Weniger Drogenkonsum und Schlägereien – dank Smartphones?

Die Schülerinnen- und Schülerbefragung 2014 zeigt eine deutliche Abnahme des Suchtmittelkonsums. Und auch die Jugendgewalt ist 2014 gemäss Statistik zurückgegangen. Gleichzeitig stieg der mobile Medienkonsum mittels Smartphones an. Hat das eine mit dem anderen zu tun?

Junge Frau sitzt neben Skateboard am Boden und spielt mit dem Handy.

Bildlegende: Hat, wer mehr am Smartphone hängt, weniger Interesse an Drogen? Empirisch ist diese These noch nicht nachgewiesen. Getty Images

Sind Smartphones verantwortlich für den Rückgang des Drogenkonsums unter Jugendlichen? «Darüber wird in der Wissenschaft schon seit längerem diskutiert», sagt Medienpsychologe Gregor Waller.

Natürlich lägen die Gründe für den deutlich verminderten Drogen- und Alkoholkonsum unter Jugendlichen unter anderem bei der verbesserten Präventionsarbeit des Bundes und der Kantone. «Aber wir beobachten auch eine Verlagerung von den sogenannten stoffgebundenen Süchten wie Alkohol oder Tabak auf die stoffungebundenen Süchte wie eben Smartphones oder Mediennutzung an und für sich», sagt Gregor Waller.

Smartphones statt Gewalt

Der Rückgang des Suchtmittelkonsums ist das eine. Auffällig ist aber auch der Rückgang der Jugendkriminalität, welche die Schweizer Kriminalstatistik von 2014 ausweist. Natürlich habe diese Entwicklung damit zu tun, dass mehr in Sicherheit investiert werde.

Trotzdem könnte der Rückgang von Schlägereien und Raubdiebstählen von Jugendlichen auch mit deren Smartphone-Konsum zusammenhängen, meint Gregor Waller. Er sieht die «dauernde Verbundenheit mit dem nächsten oder engsten Sozialen Netz» dafür verantwortlich. «Sie schützt die Jungen davor, irgendwelchen Blödsinn zu machen.»

Das Smartphone als Suchtmittel

Bloss: Ist es gut, wenn Jugendliche ständig auf ein kleines Display glotzen und ihre Selfies vergleichen? Oder wird das eine Übel einfach durch ein anderes ersetzt? Immerhin gelten laut einer Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften von 2012 über fünf Prozent der Schweizer Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren als handysüchtig. Sie leiden unter Symptomen wie Schlafmangel und haben verminderten Kontakt zu ihrem direkten sozialen Umfeld.

Ist das Smartphone also die neue Droge der Jungen? «Das Smartphone ist einfach ein Instrument, ein Werkzeug», relativiert Gregor Waller. Und wie mit allem kann dies positive und negative Effekte haben. Man kann das Smartphone sehr gewinnbringend einsetzten, man kann sich aber auch zu stark von dem Gerät vereinnahmen lassen und dann vielleicht an Lebensqualität verlieren.»

Entsprechende Studien fehlen bis jetzt

Ob die Jugendlichen wegen der Smartphones weniger Drogen und Alkohol konsumieren und weniger kriminell sind, müssen Längsschnittstudien zeigen, die es aktuell noch nicht gibt zum Thema. Gregor Waller ist aber überzeugt, dass von empirischer Seite her bald entsprechende Untersuchungen erscheinen werden.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 9.4.2015, 8.10 Uhr.