Google hilft Printmedien auf die digitalen Sprünge

Google will den digitalen Journalismus fördern. Der Internetriese unterstützt Medienhäuser in ganz Europa mit 27 Millionen Euro. Googles Interesse sei nicht ganz uneigennützig, glaubt man bei der «NZZ», die Projektgeld bekommt. Aber Daten von der «NZZ» gebe es sicher keine für Google.

Eine Frau hält ein Tablet in der Hand, darauf eine Seite der «NZZ».

Bildlegende: Sag, wer du bist – und die «NZZ» sagt dir, was du gerne liest. Keystone

Welche Interessen verfolgt Google mit der Förderung journalistischer Projekte?

Anita Zielina: Einerseits hat Google ein Interesse daran, dass das mediale Ökosystem weiterbestehen bleibt. Das Geschäftsmodell von Google beruht darauf, dass Medien Inhalte publizieren, die dann in Suchmaschinen gesucht werden. Andererseits verspricht sich Google davon bestimmt auch einen PR-Effekt.

Die «NZZ» bekommt Geld von Google – macht sie das in der Berichterstattung nicht befangen gegenüber dem Internetriesen?

Das kann ich für die «NZZ» ausschliessen. Medien, die privatwirtschaftlich organisiert sind, haben immer wirtschaftliche Beziehungen, etwa mit Anzeigekunden oder Abonnenten. Google finanziert dieses Forschungs- und Entwicklungsprojekt, hat aber keinen Einfluss auf dessen inhaltliche Gestaltung.

Ihr Projekt trägt den Arbeitstitel «NZZ Companion». Ziel ist die Entwicklung einer personalisierten App – was genau soll diese leisten?

Die Personalisierung, also das gezielte Ausliefern kontextsensitiver Informationen, ist aktuell einer der grossen mobilen Trends. Mithilfe unserer App werden wir unseren Lesern ein besseres Nutzungsgefühl ermöglichen können – indem wir Informationen gezielt anpassen an die Art, wie sie Informationen konsumieren, und an die Endgeräte, mit denen sie Inhalte konsumieren.

Das bedeutet: Sie werden Daten über Ihre Leser sammeln, um ihnen massgeschneiderte Artikel vorschlagen zu können. Werden Sie die Daten an Google weitergeben?

Nein, natürlich nicht. Die Rolle von Google endet bei der Finanzierung. Ausserdem stellen wir dem Leser frei, uns diese Daten zu geben. Niemand wird dazu gezwungen, die Personalisierungsfunktionen zu nutzen. Und wer das tut, dessen Daten werden vertraulich behandelt.

Sie möchten auch eine neue Art von Algorithmen herstellen. Würden sie dieses Wissen an Google weitergeben?

Bei der digitalen Entwicklung sind wir der Meinung, dass wir unsere Erkenntnisse mit anderen Medien- oder Verlagshäusern teilen möchten. In einer medialen Welt, in der alle Verlage und Medien an denselben grossen Fragen und Problemen arbeiten, macht es keinen Sinn, die Welt von Grund auf neu erfinden zu wollen. An Google werden wir unsere Erkenntnisse aber nicht weitergeben.

Auch sie bekommen Geld von Google

Neben der «NZZ» erhalten in der Schweiz auch die Basler «TagesWoche» und die «Aargauer Zeitung» Fördergelder von Google.

Die «TagesWoche» plant eine Web-Applikation, mit deren Hilfe die Leser Ideen und Fragen anbringen und gleichzeitig darüber abstimmen können, welche davon die Journalisten weiterverfolgen sollen – quasi eine virtuelle Redaktionssitzung unter Einbezug des Publikums.

Die «Aargauer Zeitung» verfolgt dasselbe Ziel: Sie will ein lokales Petitionsportal entwickeln, «auf dem die Bürgerinnen und Bürger eigene Anliegen, Initiativen und Ideen für ihr lokales Umfeld publizieren und zur Abstimmung stellen können».

Zur Person

Eine Frau mit Pagenschnitt und markanter Brille.

Keystone

Anita Zielina, 1980 in Wien geboren, ist Chefredaktorin Neue Produkte der «NZZ». Nach dem Studium der Politik- und Rechtswissenschaften war sie zunächst für die österreichischen Tageszeitung «Der Standard» tätig. 2013 wechselte sie zum deutschen «Stern», wo sie als stellvertretende Chefredaktorin für alle digitalen Produkte zuständig war.

«Digital News Initiative»

Mit der «Digital News Initiative» will Google den digitalen Journalismus fördern. Im letzten Jahr wurde dafür ein Fonds von über 150 Millionen Euro errichtet. Medienhäuser, Start-Ups u.a. Informationsunternehmen konnten sich für Fördergelder bewerben. In einer ersten Tranche wurden 27 Millionen Euro an 128 Organisationen in 23 Ländern verteilt.

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