Techno-Pionier und Björk-Produzent Mark Bell

Als Musiker beeinflusste er Techno und Acid House, als Produzent stellte er sein Talent in den Dienst von gestandenen Pop-Grössen wie Björk oder Depeche Mode. Nun ist Mark Bell im Alter von 43 Jahren gestorben.

Bell am Mischpult

Bildlegende: Mark Bell war ein Innovator der elektronischen Musik, die er erfolgreich mit Pop verschmolz. Getty Images

Als Mitglied der Gruppe LFO brachte Mark Bell anfangs der 90er-Jahre zusammen mit Gez Varley der elektronischen Musik die ganz tiefen Bässe bei. Damit soll das Duo aus Leeds sogar Sachschaden angerichtet haben. Dem Spiegel zufolge wurde ein Glasgower DJ einst vom Barpersonal gebeten, LFO nicht zu spielen, weil die Bässe regelmässig die Gläser aus den Regalen schüttelten.

Dennoch wurde die gleichnamige Single «LFO» in den Clubs ein Hit und schaffte es 1990 in England gar in die Charts. Das Album «Frequencies» wurde zum Klassiker der elektronischen Musik und verhalf dem Label Warp Records, heute bekannt für Künstler wie Aphex Twin, Flying Lotus oder Nightmares on Wax, zu seinem bis heute grossen Renommee.

Pop und Techno verschmelzen

Erfolgreich war Bell auch als Produzent: Für Björk produzierte er mehrere Alben und begleitete die isländische Sängerin auch auf Tour. Deutlich zu hören ist sein Einfluss auf dem Album «Homogenic» von 1997. Auch für das Album «Exciter» von Depeche Mode zeichnete er sich verantwortlich.

Am Dienstag teilte Warp mit, dass Mark Bell vergangene Woche im Alter von 43 Jahren in Folge von Komplikationen nach einer Operationen gestorben. Auf Twitter drückten schon bald zahlreiche Vertreter der elektronischen Musik ihr Mitleid aus:

5 Songs von Mark Bell

    • Mehrere bunte Bilder ohne erkennbaren Inhalte übereinandergelegt

      Bildlegende: Screenshot aus dem Musikvideo zu «LFO». YouTube

      LFO – LFO (1990)

      Die erste Single von Mark Bells Projekt LFO war in den Clubs und in den Charts äusserst beliebt. Das Video dazu stammt von Pulp-Sänger Jarvis Cocker.

      LFO – LFO (YouTube)

    • Eine gebirgslandschaft, in der sich ein rieisger Graben auftut, durch den Lava fliesst.

      Bildlegende: Screenshot aus dem Musikvideo zu «Jóga». YouTube

      Björk – Jóga (1997)

      Auf dem Album «Homogenic» verband Mark Bell Björks feinen Gesang und Streichermusik mit harten Beats und dumpfen Bässen. In der zweiten Hälfte des Songs «Jóga» ist das deutlich zu hören.

      Björk – Jóga (YouTube)

    • Der Rapper Del the Funky Homosapien mit Kopfhörern.

      Bildlegende: Deltron 3030 - Turbulence YouTube

      Deltron 3030 – Turbulence (Mark Bell Remix) (2000)

      Mark Bell trat auch immer wieder als Remixer in Erscheinung – hier ist er für einmal auf einem Hip-Hop-Stück zu hören, dem Song «Turbulence» der Gruppe Deltron 3030.

      Deltron 3030 – Turbulence (Mark Bell Remix) (YouTube)

    • Sänger Dave GAhan hält ein Mikrofon und schaut in die Kamera.

      Bildlegende: Screenshot aus dem Musikvideo zu «I Feel Loved» YouTube

      Depeche Mode – I Feel Loved (2001)

      2001 produzierte Mark Bell das Album «Exciter» von Depeche Mode. Das erfolgreiche Album kam auch bei den Kritikern gut an. Bell wurde dafür gelobt, die Musik der Electro-Band weiter voranzutreiben.

      Depeche Mode – I Feel Loved (YouTube)

    • Mark Bell steht an einer seltsamen Maschine, durch die dicke Seile laufen. Er spielt sie wie einen Bass.

      Bildlegende: Screenshot aus dem Musikvideo zu «Declare Independence» YouTube

      Björk – Declare Independence (2008)

      Im Video zum Song «Declare Independence» hat Mark Bell einen Gastauftritt: Er spielt überhängend an einer seltsamen Maschine. Gebastelt hat diese der Regisseur Michel Gondry. Im Song vom Album «Volta» hat Bell deutlich seine technoiden Spuren hinterlassen.

      Björk – Declare Independence (YouTube)

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Nachrichten, 14.10.2014, 6.02 Uhr

Sendungshinweis

Am Donnerstag, 16.10. um 18 Uhr widmen sich Grüter und Bürgin auf SRF Virus der Musik von Mark Bell.