Kuratierter Liebeskummer

Trennungen sind schwer, und zum Liebeskummer gesellt sich meist noch eine unangenehme Frage: Wer kriegt was? Ein kroatisches Künstlerpaar, das selbst unter einer Trennung litt, hatte eine eigene Lösung: Sie stellen persönliche Liebesgegenstände aus – im Museum of Broken Relationships.

Die beiden Ko-Direktoren repräsentieren ihr kleines Museum in Zagreb perfekt: Olinka Vištica und Dražen Grubišić sind selbst eine «Broken Relationship», waren selbst mal ein Liebespaar. Er ein Künstler, sie eine Filmproduzentin. Während ihrer Trennung kam es zur unausweichlichen Frage: Wer kriegt was vom angesammelten Hausrat?

«Da gab es Gegenstände, die eine Art Souvenir unsere Beziehung waren, und bei diesen Gegenständen wurde es schwierig. Die will man nicht auf dem Gestell haben, so dass sie einen jeden Tag an etwas erinnern, das nicht geklappt hat», erzählt Dražen Grubišić. So kam ihnen die Idee zu einer Kunstaktion, genauer gesagt zu einem Museum, in dem solche Dinge sicher und mit etwas Abstand aufbewahrt werden können.

Sehr traurig, aber auch extrem lustig

Das Museum of Broken Relationships stellt also Gegenstände aus, die von verflossenen Liebschaften zeugen. Menschen aus zerbrochenen Beziehungen geben sie ab und schreiben dazu jeweils eine kleine Geschichte.

Alle Aspekte von Trennungen und wie Menschen damit umgehen werden gezeigt. Das sind oft traurige Objekte und Geschichten, aber auch sehr lustige. «Wir hätten ein Museum machen können, aus dem alle heulend rausgehen, aber das war nicht unsere Absicht. Wir wollen zeigen, wie verschieden die Leute sind und wie verschieden sie mit dem Trennungsprozess umgehen», sagt Grubišić.

Nicht jede Erinnerung zerstören

Sie stiessen mit ihrer Aktion auf grosses Interesse. Leute haben sich in Briefen und E-Mails bedankt. «Sie sagten, dass sich ihr Leben zum besseren gewendet hat, nachdem sie uns diese Gegenstände gebracht haben, anstatt sie zu verbrennen oder fortzuwerfen, wie es etwa Frauenzeitschriften empfehlen», erzählt Grubišić. «Wenn du mit jemandem ein paar Jahre zusammen warst, heisst das nicht, dass du eine schreckliche Zeit hattest. Klar, am Ende ging es schlecht aus, aber wieso willst du jede Erinnerung daran zerstören?»

Über 1000 solcher Dinge finden sich in dem Haus in Zagreb. Etwa ein Mobiltelefon, dazu die kurze fast haikuartige Geschichte «Es waren 300 Tage zu lang. Er gab mir sein Mobiltelefon, damit ich ihn nicht mehr anrufen konnte.» Das Museum bewahrt so die Erinnerung an einige ganz persönliche Geschichten. Den gebrochenen Herzen ermöglicht es, mit der Liebe abzuschliessen und neu zu beginnen.


Interview mit Ko-Direktor Dražen Grubišić

3:41 min, aus Kultur kompakt vom 16.10.2014

Eine Beinprothese statt Teddybären

Die Befürchtung der beiden Kuratoren, dass sie nur Teddybären und Briefe erhalten würden, war unbegründet. Unter den ersten 34 Objekten kam keines zweimal vor. Zu Dražen Grubišić Favoriten gehört eine Beinprothese eines Kriegsveteranen. Oder etwa die Schlüssel einer ehemaligen Wohnung.

Seit 2006 hat das Museum eine feste Bleibe in Zagreb und 2011 wurde es als innovativstes Museum in Europa ausgezeichnet. Zuvor war die Sammlung als Wanderausstellung unterwegs. Und noch immer reisen die beiden mit ihrem Konzept um die Welt und zeigen Liebesgegenstände der jeweiligen Orte.

Nächsten Frühling kommt die Ausstellung voraussichtlich nach Basel und wird Liebes-Gegenstände von hier zeigen. Betroffene sollten also mit dem Entsorgen der Erinnerungsstücke vielleicht besser noch etwas warten.

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