe in Richtung Gesellschaft weit öffnen. Er wird seiner Kirche zeigen, dass es da eine Welt gibt, die zumeist etwas anders funktioniert, als man es sich hinter geschlossenen Kirchenpforten vorstellt.

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