Japanische Tattoos im Museum der Kulturen Basel

Ob religiös oder schmückend, vorübergehend oder permanent: Die Ausstellung «Make up - Aufgesetzt ein Leben lang?» im Museum der Kulturen Basel widmet sich der Körperkunst und dem Körperkult. Dabei beeindrucken insbesondere die Einblicke in die japanische Tätowierkunst.

Die Menschen löchern ihre Körper, binden sie ein, verlängern sie, bemalen sie, beschneiden sie und sehr oft zeichnen sie sich ihre Kultur unauslöschlich auf die Haut. Zur beeindruckendsten Virtuosität diesbezüglich haben es die Japaner gebracht, wie im Museum der Kulturen auf mehreren grossformatigen Bildern zu sehen ist. Sie zeigen Männer, die ihren ganzen Körper in ein spektakuläres Tattoo verwandelt haben. Lediglich Gesicht und Hände bleiben von den Tätowierern unbehandelt.

Jahrhunderte alte Tradition

Auslöser für diese japanischen Ganzkörper-Tattoos war ein chinesischer Roman aus dem 18. Jahrhundert. Erzählt werden darin Robin Hood-ähnliche Geschichten, in denen 108 Rebellen die Hautrollen spielen.

In Japan wurden diese Geschichten ausserordentlich beliebt und entsprechend oft aufgelegt und mit Farbholzschnitten illustriert. Dabei griffen die Illustratoren immer öfter zum Pinsel, bemalten die 108 Rebellen in zunehmend wilden Farben, zeichneten ihnen immer grössere Tattoos auf die Haut.

Im Schwimmbad sind Tattos verboten

Diese Mode übernahmen Angehörige der japanischen Arbeiterschicht, als Protest gegen die Obrigkeit. Doch 1870 – zwei Jahre nachdem Japan seine Grenzen geöffnet und jetzt auch Weisse ins Land durften – verbot die japanische Regierung die Ganzkörpertattoos. Einige Tätowierkünstler jedoch durften weiterhin arbeiten, denn ihre Dienste waren bei der weissen Kundschaft sehr gefragt.

Während sogar der russische Zar Nikolaus II. als auch der britische König Georg V. sich japanische Kunst unter die Haut ritzen liessen, wurden in Japan die farbigen Tattoos zum Merkmal der Mafia. Was dazu geführt hat, dass im Land der aufgehenden Sonne heute noch in vielen öffentlichen Badeanstalten Tätowierten der Zutritt verboten ist.

Lohnenswerte Reise in ganz unterschiedliche (Körper-)Kulturen

Nicht immer geht es um Schönheit, sondern oft um Religion und soziale Zugehörigkeit. In Indien zum Beispiel erinnern sich die Tempelbesucher mit einem Farbstempel auf der Stirn an die Ideale der hinduistischen Lebensführung. Am Sepik in Papua Neuguinea ritzen die Männer ihren Söhnen mit vielen kleinen Schnitten ein Krokodil auf den Rücken um sie damit aufzunehmen in die Welt der Erwachsenen. Das Museum der Kulturen Basel zeigt in einer lohnenswerten Ausstellung verschiedene Körperkulte und die Geschichten dahinter.

Die Ausstellung

«Make up – Aufgesetzt ein Leben lang?» bis 6. Juli 2014 im Museum der Kulturen Basel, mit Begleitpublikation «Hautnah».

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