Jazz zum 1. August? Aber sicher, sagt sich St. Moritz!

Alles andere als traditionell gibt sich am Nationalfeiertag das St. Moritzer «Festival da Jazz»: Auf die Bühne treten der sizilianische Cantautore Pipo Pollina und die 88-jährige Othella Dallas mit Wurzeln in den USA. Ein Abend, der vielleicht doch schweizerischer ist, als man denkt.

Othella Dallas mit Hut auf dem Kopf und Blume im Mund.

Bildlegende: Die nimmermüde Tänzerin und Musikerin Othella Dallas ist am «Festival da Jazz» zu Gast. Othella Dallas

Die laufend publizierten Zahlen der Bevölkerungsstatistik zeigen klar und deutlich: Die Schweiz ist und bleibt ein Einwanderungsland. Fast ein Viertel der Wohnbevölkerung in der Schweiz ist zugewandert.

Was liegt da näher, als diese Stimmen auch am Nationalfeiertag zu Wort kommen zu lassen? Oder noch besser: zum gesungenen Wort kommen zu lassen. Denn das Kreativpotential der in die Schweiz eingewanderten Menschen ist beträchtlich. Das zeigt nicht nur unsere Fussball-Nationalmannschaft immer wieder – das belegt auch die Vielfalt der musikalischen Szenen, die hierzulande angesiedelt sind sehr anschaulich.

Traditionen, lustvoll gemischt

In der Schweiz gibt es seit den 1980er-Jahren sehr lebendige und aktive Szenen von afrikanischen, brasilianischen und kubanischen Musikerinnen und Musikern. Da brodeln die Rhythmen und da begeistern fremde Harmonien und Melodien. Dabei ist man nicht unter sich geblieben, sondern hat immer wieder den Kontakt gesucht, und die Einflüsse und Traditionen auch gegen alle Widerstände lustvoll gemischt.

Als weiteres Element für die Vielfalt des hiesigen Musiklebens sind die Hochschulen zu nennen, die sich in den letzten Jahrzehnten auch im Pop- und Jazzbereich stark entwickelt haben. Sie ziehen immer wieder hochkarätige Dozentinnen und Dozenten an. Und mit ihnen wandern dann auch stets aufs Neue Studentinnen und Studenten aus der ganzen Welt hier ein.

Othella Dallas: Little Girl From Memphis

Lange vor diesen Entwicklungen erreichte die Sängerin Othella Dallas die Schweiz. 1925 in Memphis geboren, wurde sie als 19-Jährige von der Choreografin Kathrine Dunham entdeckt und kam als Tänzerin viel in der Welt herum. Ihren Schweizer Ehemann lernte sie in Paris kennen, und so kam «The Little Girl from Memphis» 1960 in die Schweiz, genauer nach Basel.

Dort gründete Othella Dallas zunächst eine Tanzschule, und dort startete sie schliesslich auch ihre Gesangskarriere. Dem Tanzen ist sie bis heute so treu geblieben wie dem Singen. So fühlt sie sich auch mit bald 89 Jahren noch pudelwohl auf der Bühne.

Pippo Pollina: sizilianischer Cantautore

Mann mit langen Haaren hält eine Gitarre in den Händen.

Bildlegende: Von Sizilien über Europa in die Schweiz: Pippo Pollina. Keystone

Pippo Pollina kam 1963 in Palermo zur Welt und studierte zunächst Musik und Recht gleichzeitig. Politisiert durch die Arbeit seines Vaters und seine eigenen Ideen, engagierte sich Pollina früh im Kampf gegen die Mafia. Mitte der 80er-Jahre bereiste er als Strassenmusiker ganz Europa, um sich schliesslich in der Schweiz niederzulassen.

Sowohl Othella Dallas wie Pippo Pollina haben also einiges zu erzählen über ihren Weg in das Einwanderungsland Schweiz, über ihre Arbeit in der Schweizer Kulturszene. Othella Dallas steht dabei nochmals in einem speziellen Setting. Sie hat sich als Gast die Walliserin Sina eingeladen, die nicht zuletzt damit bekannt geworden ist, amerikanische Soul- und Jazzklassiker in ihre Sprache zu übersetzen.

Das verspricht auf vielen Ebenen eine spannende Begegnung von Kulturen und Sprachen. Alles andere also als ein traditionell schweizerischer 1. August.

Sendehinweis

Radio SRF 2 Kultur sendet im Rahmen von «Weltklasse» das Konzert von Othella Dallas live aus dem Dracula Club in St. Moritz.

Konzertübertragung
aus St. Moritz:
Freitag, 1. August, 19:30 Uhr

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