Wird Autos bald der Benzin-Hahn zugedreht?

Technische Neuerungen setzen sich zuerst da durch, wo viel Geld ist: bei den Reichen. Das war bei Wasserklo und Kühlschrank der Fall – und ist auch beim Elektro-Auto nicht anders. Doch wird sich das Elektro-Auto zum Gut für die Masse entwickeln?

Eine Tankstelle und ein gelbes Auto nebenan. Ein Schlauch hängt am Auto.

Bildlegende: Werden Benzin-Autos bald Geschichte sein? Keystone

Es gab eine Zeit, da war ein WC mit Wasserspülung Luxus und den Bewohnern von Schlössern vorbehalten. Königin Victoria beispielsweise, für die im Schloss Ehrenburg in Coburg die vermutlich erste Wassertoilette mit Geruchssperre auf dem Kontinent eingebaut wurde. In der Schweiz fanden sich die ersten Klos mit Wasserspülung am Zürichberg, in den Industriellenvillas.

Auch Elektrizität, so der Technikhistoriker David Gugerli, Professor an der ETH Zürich, sei zu Anbeginn ein Luxusgut gewesen, für den einfachen Arbeiter unbezahlbar. Strom wurde für Festanlässe der Reichen produziert, war ein Ausdruck von Prunksucht. Wenn wir die Entwicklung so alltäglicher Dinge wie etwa des Kühlschranks, des Fernsehers, der Waschmaschine betrachten, haben sie mit der Zeit stets ihren Weg von der Oberschicht zu den breiten Massen gefunden.

Von sympathisch und klapprig bis schnittig und schnell

Ein weisses Sportauto an einem See.

Bildlegende: Ein Gefährt im schnittigen Gewand: der Tesla Roadster Sport. Keystone

Während vieler Jahre fuhren auf den Strassen dieser Welt mehr oder weniger effiziente, mehr oder weniger zuverlässige, mehr oder weniger ansprechende Autos mit schweren, unhandlichen Batterien. Es gab einen elektrischen Peugeot, es gab einen kurligen Skoda mit Elektroantrieb – und es gab auch viele seltsam klapprige, sympathische Kisten, von den Solarpionieren und Umweltfreaks mehr zusammengelötet denn assembliert.

Dann aber brachte 2005 eine bis anhin unbekannte Firma einen eleganten, unglaublich schnellen, schnittigen Elektrowagen auf den Markt: den Tesla Roadster.

Die Early Movers und ihre Anhänger

Der Tesla Roadster war teuer, über 100'000 Dollar kostete er, aber das war egal. Denn das Fahrzeug war für eine ganz spezifische Käuferschicht bestimmt: für die sehr Reichen, die sich ihr Umweltbewusstsein aus der Portokasse zahlen können, die keine Komforteinbussen hinnehmen wollen, die von der neuen Batterietechnologie absolut begeistert sind, die sich von einem Tesla einen zusätzlichen Statusgewinn erhoffen.

Sie, die Early Movers oder die Early Adopters, sind diejenigen, die für alle, die es sich noch nicht leisten können, den Traum schon mal leben – den Traum vom lautlosen, beschleunigungsstarken Fahren ohne schlechtes Gewissen. Der Tesla Roadster liess Sportwagenherzen höher schlagen, so wie einst der Jaguar Typ E. Er begeisterte Technikfans wie einst die legendäre Citroën DS.

Eine neue Vernunft

Mittlerweile, zehn Jahre später, ist die Technologie der Elektroautos bei der Masse angekommen. Auch Elektroautos für die Mittelschicht haben eine Reichweite, mit der sich 90 Prozent der täglich gefahrenen Strecken bewältigen lassen. Sie sind heute geringfügig teurer, die Unterhaltkosten einberechnet, als Verbrennungsautos. Und wenn dieselbe Firma Tesla in der Wüste von Nevada die weltweit grösste Batteriefabrik baut, dann mit einem einzigen Ziel: Batterien so billig zu machen, dass das Elektroauto endgültig massentauglich wird.

Urs Schwegler vom Verband E-mobile denkt, dass das Elektroauto dennoch auf Jahre hinaus ein Nischendasein fristen wird, auch wenn die Verkaufszahlen in Europa sich von Jahr zu Jahr verdoppeln. Noch fehlt es an preislichen Anreizen, noch fehlt es an der Infrastruktur. Aber die Autoindustrie investiert massiv in die Entwicklung der Elektromobilität. Einerseits, um die strengen CO2-Vorschriften der EU einhalten zu können, andererseits, weil man für die Zukunft gewappnet sein möchte. Eine Zukunft der neuen Vernunft, die spätestens dann beginnen muss, wenn «Peak Oil» erreicht ist. Jener Punkt, an dem die Fördermenge an Erdöl endgültig zurückgeht und der Erdölpreis in die Höhe schnellen wird. Aber besser, man handelt früher, bevor das Klima kippt.

Der Staat muss mithelfen

Damit man gewappnet ist für die technologische Revolution, die notwendig sein wird, um den Strassenverkehr vom Erdöl abzukoppeln, brauche es heute schon staatliche Unterstützung. Das sagte unlängst Ferdinand Dudenhöffer, Professor an der Technischen Universität Duisburg-Essen.

Und er verwies auf Norwegen, wo absolut gesehen so viele Elektroautos unterwegs sind wie nirgendwo sonst in Europa. Staatlichen Vergünstigungen von bis zu 50 Prozent des Preises sei Dank.

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