Unter Druck: Kulturbetriebe ein Jahr nach dem Frankenschock

Nach der Aufhebung des Euromindestkurses schoss der Frankenkurs in die Höhe. Kultur-Unternehmen befürchteten, ihre Kunden an das günstigere Ausland zu verlieren. Doch ist es tatsächlich soweit gekommen? Wir haben nachgefragt – beim Dörlemann-Verlag, dem Basler Kino Pathé Küchlin und bei Sony Music.

    • 1.
      Buchbranche: Dörlemann-Verlag
      Der Buchhandel und die Verlage haben am meisten gelitten unter dem starken Franken – das bestätigt Sabine Dörlemann vom Zürcher Dörlemann-Verlag: «Wir gehören zu den exportierenden Schweizer Verlagen, verkaufen zwischen 80 und 90 Prozent unserer Bücher im Euroraum. Darum erlitten wir massive Einbussen.» In Zahlen heisst das: 15 bis 20 Prozent weniger Umsatz. Wie viele andere Schweizer Verlage war Dörlemann geschockt, als der Euromindestkurs aufgehoben wurde. Sie musste Massnahmen ergreifen: «Wir versuchten, unsere Lohnkosten zu senken und zogen in günstigere Büroräume um. Aber nichtsdestotrotz werden wir in diesem Jahr Verluste machen. Die Aussichten sind nicht rosig.»
      Eine junge Frau mit Mütze liest in einem Buchladen stehend ein Buch.

      Bildlegende: Seit der Aufhebung des Euromindestkurses verzeichnet die Buchbranche massive Umsatzeinbussen. Keystone

    • 2.
      Musikvertrieb: Sony Music Schweiz
      Auch die Schweizer Musikindustrie musste Massnahmen ergreifen. Bei Sony Music etwa kam es zu einer Preisreduktion: «Wir mussten unsere Preise um durchschnittlich 15 Prozent senken, weil die genau gleiche CD im Euroraum für weniger Geld erhältlich war. Unsere Kunden erwarteten darum, dass wir mit den Preisen heruntergehen», sagt Geschäftsführerin Julie Born. Man habe noch weitere Massnahmen ergriffen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, vor allem was die Qualität anbelangt. So wurden ausgeschmückte CD-Booklets, Special Editions oder Vinyl-Sammlerstücke zusätzlich ins Angebot genommen.
      Ein Jung mit Schirmmütze schaut sich in einem CD-Shop um.

      Bildlegende: Kunden erwarten, dass dieselbe CD in der Schweiz und in Deutschland gleich viel kostet (im Bild: Media Markt). Keystone

    • 3.
      Kino: Pathé Küchlin, Basel
      Bei Kulturbetrieben, die ihr Geld mit Besuchern verdienen, hatte der Frankenschock weniger Auswirkungen – ausser auf die Betriebe in Grenznähe, zum Beispiel das Kino Pathé Küchlin in Basel. Dort können Schweizer Kinogänger mit dem Tram direkt vor das viel günstigere Multiplexkino im deutschen Weil am Rhein fahren. Um sich von der deutschen Konkurrenz abzuheben, liess sich Pathé-Küchlin-Manager Rolf Köchel für das Jahr 2015 mehr als sonst einfallen: «Wir bieten Premiumkino an, das heisst: die grösste Leinwand und die bequemsten Sitze der Stadt, zusätzliche Serviceleistungen und -produkte.»
      Reihen von Kinostühlen, darauf sitzen vereinzelt Personen mit Popcorn.

      Bildlegende: Superbequeme Stühle helfen grenznahen Kinos (im Bild: Cinemax, Zürich), konkurrenzfähig zu bleiben. Keystone

Die Befragung der drei Kulturakteure zeigt: Ein zusätzliches Angebot und mehr Qualität – damit können Kulturbetriebe dem starken Franken trotzen. Auch bei den Buchverlagen gibt es immerhin einen kleinen Hoffnungsschimmer: In diesem Jahr wird es erstmals eine Verlagsförderung für Schweizer Verlage geben. Doch auch dieser Zustupf, wird wohl nicht ganz reichen, um Umsätze wie vor dem Frankenschock zu erreichen.

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  • FOKUS: Ein Jahr nach dem Frankenschock

    Aus 10vor10 vom 11.1.2016

    Vor einem Jahr hat die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs aufgehoben. Viele Unternehmen bauten darauf Stellen ab oder verlagerten diese ins Ausland. 10vor10 zieht Bilanz und zeigt, welche Spuren die Massnahme in der Wirtschaft hinterlassen hat.