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Gesellschaft & Religion Frido Mann: Ein Theologe verliert seinen Glauben

«Das Versagen der Religion» ist eine Glaubensbiografie von Frido Mann. Der Lieblingsenkel von Thomas Mann studierte einst Theologie. Später war er als Professor für Klinische Psychologie tätig. Heute ist er Schriftsteller und schreibt über den Verlust seines Glaubens – in fast allen Bereichen.

Frido Mann, in weissem Hemd und grauem Sakko zeigt auf etwas. Sein Gesichtsausdruck: kritisch.
Legende: Frido Mann begutachtet 2006 Gemälde im Thomas Mann Archiv. Bei seiner Sinnsuche bezieht er heute auch die Kunst ein. Keystone

Unsere Zivilisation ist aus den Fugen geraten, ein Wertesystem, das den Weltfrieden erhalten könnte, existiert nicht. Und die monotheistischen Religionen schauen hilflos zu. Eine bittere Analyse von Frido Mann. Was den Psychologieprofessoren umtreibt, ist die ewige Suche nach dem Sinn. Früher hat ihn diese Suche zum Katholizismus geführt.

Papst rehabilitiert Holocaust-Leugner: Kirchenaustritt

Das «Aggiornamento», die Hinwendung zur Welt während des zweiten Vatikanischen Konzils, hat Mann zum Studium der Theologie verleitet. Er war Assistent des grossen Karl Rahner und seine Dissertation schrieb er über das Abendmahl beim jungen Luther. Ein ökumenischer Katholik also. Einer, der sich aber immer mehr von seiner Kirche entfernte. Das lange Pontifikat Johannes Pauls II. empfand er als «unselig» und als Benedikt XVI. den englischen Piusbruder Williamson rehabilitierte, da trat Frido Mann aus der Kirche aus.

Ein deutscher Papst rehabilitiert einen Holocaust-Leugner, das war dem Theologen Mann zu viel. Die Suche nach der richtigen Kirche hat der 73-Jährige noch nicht aufgegeben, heute würde er sich bei den Lutheranern am wohlsten fühlen.

Auch in der Psychiatrie verlor er seinen Glauben

Manns Buch «Das Versagen der Religion» hangelt sich entlang seiner persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Kirche und Religion. Was der Psychologe Mann als «Achterbahn Mensch» analysiert, gilt auch für den Theologen Mann. Seinen sicheren religiösen Halt hat er freilich nicht nur in der Kirche verloren. Auch in der Psychiatrie kam er ihm abhanden.

Dies, als Mann in der Krebsstation einer Kinderklinik arbeitete. Die Erfahrung mit den Abgründen des Menschseins drängten bei Mann auf radikale Art die Frage nach dem Sinn auf. Die Religionen gaben keine Antwort, befand er, weil sie «mit bigottem Starrsinn in Machtstrategien verharren».

Sinnsuche in Kunst und Kultur

Gerade in dem monotheistischen Dreieck von Christentum, Judentum und Islam entdeckt Mann nichts mehr, was jungen Generationen eine Art geistige Führung geben könne. Es gehe immer darum, die Geschichte und die Gegenwart des anderen zu akzeptieren, schrieb der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber einmal. Davon aber seien die genannten Religionen weit entfernt, befindet Mann.

Frido Mann kommt aus einer grossen Schriftstellerfamilie. Sein Vater war Musiker. Und er ist nun mehr und mehr dabei, bei seiner Sinnsuche die Kunst und die Kultur einzubeziehen.

Als kleinen Hoffnungsschimmer widmet Frido Mann sein an sich pessimistisches Buch dem West Eastern Divan Orchestra, in dem zur Hälfte arabische und zur anderen Hälfte israelische Jungmusiker spielen. Hier, so Mann, vermag das verbindende Medium Musik im Kleinen mehr für den Frieden zu tun, als die grossen monotheistischen Religionen.

Buchhinweis

Frido Mann: «Das Versagen der Religion», Kösel Verlag, 2013.

Bücher, die vom Himmel fallen

Bücher, die sich im weitesten Sinne mit dem Thema Religion auseinandersetzen. Dieses Thema steht im Zentrum der Sommerserie 2013 von der Radiosendung «Blickpunkt Religion».

10 Kommentare

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  • Kommentar von D.Wohret, Saas Almagell
    Öl ins Feuer? Ich spreche, bzw. schreibe einzig die Wahrheit, die besten Worte überhaupt: La ilaha illa ALLAH. Das Feuer überlasse ich den anderen, die einen anderen Gott anbeten ausser Allah, oder gar mehrere Götter, audhu bi Allah, denn Götzendienst ist die grösste Sünde und führt für immer ins Höllenfeuer. Wie gross ist doch die Schuld der Kirchen, die die Dreifaltigkeit erfunden und Isa zu "Gottes Sohn" gemacht haben. So machen sie die Christen zu Götzendienern, für ewig zum Feuer verdammt
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    1. Antwort von philip balsiger, Seedorf
      Genau dardas meint Frido Mann mit : «mit bigottem Starrsinn in Machtstrategien verharren». Islam, Christen, Hindus, budhisten... keine religion ist besser oder schlechter
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  • Kommentar von Peter Thommen_63, Basel
    Es ist wohl dem Menschen aufgetragen, den Sinn seines Lebens selber zu suchen! Er kann nicht mit Glaubenseifer sich selber "gottgleich" machen und dann meinen, auf die ihm gestellte Aufgabe verzichten zu können/dürfen. Die Verzweiflung ist offensichtlich bei denen, die glauben auf Erden eine Glaubensherrschaft errichten zu müssen. Liebet die Männer auf Erden, statt sie im Namen von Göttern umzubringen! Dann ist auch noch genug Liebe für die Frauen vorhanden.
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      @P.Thommen/Wozu Gott oder Götter?Die Existenz des Menschen ist ohne Bedeutung.Er ist nicht mehr und nicht weniger als ein quakender Frosch in einem Biotop.Wird geboren,ernährt und vermehrt sich,zerfällt.Eine biochemische Interaktion.Seine Existenz,die des Planeten,der Sonne und des Milchstrassensystem sind völlig irrelevant.Ein Aufleuchten und Erlöschen.Sinn ist eine Kreation des Menschen um an sich selbst nicht verzweifeln,da unfähig,Fühlen und Denken in Einklang zu bringen.
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  • Kommentar von Stefan Schmidt, Harsewinkel
    Die Antwort auf die Sinnfrage lautet: Die einzig wahren Götter sind die nordischen. Odin und Thor regieren das Universum. Alles andere ist schlimmste Blasphemie! Die nordischen Götter sind ein viel ältere, gewaltigere Kraft, und würden sich nie an ein Kreuz nageln lassen (Von was eigentlich? Achja einem HAMMER!) oder kleine Menschenkinder heiraten.
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    1. Antwort von anne marie, alicante
      Sie haben die Antwort auf die Siunnfrage offensichtlich noch nicht gerfunden. Aber vielleicht sind Sie ja noch jung?
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    2. Antwort von S Duvel, Kranskop SA
      @StefanSchmidt Ich bitte Sie, spotten Sie nicht über die unfassbar große Liebe unseres Schöpfers, der seinen Sohn für uns dahingegeben hat, damit wir einst ewiges Leben bei IHM im Himmel haben können und nicht verloren gehen! Dies ist eine ernste Sache und ich möchte nicht in ihrer Haut stecken, wenn sie so daher reden. Gott lässt sich nicht spotten und wenn sie sich nicht bekehren und Vergebung von Gott empfangen, wird es Ihnen in Ewigkeit Leid tun, sowas gesagt zu haben.
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