Dank unsichtbaren Helfern ist der Petersdom blitzblank

Der Petersdom ist die grösste katholische Kirche der Welt. Sein Marmorfussboden umfasst rund 16'000 Quadratmeter. Jeden Morgen bringen ihn die Putzmänner des Papstes zum Glänzen. Das freut nicht nur den Papst, sondern verhindert auch Unfälle von Touristen.

In einer Pfütze spiegelt sich die Spitze des Petersdoms.

Bildlegende: Mindestens 20'000 Besucher strömen jeden Tag in die grösste Kirche der Welt – und bringen Dreck von draussen mit. Reuters

Benedikt XVI. war der erste Papst, der «Saubermänner» in sein Zwergreich berief, um den, so die Tageszeitung «la Repubblica», «vatikanischen Saustall auszumisten». Der Papst war zum Opfer der sogenannten Vatileaks-Affäre geworden, bei der ein Netz von Personen den Papst hinterging, wie illegal in den Medien veröffentlichte Dokumente belegten.

Papst Franziskus berief dann nichtkirchliche Experten, die die ins Gerede gekommene Vatikanbank von mafiösen und anderen kriminellen Kontoinhabern «reinigte».

«Saubermänner» nennt Italiens Presse jene PR-, Management und Finanzfachleute, die seit wenigen Jahren das Ansehen des Vatikan aufmöbeln, in dem sie vor allem undurchsichtige Finanztransaktionen aufdecken und ausmerzen.

Die «richtigen» Saubermänner

Die richtigen Saubermänner arbeiten hingegen im Petersdom. Bevor dieser morgens um sieben Uhr seine gewaltigen Pforten öffnet und täglich mindestens 20'000 Besucher hereinströmen, reinigen sie, mit Besen und grossen Reinigungsmaschinen, rund 16'000 Quadratmeter Marmorfussböden in der grössten katholischen Kirche der Welt. Eine Gruppe von Putzmännern, die sich darauf versteht, die kostbaren mehrfarbigen Fussbodenflächen des Petersdoms so zu reinigen, dass der Glanz des Marmors erhalten bleibt.

Unterhalt eines immensen Bauwerks

Die Reinigungskräfte der Peterskirche unterstehen der Dombauhütte. Ihre Gründung geht auf das frühe 16. Jahrhundert zurück, auf Papst Julius II. (1503-1513). Seit Sixtus V. (1585-1590) untersteht die Dombaukommission dem Erzpriester des Petersdom – bis heute.

Das ist derzeit Kardinal Angelo Comastri. Der wie sie in der offiziellen vatikanischen Sprache Latein genannten Reverendae Fabrica Sancti Petri unterstehen sämtliche Aufgaben zum Erhalt des immensen Bauwerks.

Der Papst lacht.

Bildlegende: Im Einsatz für sein Gotteshaus: 125 Helfer halten den Petersdom im Stand. Reuters

125 Menschen halten den Dom im Stand

Der Vatikanbesucher kann sich nur schwer vorstellen, dass zum Erhalt der Kirche des Papstes viele Mitarbeiter benötigt werden. Vor allem deshalb, weil man sie, wie etwa die Reinigungskräfte, so gut wie nie zu sehen bekommt.

Die Dombauhütte beschäftigt rund 125 Facharbeiter und Experten. Neben den kirchlichen Saubermännern sind das Restauratoren, Mosaikexperten, Architekten, Bauarbeiter, Schreiner und Statiker. Zur Dombauhütte gehört auch ein umfangreiches Archiv, unter anderem mit Briefen von Baumeistern wie Michelangelo.

Auch mal Dosen werden weggefegt

Die Reinigungskräfte der Peterskirche haben enorm viel zu tun. Auch wenn die Männer um 7 Uhr morgens, bei der Öffnung der Kirche, in der Regel aus dem Kirchenschiff verschwunden sind und woanders arbeiten, bekommt man sie dann und wann auch tagsüber zu sehen. Mit ihren Besen oder Reinigungsmaschinen, die so leise sind, dass sie keinen Gottesdienst stören.

Immer dann nämlich, wenn es in Rom stark regnet und viele Besucher mit nassen Schuhen und tropfenden Regenschirmen den Marmorfussboden zu einer feuchten Oberfläche machen auf der man, je nach Schuhwerk, leicht ausrutschen kann. Oder wenn nach Papstmessen in der Kirche der Fussboden besonders schmutzig ist. Da kann es schon mal geschehen, dass die Putzmänner sogar leere Coladosen und benutzte Papiertaschentücher zusammenfegen müssen. Müll, den man im Petersdom nie auf dem Fussboden vermuten würde.

Sendung: SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 20.07.2015, 17:45 Uhr

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