Sind Drohnen journalistische Spione der Lüfte?

Kleine, preiswerte Drohnen machen es möglich: Bewegte Aufnahmen aus der Distanz. Für den Journalismus bieten Drohnen mehr als dynamische Kamerafahrten und schmucke Bilder. Sie bieten Informationen, an die man sonst nicht herankommen würde. Doch längst nicht jede Aufnahme aus der Luft ist erlaubt.

Drohne vor blauem Himmel

Bildlegende: Früher musste man einen teuren Helikopter mieten, um Bilder aus der Luft aufzunehmen. Heute reicht eine kleine Drohne. pixabay

Immer öfter lassen Journalisten Drohnen in den Himmel steigen. Vielfach geht es ihnen dabei um spektakuläre Bilder, etwa bei Sportereignissen oder im Dokumentarfilm.

Das ist ideenlos, findet Max Ruppert. Der Journalist und Medienwissenschaftler beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Drohnenjournalismus. In einem Kurs liess er seine Studenten mit der Kamera-Drohne eine Hühnerfarm überfliegen. Dabei offenbarten sich die investigativen Möglichkeiten dieser Art von Journalismus, erzählt Max Ruppert: «Wenn man einen Verdacht hat, kann man über eine solche Hühnerfarm fliegen und schauen: Wie sieht es da aus? Entsprechen die Bedingungen den gesetzlichen Regelungen?»

Drohnen können laut Ruppert die investigative Arbeit von Journalisten erleichtern und erweitern – sei es beim Überfliegen von Industrieanlagen, Katastrophengebieten oder beim Messen von Schadstoffwerten mit angehängten Sensoren. Der Spion in der Luft kann Informationen liefern, an die man sonst nicht herankommt.

Wenn Drohnen vom Himmel fallen

Doch werden dem Drohnenjournalismus auch Grenzen gesetzt. Es gelten dieselben Regeln, wie bei herkömmlichen Kameras: Die Privatsphäre der Menschen muss gewahrt werden.

Zudem stellt sich bei Drohnen die Frage nach der Sicherheit. Max Ruppert: «Eine Drohne kann bis zu fünf Kilo wiegen. Diese fünf Kilo können eben auch auf Autos, Menschen oder Häuser fallen.» So kam es etwa kürzlich bei einem Skirennen zu einem beinahe fatalen Drohnen-Absturz.

Deshalb gilt in der Schweiz: Drohnen dürfen nicht über Menschenansammlungen oder in der Nähe von Flughäfen aufsteigen. Und der Pilot muss jederzeit Sichtkontakt zu seiner Drohne haben.

Dennoch ist das Gesetz in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern liberal: Bis zu einem Gewicht von 30 Kilogramm dürfen Drohnen ohne Bewilligung eingesetzt werden.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt

Drohnen sind unterdessen nicht nur im Journalismus weit verbreitet. Dank sinkender Preise kann sich heute fast jede und jeder eine Drohne leisten. Das führt zwangsläufig zu mehr Verkehr am Himmel. Deshalb vermuten Fachleute, dass die Regeln zum Einsatz von Drohnen in Zukunft verschärft werden.

Trotzdem glaubt Max Ruppert, dass die Drohnen im Journalismus ihren Höhenflug erst begonnen haben: «Was den Bereich der Sensoren angeht, sehe ich noch viel Potenzial.» An eine Drohne kann man alle möglichen Geräte montieren: Sensoren, die Abgaswerte von Schornsteinen messen, Geigerzähler, die radioaktive Strahlung aufzeichnen, oder Wärmebildkameras, die Personen in der Dunkelheit sichtbar machen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Der Drohnenjournalismus dürfte in Zukunft also weiteren Auftrieb erhalten.

Max Ruppert

Max Ruppert forscht und unterrichtet an der Hochschule der Medien in Stuttgart.