«Wearable Technology»: mit Kleidern ins Internet

Tragbare Technologien werden die mobile Kommunikation revolutionieren – sogar unsere Kleider sind in Zukunft mit dem Internet verbunden. Das klingt zwar toll, doch mit der neuen Vernetzung geben wir auch mehr Daten von uns preis.

Lederjacken an Puppen: In die Lederjacken sind Bild-/Lichtpunkte eingearbeitet

Bildlegende: «Video Leather Jackets»: Die Lederjacken wurden für die Bühnenshow der Popgruppe U2 entworfen. CuteCircuit Video Leather Jackets for U2

Mit den Kleidern ins Internet? Das klingt nach Science Fiction, ist es aber nicht. Weltweit kreieren Wissenschaftler und Designer die Kleider von morgen. Es sind Kleider, die Kommunikation und Interaktion auf eine neue Stufe stellen werden. Branchenkenner sprechen von der grössten Technologie-Revolution seit der Erfindung des Personal Computers Ende der 70er-Jahre.

«Die Kleider der Zukunft sind unsere neue Haut», sagt Sabine Seymour. Die gebürtige Österreicherin muss es wissen. Sie ist Kreativ-Chefin bei Moondial in New York, einem der führenden Unternehmen im Bereich «Wearable Technology». In Zukunft seien unsere Kleider mit Mikrochips und drahtlosem Internet ausgerüstet. Dadurch soll soziale Vernetzung immer und überall möglich sein. «Wenn wir heute von sozialer Vernetzung via Facebook oder Twitter sprechen, meinen wird damit, dass wir vor einem Computer sitzen oder auf ein Smartphone schauen müssen.» Die Kleider der kommenden Generationen sollen diese Einschränkung aufheben.

Der Markt boomt bereits

Frau mit Hoody

Bildlegende: Mittels «Hug Shirt» können sich Menschen gegenseitig Umarmungen zusenden. Das Shirt erzeugt Druck und Wärme. Cutecircuit

Wie eine solche Kommunikation künftig aussehen könnte, hat das Londoner Design-Duo CuteCircute auf spielerische Weise bereits gezeigt. Mit ihrem «Hug-Shirt» können Menschen sich gegenseitig Umarmungen zusenden. Wer eine Umarmung erhält, spürt auf seinem Kleid einen Druck und Wärme.

Für den Laien ist das alles ziemlich futuristisch. Allzu fern dürfte diese neue Welt jedoch nicht mehr sein. Bereits heute boomt der «Wearable»-Markt. Zwar noch nicht mit internetfähigen Kleidern, aber mit sogenannten Fitness-Trackern. Das sind intelligente Uhren oder Armbänder, mit denen sich der Puls, das Tempo oder der Kalorienverbrauch messen lassen. Diese Geräte kommen vorwiegend beim Sport zum Einsatz.

Daneben gibt es Geräte im Bereich «Augmented Reality», also der erweiterten Realität. Google gibt in dieser Sparte zurzeit die Richtung vor. Die Datenbrille Google Glass soll 2014 auf den Massenmarkt kommen. Mit dieser Brille vermischt sich der reale mit dem virtuellen Raum. Informationen über Ereignisse und Personen lassen sich direkt vor dem Auge darstellen.

«Wearables» liefern neue Datenberge

Für hitzige Diskussionen hat Google Glass in den vergangenen Monaten vor allem wegen der integrierten Videofunktion gesorgt. Der Träger der Brille kann beliebig Videos aus seiner Perspektive aufzeichnen. «Das ist ein Alptraum für mich», sagt die niederländische Dokumentarfilmerin Brejte van der Haak. In ihrem Film «TechMan» thematisiert sie die gesellschaftlichen Konsequenzen von Google Glass. «Wenn wir ständig das Gefühl haben, wir werden gefilmt, wird sich auch unser Umgang mit Mitmenschen verändern.»

Für Gesprächsstoff dürfte künftig auch die Datenschutz-Problematik sorgen. «Wearables» können neben dem Standort des Benutzers auch Informationen darüber liefern, was er gerade tut. «Dies wird für ein tieferes Verständnis sorgen, wie wir mit unserer Umgebung interagieren», schreiben Analysten der Grossbank Credit Suisse in einem aktuellen Bericht.

Die Bank sieht goldene Zeiten anbrechen für die Branche. Die Analysten schätzen, dass sich das Marktvolumen in den kommenden drei bis fünf Jahren verzehnfachen wird. Von heute fünf auf bis zu 50 Milliarden Dollar.

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