Griechenlands Rentenreform trifft Kulturschaffende besonders hart

Hohe Arbeitslosenquote gepaart mit alternder Population: Im krisengeschüttelten Griechenland steht das Rentensystem kurz vor dem Kollaps. Die Regierung unter Alexis Tsipras plant nun weitere Auflagen für die bereits geschwächte Bevölkerung. Auch die Kulturszene des Landes trifft es schwer.

Blick durch die Akropolis auf Athen. Ein Mann sitzt daneben, arbeitend.

Bildlegende: Renovation an der Akropolis. Auch Griechenlands System wird renoviert, mit drastischen Folgen für Kulturschaffende. Keystone

In Griechenland ist fast jeder vierte arbeitslos. Denn in Zeiten der Krise gibt es keine Arbeitsplätze mehr. Die Arbeitskraft verteilt sich bei einer Bevölkerung von etwa 11 Millionen Menschen auf nur 3,6 Millionen Griechinnen und Griechen. So können die Rentenkassen nicht gefüllt werden.

Rentnerinnen und Rentner überwiegen den Anteil der arbeitenden Bevölkerung. Sie machen 2,7 Millionen aus. Gemäss Experten wird sich dieses Problem in den nächsten Jahren noch verschlimmern. Denn in Zeiten der Krise ist die Geburtenrate stark zurückgegangen. Die Bevölkerung vergreist.

Verpuffte Arbeitskraft

Die Arbeitskraft, die ins Rentensystem einzahlen sollte, ist durch diese massive Arbeitslosigkeit nicht gegeben. Der neue Plan der linken Regierung: Es soll in Zukunft für jeden eine Mindestrente von 384 Euro geben. Aktuelle Renten – die bis heute schon mehrfach gekürzt wurden – sollen unverändert bleiben. Doch neue Renten können dafür um bis zu 15 Prozent gesenkt werden.

Um die Rentenkassen zu füllen, werden die wenigen Arbeitenden stark zur Kasse gezogen. Neben Landwirten trifft es besonders die Freischaffenden im Lande hart. Falls die Reformen beschlossen werden, müssen sie etwa drei Viertel ihres Einkommens als Pensions- und Krankenkassenbeiträge sowie Steuern abgeben. Klempnerinnen, Ärzte, Anwältinnen, Schauspieler, Regisseurinnen – alle sitzen in einem Boot. Denn auch viele der eigentlich wohlhabenden Berufsgruppen sind in Zeiten der Krise verarmt – Aufträge bleiben aus.

Steuern ab dem ersten Euro Verdienst

Unter den Freischaffenden befinden sich viele aus der Kulturszene. Mania Papadimitriou arbeitet seit über 20 Jahren als Schauspielerin und Regisseurin. Die Arbeitssituation für die Freischaffenden im Lande sei jetzt schon schwer, seufzt sie. Ab dem ersten Euro zahle man Steuern – einen Freibetrag gebe es nicht.

In den letzten fünf Jahren gibt es auch kaum noch Jobs, klagt Mania Papadimitriou. Und wenn, dann ist die Bezahlung so schlecht, dass man kaum über die Runden komme. Sie habe momentan zwei Engagements. «Für fünf Monate Arbeit bekomme ich 1500 Euro», sagt sie. Sollte es zu den neuen Reformen kommen, befürchtet sie, bei 1000 Euro Verdienst ungefähr 700 Euro abgeben zu müssen.

Schwarz arbeiten oder gar nicht

Eigentlich müsse der Arbeitgeber einen Teil des Versicherungsbeitrags bezahlen. «Vor allem kleine Theaterunternehmen können das aber nicht mehr», seufzt Papadimitriou. Und so zahle der Freischaffende selbst, arbeite schwarz oder arbeite gar nicht. «Bei 1000 Euro bleiben mir mit diesen Reformen dann etwa 300 Euro», so die Schauspielerin. Die Reformen verteilten sich mit zu harten Auflagen auf zu wenige. «Das können wir nicht mehr tragen», sagt sie.

Ob die geplanten Reformen tatsächlich zum Wohl der griechischen Bevölkerung umgesetzt werden, ist mehr als fraglich. Doch scheint der Druck der Gläubiger zu gross. Denn die Reformen sind Bedingung dafür, dass die Euro-Finanzminister mit der griechischen Regierung über weitere Schuldenerleichterungen verhandeln.