Zwei Schweizer schreiben einen Brief an die Deutschen

«Liebe deutsche Masseneinwanderer». So beginnt Lorenz Keiser seinen Brief im Nachgang der Masseneinwanderungsinitiative. Und Andreas Thiel beendet seinen Brief mit dem Satz: «Willkommen bei den Indianern». Dazwischen zwei kabarettistische Exkurse, überzeichnet – aber deshalb nicht minder treffend.

Deutsche und Schweizer Fahne, in der Mitte eine Fussgängerampel auf rot.

Bildlegende: Luege, lose, laufe: Augen auf im Grenzverkehr! Keystone

Zwei Kabarettisten setzen zum bilateralen Dialog an: Lorenz Keiser und Andreas Thiel – beide hoch dekorierte Preisträger – haben immer mal wieder die nationalen Lautverschiebungen zum Gegenstand ihrer Kabarettprogramme gemacht und auch jetzt spüren sie mit ihren «Briefen an die Deutschen» dem Zeitgeist nach.

Ein Problem sei ja, sagt Keiser, dass sich die Schweizerischen Politiker immer so nebulös ausdrückten. Nicht alle, aber manche. Johann Schneider-Ammann habe zum Beispiel gesagt, er habe sich «verschätzt». Und Keiser fragt: Womit denn? «Mit der Masseneinwanderungsinitiative oder mit der massenhaften Abwanderung von Schneider-Ammanns Firmengewinnen?» Das sei eben nicht ganz klar wie auch die Tatsache, dass das Wort «Finanzplatz» permanent in einem Atemzug mit «qualifizierten Arbeitern» genannt werde. Das sei kein Zusammenhang, sondern ein Widerspruch in sich.

Blocher – der Württemberger

Auch müsse die SVP klarstellen, was sie denn mit Familiennachzug meine: dass erst das Geld und dann Alice Schwarzer komme? Oder wie? Und das ist es ja eben. Nicht das Geld ist das Problem. Nein. Aber die Leute, die dran hängen. «Die machen diesen Dichte-Stress.» Klar kommen die Vorfahren von Christoph Blocher aus Baden-Württemberg, aber das waren viel weniger – als jetzt.

Ein einig Volk von Ungehorsamen

Andreas Thiel sagt von sich, dass er ja «selber deutsche Vorfahren habe» und deswegen auch «so wahnsinnig gut Deutsch sprechen» könne. Thiel beschreibt die nationalen Unterschiede so: Die Deutschen seien «ein geknechtetes Volk mit einer unbeugsamen Regierung». Die Schweizer hingegen «ein unbeugsames Volk mit einer geknechteten Regierung». Das sieht man ja von weitem, dass das nicht gut gehen kann. Das habe schon der Infanterie-Steinbrück nicht verstanden, als er mit der Peitsche gedroht hat. Die Schweizer sind ein einig Volk von Ungehorsamen.

Mehr Minderheit

Unterworfen haben sich die Schweizer noch nie – weder einem fremden Herrscher noch ihrem eigenen Bundesrat. Die Schweiz bestehe aus Minderheiten. Man müsse nur einen Romand fragen, wenn er zu lange auf die deutsch-schweizer Übermacht starrt.

Und weil das im eigenen Land schon so ist, dass man Massen nicht mag sondern Minderheiten, braucht es auch nicht noch mehr von denen, die wiederum an eine Masse erinnern. Eigentlich alles ganz einfach.