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Musik Der Produzent, der Miles Davis neu erfand

Der Produzent und Bassist Bill Laswell ist nur wenigen ein Begriff. Dabei hat er so viel verschiedene Musik gespielt und produziert wie kaum jemand. Mit «Panthalassa» hat er 1998 aus Originalaufnahmen von Miles Davis ein neues Album produziert – sieben Jahre nach dessen Tod.

Ein Mann spielt eine Bassgitarre.
Legende: Bassist und Produzent Bill Laswell setzte die Originalaufnahmen von Miles Davis neu zusammen. Frank Schindelbeck

Auf der einen Seite ist Miles. Miles Davis. Der Jahrhundert-Trompeter, der sich ein Leben lang immer wieder neu erfunden hat. Der in seiner so genannten elektrischen Phase Meilensteine schuf wie «In a Silent Way» oder «Bitches Brew». Das eine gilt als eines seiner wichtigsten Alben. Das andere erreichte als erstes Album von Miles Goldstatus.

Auf der anderen Seite: ein Bassist namens Bill. Bill Laswell. Nie gehört? Kein Wunder. Er ist nicht weniger fleissig als Miles Davis es war, aber er hält sich gerne im Hintergrund. Und er hat ein unerbittliches musikalisches Credo: «Nothing is true, everything is permitted» – nichts ist wahr, alles ist erlaubt.

Bill Laswell wagt das Unvorstellbare

Der Name Bill Laswell ist zwar nur wenigen ein Begriff, innerhalb der Musikszene ist er aber ausgezeichnet vernetzt. So gelangte er an die Original-Bänder von Miles Davis‘ Aufnahmen aus den 70er-Jahren. Und weil er der Ansicht ist, dass diese Aufnahmen zwar bahnbrechend seien, aber nicht so produziert, wie es Miles Davis wirklich vorschwebte, wagte er das Unvorstellbare: Er nahm die Bänder – und setzte sie neu zusammen.

Dazu muss man wissen: Miles Davis hatte in den 70er-Jahren eine ganz spezielle Arbeitsweise. Er komponierte seine Musik, indem er eine Band zusammenstellte – das heisst: Er holte Musiker ins Studio und liess die Musik geschehen. Bei laufender Aufnahme. So wollte er das Wesen der Musik und die Persönlichkeiten der Musiker ganz unverfälscht erfassen. Die komplexe Arbeit, aus diesen Bändern dann eine LP zusammenzuschneiden, die sich verkaufen liess – diese Arbeit interessierte den Maestro Miles Davis wenig. Es war Teo Macero, sein damaliger Produzent, der ab hier übernahm, und aus den Aufnahmen ein Album zusammenbastelte.

Das Album Cover von Bill Laswells Werk «Panthalassa»
Legende: Eine Neuinterpretation von Miles Davis: Bill Laswells «Panthalassa: The Music of Miles Davis 1969-1974» (1998). Sony Records

Neue Tiefenschärfe

Bill Laswell findet jedoch, Produzent Teo Macero wird der Musik nicht gerecht – und er geht mit seinem Vorgänger hart ins Gericht: Macero habe einen Jazz- und einen klassischen Background gehabt. Und schliesst daraus: «I can’t imagine someone with a background like that having a clue what to do with the kind of stuff Miles was producing» – jemand mit diesem Background habe keine Ahnung, was mit Miles‘ Musik aus dieser Zeit anzufangen wäre.

Laswell benutzte alle Bänder der Aufnahmen von 1969 bis 1974 als Rohmaterial, stellte die Musik zum Teil neu zusammen und brachte vor allem Schlagzeug und Bass durch Mix und Effekte viel klarer zur Geltung, so dass bewusst wird, wie aktuell diese Musik ist, wie frisch.

Teo Macero hat trotzdem keinen schlechten Job gemacht – da muss man Bill Laswell ein wenig relativieren. Macero hatte anfangs der 70-er Jahre ganz einfach die Hörerfahrung noch nicht, die ein Bill Laswell zwanzig Jahre später mitbringt. Und die Miles Davis, der Visionär, voraushörte.

Bill Laswell

Laswell war Produzent des US-Punk-Rockers Iggy Pop und vom damaligen Genesis-Frontmann Peter Gabriel. Ausserdem produzierte er Musik für Herbie Hancock. Yoko Ono, die japanische Künstlerin. Henry Threadgill, den grossen Jazz-Komponisten. Die Rocktruppe Motörhead – und Mick Jagger. Die Liste von Bill-Laswell-Kollaborationen ist schier endlos.

2 Kommentare

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  • Kommentar von beni fuchs, schaffhausen
    Schön, kommt Bill Laswell hier mal etwas zu Ehren, der wohl unbekannteste Bekannte der Musikszene überhaupt. (JEDE/R hat ihn schon mal gehört, nur die wenigsten wissen's) Nun, ob er Miles Davis neu erfunden hat, kann man drüber diskutieren, vielmehr würd ich ihm attestieren, die ganze Musikszene, von Jazz über Metal, Reggae/Dub, bis in die hintersten Ecken der Weltmusikszene, spürbar beeinflusst zu haben. Klar, 500 Tonträger kann man nicht in 1h abhandeln, wie wird man diesem Genie gerecht?
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  • Kommentar von Franco Huber aka DJ MILES, 8008 Zuerich
    danke nur wenn sie was neues über miles schreiben wollen, dann müssten sie experte sein (so wie ich und es gibt halt nur noch wenig). dass sie laswell nicht kennen ist eine lücke: wer sich für musik interessiert (nicht main stream) der kennt ihn! material (debut von whitney housten) praxis, die heirat mit der berühmtesten stimme aus äthiopien, gigi etc. und er war vor jahren in herisau. das remix album erwähnen sie nicht einmal? schade und sorry, aber ich erwarte mehr von "kultur"! vote miles!
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