Jojo Mayer spielt Schlagzeug wie Buddy Rich: virtuos und brachial

Jazz-Legende Buddy Rich (1917–1987) gilt als «bester Schlagzeuger aller Zeiten». Wer die Musik der «Buddy Rich Big Band» zum Leben erwecken will, braucht nicht nur einen technischen Virtuosen an den Trommeln, sondern einen kongenialen Geist. Jojo Mayer ist so einer.

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Jojo Mayer - Tribute to Buddy Rich

6:19 min, vom 13.2.2015

Der Schweizer Schlagzeuger Jojo Mayer übersetzt scheinbar unspielbare elektronische Beats auf das akustische Schlagzeug. Damit setzt er seit bald einem Vierteljahrhundert nicht nur neue Massstäbe für Instrumentalisten und Musikproduzenten, er definiert auch die Rolle des Schlagzeugs neu.

Das «reverse engineering» digitaler Musik in organische, «re-humanisierte» Musik, wie er es nennt, eröffnet zudem eine philosophische Dimension, die bis heute sein Schaffen prägt.

Jazz ist dead

«Ich mag nicht mehr in Jazz Bands spielen, ich investiere lieber in die Zukunft», sagt Jojo Mayer, und verweist auf Miles Davis: «Jazz ist kein Stil oder Rhythmus, sondern der Geist von Improvisation, Kommunikation, Innovation und Selbstausdruck in Bezug auf die Zeit, in der wir leben. Dieser Geist ist heute in der elektronischen Musik lebendiger als im sogenannten Jazz.» Auf diesem Hintergrund scheint Jojo Mayer wenig mit Jazz-Legende Buddy Rich zu verbinden. Der Schein trügt.

«Buddy Rich bedeutet fürs Schlagzeug, was Charlie Chaplin für den Film oder Muhammad Ali fürs Boxen bedeutete», sagt Jojo Mayer über den Übervater des Jazz-Schlagzeugs und führt aus: «Es gibt viele technisch brilliante Schlagzeuger. Aber Buddy Rich konnte seine fast unbegrenzten technischen Fähigkeiten musikalisch einsetzen und damit einen Effekt erzielen, der weit über die Musik hinaus reichte.»

«Greatest Drummer of all Time»

Buddy Rich wuchs als musikalisches Wunderkind im New York der 1920er-Jahre auf, wurde zum begnadeten Showman, charismatischen Fernsehstar, manischen Perfektionisten und narzisstischen Selbstdarsteller in Personalunion.

Er begleitete Stars wie Frank Sinatra, Ella Fitzgerald oder Louis Armstrong und rückte mit seiner Big Band das Schlagzeug vom Bühnenhintergrund nach vorne ins Rampenlicht. Buddy Rich war der erste grosse Schlagzeugstar der Musikgeschichte – mit Ausstrahlungskraft bis in die Gegenwart.

Tribute to Buddy Rich

So kommt es auch heute noch einem Ritterschlag gleich, wenn ein Drummer eine Buddy-Rich-Tributeshow spielen darf. «Die Musik von Buddy Rich wurde geschrieben, um spektakulär zu sein», sagt Jojo Mayer und lacht: «Jeder Drummer, der diese Musik spielt, misst sich an Buddy Richs Mythos und Spektakel – solche Events lassen sich gut verkaufen!»

Aber im Ernst: Warum genau spielt Jojo Mayer eine Jazz-Tributeshow? «Ein Buddy- Rich-Programm zu spielen ist für mich wie eine Zeitreise in die Vergangenheit. Es scheint bizarr, weil es weit weg ist von dem was ich normalerweise tue. Aber in diesem Fall weckt der Blick in den Rückspiegel meine Neugierde – und es macht Spass!»

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