Für «Easy Rider» abgekupfert

Ob ein Song sich im Original im Ohr festkrallt, oder in einer Coverversion, hat oft damit zu tun, welches von beiden wir zuerst hören. Markus Wicker lernte einen Dylan-Song in fremder Version so lieben, dass Master Bob Dylan keine Chance mehr hatte mit seinem Original.

Roger McGuinn am Mikrofon mit Gitarre.

Bildlegende: Roger McGuinn coverte «It's Alright Ma» als Titelsong für den Film «Easy Rider». Wikimedia/Fred Harrington

Zugegeben – mit diesen Bildern auf der Leinwand bekam der Song eine Wucht, wie man sie selten erlebte in den frühen Siebzigerjahren, als das Musikvideo noch nicht erfunden war. Peter Fonda und Dennis Hopper, beide mit abenteuerlich langer Mähne, auf brutal gestylten Harley Davidsons. Unterwegs durch ein Amerika, das auf solche Vögel schlecht vorbereitet war.

Gnadenlose Mundharmonika-Sirene

«Easy Rider» heisst der Film, und ich, mit zarten 13 Jahren in der knallengen Manchester-Jacke über dem Batik-T-Shirt, bin schlicht wehrlos. Gegen die Empörung, dass Fonda und Hopper da einfach umgenietet werden von dumpfen Hinterwäldlern. Und gegen diese gnadenlose Mundharmonika-Sirene von Roger McGuinn, der Dylans «It’s alright ma, I’m only bleeding» singt.

Jedes Wort war mir sonnenklar, obwohl ich kaum Englisch konnte: da singt einer, «einen Augenblick, Mama, ich wünsch gerade mein Leben zum Teufel».

Zum Glück rauchte ich damals noch, und bekam den Qualm in die Augen. So hatte ich eine coole Erklärung dafür, warum ich gegen die Tränen anblinzelte, als ich aus dem Kino in die Welt zurückkam.

Über die Serie

Cover-Versionen werden in der Musik oft belächelt. Aber manchmal überragt die Kopie das Original sogar. SRF Kultur präsentiert in der Serie «Covermania» einige besonders gelungene Covers.