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Musik Wenn das Volk nicht lesen kann, muss man singen

Rapper und Aktivist Smockey hat stark dazu beigetragen, dass Burkina Fasos Diktator Blaise Compaoré 2014 zurücktreten musste. Mit seinem gesungenen Wort erreicht er viele seiner Landsleute – besonders die junge Bevölkerung. Ein Kampf, der sich gelohnt hat: Die ersten freien Wahlen fanden statt.

Porträt von Smocky, im Hintergrund eine Strasse.
Legende: Smockey, Hiphopper und Aktivist, der sich in seiner Heimat Burkina Faso politisch engagiert. outhere records

Wochenlang demonstrierte Smockey im Herbst 2014 und hielt Reden über den politischen Umbruch. Sein Song «On Passe À L’Attaque», Link öffnet in einem neuen Fenster – bereit zum Kampf – hallte wie ein Schlachtruf durch die Strassen von Ouagadougou. So haben die Proteste im Oktober 2014 vor dem Parlamentsgebäude in der burkinischen Hauptstadt angefangen.

Smockey ist 1971 in Ouagadougou als Kind einer französischen Lehrerin und eines burkinischen Zollbeamten geboren. Mit 18 Jahren ging er nach Frankreich, entdeckte dort den Hiphop und machte verschiedene Jobs. Zehn Jahre später kehrte er in seine afrikanische Heimat zurück und widmet sich seitdem ganz der Musik.

Musik als Sprachrohr

«Musik sensibilisiert. Musik hat eine enorme Kraft: Ihre Botschaft dringt direkt ins kollektive Bewusstsein», erklärt Smockey entschieden. Er weiss, dass er im westafrikanischen Land, wo die Analphabeten-Quote bei 75 Prozent liegt, als Rapper eine wichtige Aufgabe hat. Mit seinem gesungenen Wort erreicht er die Mehrheit seiner Landsleute – besonders die junge Bevölkerung.

In seinem Song «Le Président, ma Moto et Moi», Link öffnet in einem neuen Fenster lädt Smockey Blaise Compaoré auf eine Spritztour mit dem Moped durch sein Land ein. Smockey zeigt ihm, was seine Herrschaft hinterlassen hat: hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Krankheitsversorgung, Korruption.

«Sie verprassten das Geld»

Smockey geht es um politische Aufklärung und gesellschaftlichen Wandel. Dafür will er das Demokratiebewusstsein seiner Landsleute schärfen. «Es war höchste Zeit zu agieren«, sagt Smockey. «27 Jahre hatten wir denselben Präsidenten mit demselben korrupten Clan an der Macht. Sie verprassten das Geld und stürzten Burkina Faso ins Elend. Das Mass war voll. Wir wollten das sofortige Ende dieser Regierung.»

Der engagierte Rapper schloss sich mit anderen Aktivisten und Künstlern zusammen und rief die Demokratiebewegung Balai Citoyen, Link öffnet in einem neuen Fenster – Bürgerbesen – ins Leben. Sinnbildlich steht sie für eine Säuberung in Burkina Faso. Der Dreck der Korruption und Vetternwirtschaft soll aus dem Land gefegt werden.

Das Land der Aufrechten

Smockey knüpft damit an das Gedankengut des legendären Revolutionärs Thomas Sankara an – ein charismatischer Offizier und glühender Revolutionär, eine Art afrikanischer Che Guevara. Er wurde im August 1983 fünfter Staatschef, befreite das damalige Obervolta von seiner kolonialen Bezeichnung und gab dem westafrikanischen Land den Namen Burkina Faso: das Land der Aufrechten.

Thomas Sankara setzte sich für Frauenrechte ein und wollte dem Hunger ein Ende setzen. Sein Kampf gegen die Korruption brachte ihm viele Feinde. Nach vier Jahren Amtszeit wurde er am 15. Oktober 1987 von seinem Nachfolger Blaise Compaoré ermordet.

Wahlschein als Waffe

«Folgt nicht irgendwelchen Männern. Folgt euren Ideen», mahnt Smockey immer wieder. Er hat mit der Demokratiebewegung Balai Citoyen viel Überzeugungsarbeit geleistet und zur Teilnahme an den Neuwahlen aufgerufen. «Besonders die Jugend muss sich bewaffnen», so Smockey, «und die Waffe für die Präsidentschaftswahlen, das ist der Wahlschein.»

Sendung: SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 27.11.2015, 17:06 Uhr.

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