Wir möchten sein wie Prinz Eisenherz – immer noch

Wie hat sich das Bild des Kriegers im Laufe der Geschichte verändert? Wofür stehen Krieger heute? Einer der Archetypen des des klassischen Kriegers ist Prinz Eisenherz. Er steht für Aufstiegswille, Mut und Härte. Aber ist er heute noch eine Identifikationsfigur? Herfried Münkler analysiert.

Zeichnung von Prinz Eisenherz.

Bildlegende: Bis heute eine Projektionsfläche für Jugendliche und ihre Abenteurer-Phantasien: Prinz Eisenherz. Harold Foster

Schon als Kind nehmen wir Bedrohungen ausserhalb des Hauses wahr. Wir entwickeln Phantasien und Träume hinsichtlich einer herausfordernden, bedrohlichen Welt. Dabei sind Heroen wie Prinz Eisenherz so etwas wie Krücken, mit denen wir gehen lernen, und die so etwas wie Identifikationsfiguren sind.

Was wir von uns selbst denken wollen

In unseren Vorstellungen möchten wir ein Stück weit wie er sein, in einem offenen, fairen Kampf obsiegen – und uns nicht aus dem Hinterhalt durchsetzen. Das ist das narrative Angebot der Geschichten um Prinz Eisenherz: Es zeigt das, was man gerne auch von sich selber denken möchte.

Prinz Eisenherz ist ein Sohn des Königs von Thule. Er kommt an Artus Hof, auf die Burg Camelot, und wird erst Knappe und später Ritter der Tafelrunde. Er steht für Aufstiegswille, Mut, Risikobereitschaft und Härte.

Eine Identifikationsfläche für jeden

Er ist so etwas wie ein Archetypus des Kriegers, in dem Sinne, dass junge Menschen sich an dem Bild des Helden orientieren. Das ist der Gedanke des Archetypischen: Es gibt keine bestimmte Besonderheit und Einmaligkeit, der Archetyp ist anschlussfähig für ganz unterschiedliche Ausgestaltungen.

Es die Kunst, eine Figur so zu erzählen, dass sie archetypisch anschlussfähig ist und nicht in einer ganz besonderen Situation aufgeht. Das kann man sehen an Figuren wie Prinz Eisenherz, er hat ja obendrein noch einen sprechenden Namen, aber sicherlich auch an Achill oder Siegfried.

Krieger in postheroischen Zeiten

Solche Figuren haben etwas Ansprechendes, auch in unserer postheroischen Zeit.

Das Bedürfnis etwas Besonderes zu sein oder zu werden ist nach wie vor da. Und das scheint im Rahmen der Adoleszenz offensichtlich häufig nicht befriedigt zu werden. Das sieht man daran, dass junge Menschen im Alter von 14 oder 15 Jahren abhauen, um in Kriegsgebieten ihren Phantasien zu begegnen. Da werden sie natürlich in der Regel bitterlich enttäuscht.

Das Bild des Kriegers

Das Bild des Kriegers

Der Krieger: Wie hat sich das Bild des Kriegers im Laufe der Geschichte verändert? Wofür stehen diese Krieger heute?

Herfried Münkler

Herfried Münkler

Als Politologe lehrt Herfried Münkler an der Humboldt-Universität Berlin. Er veröffentlichte mehrere Bücher zur Theorie der «neuen Kriege». Zuletzt erschien «Der Große Krieg. Die Welt 1914 und 1918».

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