Tradition verpflichtet: eine kleine Anleitung für Geldfälscher

Die neue 50-Franken-Note soll fälschungssicher sein. Ein Blick in die Geschichte der Geldfälscherei zeigt aber, dass dies die Gauner dieser Welt nicht vom Versuch abhalten wird. Wer es trotzdem versuchen möchte, sollte folgende Fakten berücksichtigen.

    • 1.
      Aus minderwertigem Material das Beste machen
      Billiges Material mit einem Hauch echt ergänzen. So fälschte man schon vor 1800 Jahren.
      Ein Haufen alter Münzen unter der Lupe.

      Bildlegende: Keystone

      Im Süden Bonns fanden Archäologen eine Gussform mit dem Negativ einer römischen Münze, die auf das zweite Jahrhundert datiert wird. Die Römer benutzten seinerzeit in ihrem Herrschaftsgebiet Metallmünzen als Zahlungsmittel. Findige Fälscher kopierten diese, indem sie minderwertige Legierungen gossen und mit einer Silberschicht überzogen. Das römische Original hingegen wurde geprägt.

    • 2.
      Technisch flexibel bleiben
      Zum Beispiel wenn Münzen wertvolle Muscheln ablösen.
      Jemand hält Muscheln in den Händen.

      Bildlegende: Wikimedia/Hammond

      Als die Europäer den amerikanischen Kontinent vereinnahmten, verwendeten manche eingeborenen Stämme Muscheln als Zahlungsmittel untereinander. Skrupellose Händler färbten kurzerhand weisse Muscheln, die weniger Wert waren, blau-schwarz ein. Als die Kolonie schliesslich Münzen einführte, begann das «coin clipping». Von echten Münzen wurden Stückchen abgeschnitten, gesammelt und wiederverwertet. Mit ein Grund, warum Münzen nun Rillen oder andere «Verzierungen» am Rand besitzen. Die Fälscher mussten sich etwas Neues ausdenken.

    • 3.
      Verantwortungsvoll fälschen
      Reich werden ist eine Sache, aber bitte nicht gleich einen ganzen Staat, wie einst Portugal, dabei ruinieren.
      WC-Rolle mit falschen Geldscheinen.

      Bildlegende: Reuters

      In den 1920-er Jahren trieb der «Piranha von Portugal» sein Unwesen. Artur Alves dos Reis hatte sich, als er gerade eine Haftstrafe wegen Betrugs abass, einen ausgeklügelten Plan ausgedacht, wie er schnell reich werden konnte. Er fälschte den Vertrag der Banco de Portugal, der ihr das Recht zum Gelddrucken zusprach. Dann beauftragte Reis eine private Firma, das Geld zu drucken und fing die Lieferung ab. Er liess 200‘000 Banknoten im Wert von 500 Escudos drucken. Das entsprach fast einem Prozent des damaligen BIP. Seine Gier brachte Portugal an den Rand eines Staatsbankrotts.

    • 4.
      Einen guten Fluchtplan haben
      Der legendäre Walliser Falschmünzer Farinet floh durch eine Schlucht und starb.
      25-Franken-Note mit dem Kopf von Samuel Farinet

      Bildlegende: Keystone

      Im 19. Jahrhundert fälschte Samuel Farinet während 10 Jahren erfolgreich Münzen. Hauptsächlich 20-Räppler. Er fälschte dermassen erfolgreich, dass der Bundesrat intervenierte und den Kanton Wallis zum Handeln aufforderte. Farinet starb schliesslich auf der Flucht vor der Polizei. Es ist unklar, ob er erschossen wurde oder wegen einem Ausrutscher in die Schlucht stürzte.

    • 5.
      Keine Kriege unterstützen
      Regierungen haben schon öfters Falschgeld als Waffe gegen andere Staaten eingesetzt.
      Unmengen von Dollarscheinen sind aufgestapelt

      Bildlegende: Keystone

      Mit Falschgeld kann man fröhlich Waffen kaufen oder Informanten bezahlen. Regierungen können damit die Wirtschaft des Gegners und damit seine Kriegsindustrie schwächen. So wollte Grossbritannien im 18. Jahrhundert die rebellische Kolonie in Nordamerika mit Falschgeld in die Knie zwingen. Im Zweiten Weltkrieg druckte Japan falsches, chinesisches Geld. In der «Aktion Bernhard» fälschten die Nazis fast neun Millionen britische Banknoten. Die Fälschungen waren vom Original kaum zu unterscheiden. Die «Aktion Bernhard» ging als eines der grössten Geldfälscherei-Verbrechen in die Geschichte ein.

    • 6.
      Mit dem Schlimmsten rechnen
      Früher wurden Geldfälscher gehängt, ausgeweidet und gevierteilt.
      Gefängnis

      Bildlegende: Flickr

      Für’s Protokoll: Geld fälschen ist strafbar. Lange Zeit gab es in vielen Ländern dafür die Todesstrafe. Im England des 17. Jahrhunderts wurde man dafür gehängt, ausgeweidet und gevierteilt. Geldfälschen galt als Verrat am Staat. Vielerorts unterschied man zwischen dem Fälschen der eigenen und einer Fremdwährung. Mit etwas Glück wurde man bei letzterem nur ausgepeitscht. In unseren Breitengraden droht Fälschern heute meist eine Gefängnisstrafe. In leichten Fällen gibt es in der Schweiz bis zu drei Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe. Bei schwereren Fällen eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Neue 50er Note in Umlauf

    Aus Tagesschau vom 11.4.2016

    Morgen kommt die neue 50er-Note in Umlauf. Doch bis sie beim Kunden landen, dauert es noch eine Weile. Viele Bankomaten müssen umgerüstet werden.