Von Bowie bis Daft Punk: Nile Rodgers machte ihre Songs zu Hits

Einige der grössten Hits kommen aus seinen Händen: Nile Rodgers verhalf unzähligen Musikern zu Höhenflügen und Comebacks – trotzdem bleibt er bis heute relativ unbekannt. Zehn Highlights aus seinem Schaffen – von «We Are Family» bis «Get Lucky».

Nile Rodgers 1981: Er schrieb Disco-Hits für die Ewigkeit.

Bildlegende: Nile Rodgers 1981: Er schrieb Disco-Hits für die Ewigkeit. Getty Images

Nile Rodgers, selbst Gitarrist, begann in den 1960er-Jahren als Studiomusiker in New York. 1976 gründete er die Gruppe Chic mit und prägte damit den Discosound einer ganzen Ära.

Hits aus dem Hintergrund

Seit den 1980ern landete Rodgers die richtig fetten Hits im Hintergrund: als Produzent und Songlieferant. Seine Referenzen lesen sich wie das Who's who der jüngeren Popgeschichte – Rodgers war Garant für zeitgemässen Sound und Chartplatzierungen.

Ob das funky Gitarrenriff aus dem Chic-Hit «Le Freak» oder zuletzt der Überhit «Get Lucky» von Daft Punk/Pharell Williams: Der Mann aus der Bronx ist dafür verantwortlich.

Und trotz einer Krebserkrankung 2011 wurde es nie still um Rodgers. Das «Rolling Stone»-Magazin wählte ihn zu einer der 50 wichtigsten Personen der elektronischen Tanzmusik. Momentan arbeitet er mit Kylie Minogue an einem neuen Album, kürzlich gab er mit Chic die Single «I’ll Be There» raus und kündigte ein Solo-Album an.

    • 1.
      Chic: «Le Freak» (1978)
      Vier Musiker auf der Bühne.

      Bildlegende: Die Band Chic 1970 (Nile Rodgers: 2 von links). Wikimedia/NileRodgersProd

      Es war ihre dritte Single – und ihr erster grosser Hit, dem noch einige folgen sollten. Es ist vielleicht eines der bekanntesten Riffs überhaupt, der Song gehört heute zu den Klassikern des Genres. Lange Zeit war «Le Freak» eine der meistverkauften Singles überhaupt für das Label.

      Rodgers hatte Chic mit dem Bassisten Bernard Edwards 1970 gegründet. In stetig wechselnder Besetzung existiert die Band bis heute (aktuell als Chic ft. Nile Rodgers). Über ihren Auftritt am Glastonbury Festival 2013 schrieb der «Guardian»: «Some oft he greatest pop music ever made …»

    • 2.
      Sister Sledge: «We Are Family» (1979)
      Die Band Sister Sledge

      Bildlegende: Für Sister Sledge lieferte Nile Rodgers Disco-Klassiker. Youtube

      Nach den Erfolgen mit Chic begann Rodgers Bands aus dem gleichen Haus zu produzieren – etwa Sister Sledge. Zusammen mit Bernard Edwards produzierte und schrieb er deren drittes Album. Neben dem Titeltrack «We Are Family» hatten sie zwei weitere Riesenhits – heute allesamt Disco-Klassiker: «He’s the Greatest Dancer» und «Lost in Music».

    • 3.
      Chic: «Good Times» (1979)

      Ein Riff für die Ewigkeit. Es befeuerte «Rapper’s Delight» der Sugar Hill Gang, stand also am Anfang der ersten Hip-Hop-Blütezeit, diente Queen als Basis für «Another One Bites the Dust» und inspirierte Daft Punk zum Hit «Around the world».

    • 4.
      Diana Ross: «Upside Down» (1980)
      Diana Ross, das Aushängeschild von Motown, 1976.

      Bildlegende: Diana Ross, das Aushängeschild von Motown, 1976. Motown Records

      Diana Ross, das sicherste Pferd im Stall von Motown, war auf der Suche nach einem neuen, frischen Sound – und fand ihn bei Rodgers. Ausgerechnet, muss man sagen, denn Ross war die heimliche Geliebte von Motown-Gründer Berry Gordys. Ausgerechnet also der New York Boy Nile Rodgers ermöglichte ihren Relaunch fernab von Motowns alten Wegen. Diana Ross' zehntes Album «Diana» wurde zu ihrem erfolgreichsten überhaupt. Hits wie «Upside Down» oder «I’m Coming out» klingen heute noch in allen Ohren.

    • 5.
      David Bowie: «Let’s Dance» (1983)
      David Bowie auf seinem Cover von «Let's Dance».

      Bildlegende: David Bowie auf seinem Cover von «Let's Dance». Flickr/Jason Hickey

      Bowie traf Rodgers, sprach mit ihm über Musik und liess ihn schliesslich sein Album «Let’s Dance» produzieren. Das Resultat, wie könnte es anders sein: Bowie erreichte mit dem neuen Sound ein jüngeres Publikum und «Let’s Dance» wird zu einem der grössten Erfolge Bowies – mit Hits wie dem Titeltrack oder «China Girl» oder «Modern Love».

      Hier waren gleich zwei Gitarren-Giganten am Werk: Der noch unbekannte Stevie Ray Vaughan lieferte das unverwechselbare Solo auf Rodgers Signatur-Sound, der zum wesentlichen Bestandteil des Soundtracks des beginnenden Videoclip-Zeitalters wurde.

    • 6.
      Madonna: «Like a Virgin» (1984)
      Madonna in ihrem Video zu «Like A Virgin».

      Bildlegende: Madonna in ihrem Video zu «Like A Virgin». Youtube

      Mit diesem Album, das Erfindergeist und Kommerzialität zur perfekten Synthese brachte, wurde Rodgers selbst zur Legende. Rodgers produzierte Madonnas zweites Werk – mit Hits wie «Material Girl» oder «Like a Virgin». Das Album war gleichzeitig eine Zusammenkunft von Chic-Mitgliedern, die den Sound beisteuerten. Übrigens: Eine aussermusikalische Affäre mit Madonna lehnte Rodgers damals ab, was Madonna ziemlich verblüfft hat.

    • 7.
      Duran Duran: «Notorious» (1986)
      Duran Duran: nur noch im Trio, aber mit «Notorious» äusserst erfolgreich.

      Bildlegende: Duran Duran: nur noch im Trio, aber mit «Notorious» äusserst erfolgreich. Youtube

      Auch die zum Trio geschrumpfte Band Duran Duran vertraute für ihren Neubeginn auf Rodgers. Rodgers brachte den Funksound in die Band und spielte selber Gitarre. «Notorious» war Duran Durans erfolgreichstes Album.

    • 8.
      Grace Jones: «I’m Not Perfect (But I’m Perfect for You)» (1986)
      Grace Jones auf dem Albumcover von «I'm Not Perfect».

      Bildlegende: Grace Jones auf dem Albumcover von «I'm Not Perfect». Manhattan Records

      Dies war die Single ihres achten Albums «Inside Story» – einer der grössten Hits von Grace Jones. Das Album markierte einen Neubeginn für Jones, neues Label, neue Einflüsse, neuer Produzent. Und endlich ihr Durchbruch in den USA, wo sie bislang kein Star war. Der Song «I’m Not Perfect» ist eine perfekte Symbiose aus Jones‘ Stimme und Rodgers Funk-Gitarren.

    • 9.
      B-52‘s: «Roam» (1990)
      The B-52's in ihrem Video zu «Roam».

      Bildlegende: The B-52's in ihrem Video zu «Roam». Youtube

      Das Album hiess «Cosmic Thing» und war für die Band der kommerzielle Durchbruch. Die Singles «Roam» und «Love Shack» sind bis heute zwei der erfolgreichsten Songs der New-Wave-Band. Das Album war das Comeback, nachdem ihr ursprünglicher Gitarrist 1985 starb. Rodgers produzierte und spielte Gitarre auf dem Album.

    • 10.
      Daft Punk feat. Pharrell Williams: «Get Lucky» (2013)
      Daft Punk, Pharrell und Nile Rodgers (rechts) beim Videodreh für «Get Lucky» 2013.

      Bildlegende: Daft Punk, Pharrell und Nile Rodgers (rechts) beim Videodreh für «Get Lucky» 2013. Wikimedia/NileRodgersProd

      Der Sommerhit schlechthin, Nile Rodgers hat ihn mitgeschrieben und spielte Gitarre (ebenso auf zwei weiteren Songs des Albums «Random Access Memories»). Drei Grammys heimste er dafür ein. Solch einen «universellen Hit», den er überall auf der Welt hören könne, da musste selbst Rodgers eingestehen: «Ich bin verblüfft!»

Namen, die man ebenfalls hätte nennen können: Spoons, INXS, Robert Plant, Peter Gabriel, Brian Ferry, Jeff Beck, Mick Jagger …

Film über Nile Rodgers

Der Dokumentarfilm «Nile Rodgers – From Disco to Daft Punk» erzählt die Geschichte von Nile Rodgers – mit viel Archivmaterial und Interviews.

Sternstunde Musik, Sonntag 14. Juni, 23:10 Uhr, SRF 1.

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