Kürbis zum Frühstück

Was tun, wenn man befürchtet, von dieser Welt gehen zu müssen, ohne etwas Bleibendes zu hinterlassen? Hüsnü antwortet mit seiner Familiengeschichte, in der nebst unnützen Menschen auch Kürbisse vorkommen. Hören Sie.

Lieber Hüsnü, ich habe 68 Jahre auf dem Buckel und bin jetzt im besten Fall im letzten Viertel meines Lebens angelangt. Ich habe wenig von dem erreicht, was ich mir erhofft hatte, sondern werde diese Welt als ein Niemand verlassen. Wie kann ich Frieden mit dem Leben schliessen?
Gerald, Freiburg i. Breisgau

Lieber Herr Gerald, möchte ich Glückwünschung machen zu 68 Jahre Leben und Nichtsterben. Das ist viel, und kann man glauben, war nicht immer einfach. Schau mal, der Menschen wollen immer etwas und machen Planung.

Früher, wann ich war klein, mein Mutter macht jede Freitag grosse Programm für Wochenende. Ein Schwester muss Haus putzen, andere Schwester Wäsche waschen, der Hüsnü macht Aufräumung, und meine Vater geht zum Einkaufen.

Mein Mutter gebt ihm eine Zettel mit alle wichtige Sache. «Necla, ich liebe dich sehr, und wann schreibst du, muss ich drei Hünde und fünf Kamele bringen, ich bringe», sagt er und geht. Aber natürlich, auf der Zettel steht keine Tiere, sondern Salz, Kaffe, Makkaroni und solche Sache. Wann am Sonntag kommt grosse Besuch, muss er auch Torte kaufen.

Meine Vater geht gern zum Ladengeschäft, weil trefft er dort andere Männer, wo auch haben Zettel vom Ehefrauen. Bei eine steht «Schaffleisch», bei andere «Essig und Öl», bei noch andere «Obergine für Dolma, aber bringst du die ganz kleine, sonst ich mach deine Kopf kaputt».

Die Männer treffen und reden. Eine Teejunge bringt Tee mit viel Zucker, so die Männer sitzen und reden noch mehr. Sie erzählen vom Probleme zu Hause, im Land, im Welt, und bis dritte Tee sie haben alle Problem gelöst. Dann, am Abend, meine Vater kommt heim mit eine Blume und ein Kürbis. Mein Mutter schimpft: «Warum Kürbis?» Meine Vater sagt: «Wann war ich war beim Teetrinken, habe ich der Zettel verloren. Also habe ich am dich gedenken zum erinneren alle Sachen. Wann ich an dich gedenke, sehe ich Blume. Aber weil man kann der Blume nicht essen, hab ich ein Kürbis dazugelegen.» Mein Mutter will noch mehr böse sein, aber kann sie nicht. Sie anzieht schöne Neglische, und sie gehen schlafen. Nächste Morgen gibtes nur Kürbiskuchen zum Frühstück, und mein Mutter sagt: Euche Vater ist total unnützliche Person im Leben, aber im Schlafzimmer diese Personen machen Spass. Ihr versteht später, aber jetzt esst ihr dem Kürbis.»

So, meine liebe Gerald. Hast du deine Leben 68 Jahre gut und unnützlich gelebt. Machst du auf letzte paar Meter bitte nicht anderes. Bleibst du so und hast du viel Spass mit alle Menschen, wo liebst du. Wann du unbedingt brauchst, gehst du eine Kürbis kaufen.

Hüsnü hilft

Hüsnü Haydaroglu ist Kolumnist und Lebensberater. Der Mann mit Schnurrbart weiss in seinem eigenwilligen «Tiefdeutsch» eine Lösung für jede verzwickte Lage. Hüsnüs Kolumnen erscheinen regelmässig auf srf.ch/kultur.

Hüsnü Haydaroglu ist eine Kunstfigur von Güzin Kar, gelesen von Hilmi Sözer. Mit Ihren Fragen können Sie sich hier an Hüsnü wenden.

Güzin Kar

Güzin Kar

Die Drehbuchautorin und Filmregisseurin («Lieber Brad», «Die wilden Hühner», «Fliegende Fische», «Achtung, fertig, WK!» etc.) schreibt obendrein Kolumnen und Bücher. Sie mag: Chips, Charme und alles, was scharf ist. Sie mag nicht: Geiz, Besserwisserei und Witze auf Kosten von Schwachen. Güzin ist auf Facebook.