Daniel Rohr bringt die dunkle Seite des Mondes auf die Bühne

Pink Floyd ist für Daniel Rohr mehr als eine Rockband. Ihre Musik ist für den Schauspieler und Leiter des Theaters Rigiblick Stoff für die Theaterbühne. Er hat gleich zwei Alben der legendären Rockband inszeniert.

Daniel Rohr schaut hoch.

Bildlegende: Blick zum Mond? Daniel Rohr inszeniert Pink-Floyd-Klassiker auf der Theaterbühne. Keystone

Die gewaltige und berührende Musik, die beklemmenden Texte, die Psychose des ehemaligen Bandleaders Syd Barrett: Pink Floyd haben mit ihrem vielschichtigen Rock eine ganze Generation geprägt.

Nicht bei allen ist die Musik aber so präsent wie beim Schauspieler und Theaterleiter Daniel Rohr. Er inszeniert und spielt im Theater Rigiblick gleich zwei Pink-Floyd-Programme. Und nicht etwa, weil er sich nicht entscheiden konnte – nein, es liegen ihm einfach beide sehr am Herzen.

Original Pink-Floyd-Soundfiles

Zwei Pink Floyd-Programme, zwei Pink Floyd Alben: Daniel Rohr liebt die Musik von Pink Floyd, das merkt man im Gespräch in jeder Sekunde. Das heisst aber nicht, dass in beiden Fällen die Musik am Anfang stand.

Beim Stück «Pink Floyd meets Edgar Allan Poe» jedoch sehr wohl: Da gab die bildhafte Musik des Albums «Atom Heart Mother» den Ausschlag. Die aufwändige Orchestrierung faszinierte Daniel Rohr. Er nahm Kontakt auf mit Ron Geesin, dem Arrangeur und Sounddesigner von «Atom Heart Mother», und erhielt von ihm nicht nur die Originalpartitur, sondern gleich auch noch die Files mit den Sound-Effekten, die Pink Floyd damals verwendet hatten.

Ein Mann sitzt auf einem Stuhl. Hinter ihm ist ein Orchester.

Bildlegende: Ein perfektes «Paar»: Szene aus «Pink Floyd meets Edgar Allan Poe». Toni Suter / T + T Fotografie

Der «Untergang des Hauses Usher» von Edgar Allan Poe lieferte dann schliesslich die Geschichte von einem Erzähler, dessen Freund an einer Geisteskrankheit leidet. Was perfekt zu Pink Floyd passt. Auch dort ist die Auseinandersetzung mit der Psychose von Syd Barrett, dem Spiritus Rector der Band, ja omnipräsent.

Der Mond als harter Boden der Realität

Bei «To Dark Side of the Moon», dem zweiten Stück von Daniel Rohl, hatte die Anfangsidee mit Musik nichts zu tun. «Ich wollte einfach einen Weltraum-Abend machen. Und dann bin ich doch wieder auf Pink Floyd gestossen, obwohl ja das Album ‹Dark Side of the Moon› mit dem Weltraum erst mal gar nichts zu tun hat.»

Aber darin liegt genau die Genialität der Inszenierung von Daniel Rohr: Indem er «Dark Side of the Moon» mit dem Buch «Kaleidoscope» des amerikanischen Science-Fiction-Autors Ray Bradbury kombiniert, holt er das Bild für den Wahnsinn, die dunkle Seite des Mondes, in eine konkrete Wirklichkeit zurück. Bei Ray Bradbury werden Astronauten eines Raumschiffes nach einer Havarie in das All geschleudert und haben über Funk noch etwas Zeit, um über die letzten Themen zu reden. Bevor sie von der Erde oder dem Mond angezogen und vernichtet werden.

Die Faust aufs Auge

So wird die dunkle Seite des Mondes zu einer realen Bedrohung, zum harten Boden der Realität, auf der alles Leben zerschmettert wird.

Kein Wunder, war das Finden dieses dunklen Textes für Daniel Rohr ein Moment der Erleuchtung. «Das war unglaublich. Das ist füreinander geschrieben, passt wie die Faust aufs Auge.»

Sendehinweis

Der vietnamesisch-französische Gitarrist Nguyen Le spielt am Festival «Jazznojazz» seine eigene Interpretation von «Dark Side of the Moon». Das Konzert findet am 30. Oktober im Theater der Künste in Zürich statt und wird auf Radio SRF 2 Kultur um 22:06 Uhr übertragen.

Veranstaltungshinweis

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