Stephen Fry – der letzte Renaissance-Mann von der Insel

Was geistreich ist, muss nicht unbedingt sachlich sein. Zumindest nicht in der BBC-Kultsendung «QI». Seit zwölf Jahren moderiert der Tausendsassa Stephen Fry die ungewöhnliche Sendung, jetzt will er aufhören. Er sagt von sich selbst, er könne eigentlich nichts. Das kann er dafür erstaunlich gut.

Ein Mann hält eine grosse, silbrige Maske neben seinen Kopf.

Bildlegende: In Stephen Frys Quiz-Show gab es Strafpunkte für vorhersehbare Banalitäten. Getty Images

In einem Land, das für seine Exzentriker weltberühmt ist, darf natürlich das passende TV-Quiz nicht fehlen: «QI» – kurz für «quite interesting», also vielleicht «bemerkenswert» – huldigt dem lateralen Denken, der Pointe, die immer geistreich, aber kaum je sachlich erforderlich ist.

«QI» gibt vor, eine Quiz-Show der humoristischen Sorte zu sein, aber niemand erwartet, dass die Teilnehmer die obskuren Fragen beantworten können. Stattdessen erhalten sie Punkte für eine geistreiche Abschweifung und Strafpunkte für vorhersehbare Banalitäten.

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Stephen Fry in «QI»

1:59 min, vom 16.10.2015

Auf den Leib geschneidert

Seit Anbeginn im Herbst 2003 moderiert der Schauspieler, Autor, Redner und Kulturkritiker Stephen Fry die Sendung. Er ist der letzte Renaissance-Mann, der vielseitig Gebildete, der in freier Rede Denkwürdiges und stets Druckreifes von sich gibt.

Bescheiden sagt er von sich selbst, er könne ja eigentlich nichts, und so habe er seine ganze Energie und Vitalität auf die Sprache konzentriert. So ist Fry auch ein willkommener Gast in zahlreichen Sendungen. Eine Person des öffentlichen Lebens, der mit der Garantie ausgerüstet ist, dass er gewiss nie langweilig sein wird.

Anlässlich seines Auftritts in der BBC-Radio-Reihe «Desert Island Disks», einer Art privatem Wunschkonzert, das den Gästen deutlicher als Orden und Adelstitel ihre Prominenz bescheinigt, schwärmt die Moderatorin: «Die Stimme allein, ein stimmiger Cocktail aus englischem Wesen, Gelehrsamkeit, Unfug und Wärme.»

«Verscheuche meine Teufel nicht»

Die Beschreibung der Stimme kommt der komplexen Realität ziemlich nahe. Doch Fry hat zeitlebens einen hohen Preis für seine stupende Schlagfertigkeit und seine unwiderstehliche Menschlichkeit bezahlt: Er kämpft seit seiner Jugend mit Depressionen, nahm Zuflucht zu Drogen, versuchte Selbstmord zu begehen.

In den letzten Jahren hat er oft und ausführlich über diese Belastung gesprochen und geschrieben. Er lebe mit der Befürchtung, erklärte er, jemand könnte seine Geheimnisse lüften. Deshalb erzähle er lieber gleich alles selber.

Auf die Frage, ob er lieber ohne diese Hypothek geboren worden wäre, antwortet er typischerweise mit einem Ausspruch des Dichters Auden: «Verscheuche meine Teufel nicht, denn meine Engel würden ihnen folgen.»

Sendung: Kultur aktuell, SRF 2 Kultur, 16.10.2015, 6.50 Uhr

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