Ein Schlagzeuger für alle Fälle

Für Vielseitigkeitsprüfungen sind die Leute hinter den Becken und Fellen meist besser geeignet als andere Instrumentalisten. Aber ein deutscher Drummer ist der wahre Mann für alle Fälle: Wolfgang Haffner.

Ein Mann mit Hemd und Krawatte posiert lässig mit zwei Schlagzeugschlägern.

Bildlegende: Wolfgang Haffner inszeniert sein Schlagzeug gerne in einem radikal reduzierten Setting. Sich selber auch. Wikimedia/Actmusic

«Hallo, ich spiel Schlagzeug!» So trocken und prägnant beantwortete Wolfgang Haffner die Frage des Rappers Michael Beck von den Fantastischen Vier, der ihn im Tour-Bus überraschte, und noch nicht präsent hatte, dass Haffner als Ersatzdrummer eingesprungen war.

Die Episode zeigt exemplarisch, was Wolfgang Haffner ausmacht: Er ist so blitzschnell in jedem neuen Repertoire zu Hause, dass man den Menschen hinter dem perfekt eingespassten Beat noch gar nicht wahrgenommen hat. Ob Fanta 4, Chaka Khan, Klaus Doldinger, Mezzoforte, Nils Landgren, die NDR Bigband oder Till Brönner: Wolfgang Haffner groovt und swingt sie alle superpräzise und inspiriert durch Konzerte und Aufnahmesessions.

Mentor Mangelsdorff

Nach dem idealen Start in seinem musikalischen Elternhaus hatte der Autodidakt Haffner im deutschen Posaunenstar Albert Mangelsdorff einen tollen Mentor am Anfang seiner Profikarriere. In Mangelsdorffs Band spielte er immer wieder; hier entdeckte er die Freiheit in den Strukturen, alles was zwischen den Noten steht, und alles was ausserhalb der Noten eben auch noch wichtig ist im Musikbusiness.

In vielen Spontan-Engagements lernte er das alles umzusetzen und zu verfeinern. Und mit der Zeit spielte es keine Rolle mehr, ob swingendes Big-Band-Spiel oder knüppelharte Funk-Beats gefragt waren. Haffner konnte liefern, und liess dabei alle seine Arbeitgeber besser klingen.

Radikal reduziert

Bei seinen eigenen Projekten, für die er trotz allem immer wieder Zeit findet, geht Wolfgang Haffner oft einen radikal anderen Weg. Er inszeniert sein subtil gespieltes Schlagzeug gerne in einem radikal reduzierten Setting, in Quartetten, Quintetten oder gleich dem Pianotrio.

Das beste Beispiel dafür ist die Produktion «Acoustic Shapes» von 2007 mit dem Bassisten Lars Danielsson und dem Pianisten Hubert Nuss. Oder auch die aktuelle CD «Kind of Cool», auf der bekannte Standards unspektakulär aber raffiniert in Szene gesetzt werden.

Etwas reduziert hat der Vielflieger Haffner seine Tätigkeit wohl auch nach einem Herzinfarkt im Sommer 2014. Ein sicheres Zeichen, dass hinter der scheinbaren Selbstverständlichkeit seines federnden Spiels eben auch viel harte Arbeit steckt, und dass das rastlose Leben auch an einem Überflieger nicht spurlos vorbeigeht.

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