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Musik George Adams Höhenflug in den Jazz-Himmel

George Adams erfand sein Instrument nicht neu. Er mischte aber alles auf unerhörte Weise zusammen, was in der Geschichte des Saxophons vorgekommen war: ob tief, fragil oder jauchzend. Und er war ein Musiker, der seinem Instrument treu blieb, als andere elektronischen Geräten verfielen.

George Adams spielt Saxophon.
Legende: In den 1970er-Jahren spielte sich George Adams in den Saxophon-Olymp. Flickr/ Tom Marcello

Farbige Hütchen und nach oben gedrehte Augen: Der Saxophonist George Adams war eine eindrückliche Erscheinung. Er war gross, und er wurde noch grösser, als in den 1970er-Jahren die Plateauschuhe dazukamen. George Adams war ein sanfter Riese – mit einem Saxophonsound wie ein Baum.

Kein Wunder war die Geburtsstadt dem grossen Mann schnell zu klein: Covington, ein Nest in Georgia. Dort spielte George Adams während der Highschool noch in Blues- und R’n’B-Bands. Das war Ende der 1950er-Jahre. Dann aber zog er weiter, nach Ohio zuerst, und schliesslich nach New York; damals wie heute das Epizentrum des US-amerikanischen Jazz-Geschehens.

Ein kompletter Saxophonist

Dort gerät George Adams schnell ins Auge des Hurrikans. Er spielt bei Art Blakey und im «Hip Ensemble» von Roy Haynes. Und dann, ab 1973 und mit gut dreissig Jahren, in einer noch hipperen Truppe: in der Band des Bassisten Charles Mingus. Dort vollendet George Adams seine Saxophonkünste, spielt Konzerte im Akkord und sich selbst in den Saxophon-Olymp.

Er erfand sein Instrument dabei nicht neu, mischt aber alles, was bisher in der Geschichte des Saxophons vorgekommen ist, auf unerhörte Art und Weise neu zusammen. Der Swing der alten Meister, die flinken Linien der Bebop-Derwische, die Expressivität von John Coltrane und das freie Spiel – alles ist da im Spiel von George Adams. Und alles kann jederzeit aufblitzen. Dazu kommt seine sagenhafte Beherrschung der Obertöne, sein tiefer, warmer, bei Bedarf auch fragiler oder jauchzender Sound: George Adams ist ein kompletter Saxophonist.

Der Blick nach innen

Nach der Zeit bei Mingus war George Adams reif für die eigene Band. Zusammen mit dem Pianisten Don Pullen formierte er ein Quartett, das zu den originellsten Bands der Zeit gehörte und die Fackel des Jazz weitertrug in einer Zeit, in der andere das Rad am liebsten zurückdrehen wollten – oder ganz und gar den neumodischen elektronischen Geräten verfielen.

George Adams aber blieb sich treu. Er suchte nicht den schnellen Ruhm in der Aussenwelt, sondern er suchte die Musik in sich selber. Die nach oben gedrehten Augen, der Blick in den Himmel, das ist immer auch ein Blick nach innen und Ausdruck einer grossen Spiritualität.

Und so tourt George Adams um die Welt, mit seinem Quartett, später auch mit der Band «Phalanx» und dem Gitarristen James Blood Ulmer. Er hält seine Vorbilder hoch und wird selber für viele ein Vorbild, spielt und singt den Blues, konstruiert in Echtzeit die unglaublichsten Melodielinien, entdeckt auch das ganz freie Spiel. Allzu viel Zeit bleibt ihm nicht dazu – eine Krebserkrankung stoppt den Höhenflug von George Adams, mit 52 Jahren stirbt er. Für ihn, in dessen Spiel immer auch eine tiefe Religiosität spürbar wurde, eine Heimkehr.

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