Prothesen im Wandel Schritt für Schritt: Die Geschichte der Prothese

Prothesen unterstützen Menschen schon seit der Antike. Eine kleine Geschichte der künstlichen Helfer.

1. Holzzeh aus dem alten Theben

Ein Holzzeh.

Bildlegende: Sozusagen der erste Schritt: Die älteste Prothese stammt noch aus dem alten Theben. Reuters

Die älteste Prothese wurde in einem Grab in Ägypten gefunden. Im alten Theben, etwa 950 bis 700 vor Christus, trug eine weibliche Mumie eine Holzprothese – als Ersatz für den rechten grossen Zeh.

Es war eine ziemlich ausgeklügelte Prothese. An verschiedenen Stellen hatte sie Scharniere und Leder-Verbindungen. Offenbar wurde die Prothese der Mumie nicht nur für den Weg ins Jenseits ins Grab gelegt, sie diente auch im Alltag.

2. Etruskische Zahnprothese

Kopie einer etruskischen Zahnprothese.

Bildlegende: Glänzende Beisser: Kopie einer etruskischen Zahnprothese. Wikimedia / Wellcome

Wer es sich leisten konnte, liess sich bei den Etruskern und Phöniziern die Zähne ersetzen. In Mitteleuropa kamen Zahnprothesen ab dem 12. Jahrhundert nach Christus zur Anwendung. Man befestigte geschnitzte Zähne aus Elfenbein mit Golddrähten an den restlichen Zähnen.

3. Prothesen im Krieg

Die Prothese von Götz von Berlichingen.

Bildlegende: Die Handprothese von Götz von Berlichingen liess sich zu einer Faust formen. Wikimedia / C. Lang

Der Krieg war auch bei den Prothesen ein Innovator. Im Mittelalter schnitt manches Schwert ein Bein oder einen Arm entzwei. Fehlende Körperteile wurden als Deformationen betrachtet. Wenn ein Glied fehlte, war man unvollständig – und konnte nicht mehr kämpfen.

Der Krieg brachte darum auch künstliche Extremitäten hervor, die als Verlängerung der Ritterrüstung dienten. Der fränkische Ritter Götz von Berlichingen trug eine Prothese, deren Finger sich bewegen liessen. Er konnte sie sogar zu einer Faust machen.

Später, Anfang des 19. Jahrhunderts, wurde Johann Nepomuk Mälzel für seine Fussprothesen berühmt. Er entwickelte sie für Kriegsversehrte zur Zeit der napoleonischen Feldzüge.

4. Moderne Armprothesen

Eine Prothese von Peter Baliff.

Bildlegende: Eine Kunsthand, gefertigt von Peter Baliff. (1812) Wikimedia / Karl Ferdinand Graefe

1812 entwickelte der Berliner Zahnarzt Peter Baliff eine Armprothese, die durch Seilzüge um Ellenbogen und Schulter bewegt werden konnte. Es war somit die erste Prothese, die sich ohne Unterstützung der gesunden Hand bewegen liess und die Geburtsstunde der ersten modernen Armprothese.

5. «Prothesen-Boom» im 20. Jahrhundert

Ein Cochlea-Implantat.

Bildlegende: Helfer im Ohr: Cochlea-Implantate lassen Gehörlose wieder hören. Keystone

Im 20. Jahrhundert kamen in kürzester Zeit unterschiedliche Prothesen für alle Körperteile auf den Markt: Knochenimplantate, Knochenteile aus Metall, künstliche Venen, künstliche Hüftgelenke und schliesslich Cochlea-Implantate, mit denen Gehörlose wieder hören können.

6. Handprothese mit Gefühl

Eine bionische Hand.

Bildlegende: Technik im Griff: Bionische Hände werden durch Gedanken gesteuert. Keystone

Wissenschaftler haben in den letzten Jahren vermehrt bionische Prothesen entwickelt. Sie werden über noch vorhandene Nerven und transplantierte Muskelstränge mit dem Gehirn verbunden. Handamputierte können so zum Beispiel wieder fühlen und tasten. Bionische Prothesen kann man mit Gedanken steuern.

7. Exoskelett

Ein Mensch, der ein Exoskelett trägt.

Bildlegende: Ein Skelett als Stütze: Mithilfe von Exoskeletten können gelähmte Menschen wieder gehen. Keystone

Das Exoskelett stützt den menschlichen Körper von aussen – es ist quasi ein Skelett zum Anziehen. Manchmal werden diese Aussenskelette durch Roboter oder Maschinen unterstützt oder gesteuert und ermöglichen es so Querschnittgelähmten wieder zu gehen, ausserdem können körperlich gesunde Menschen mit Exoskeletten enorme Lasten tragen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 07.06.2017, 09:00 Uhr.

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