Wie der Pianist Chick Corea seinen Jungbrunnen gefunden hat

Was Chick Corea leistet, das leisten in seinem Alter nicht mehr viele. Der 73-Jährige spielt noch unermüdlich Konzert um Konzert auf der ganzen Welt. Auch seine neue CD klingt alles andere als angestaubt. Woher nimmt er diese unerschöpfliche Energie?

Chick Corea am Klavier, Brian Blade am Schlagzeug, Christian McBride am Bass.

Bildlegende: Die Trio-Zauberformel: Chick Corea (Piano) mit Brian Blade (Drums) und Christian McBride (Bass). Andrew Elliott (Chick Corea Productions)

Im Grunde hat Chick Corea diese Frage, woher seine Energie kommt, schon vor langer Zeit beantwortet: mit dem Namen einer Band. Nicht irgendeiner Band, selbstverständlich, sondern der Fusion-Band, die ihn in den 70er-Jahren zum Weltstar gemacht hat: «Return to Forever».

Allerdings ist diese Antwort wohl eher auf der knappen Seite. Für diejenigen also, die sich immer schon gefragt haben, was zum Teufel Chick Corea eigentlich meint mit diesem Bandnamen, hier noch etwas Licht ins Dunkel:

Zurück zur «basic nature»

Vor rund zwei Jahren hat Chick Corea an einem Festival in Tbilisi, Georgien, wieder einmal darüber gesprochen. Für ihn gibt es eine «basic nature» in jedem Menschen: eine Art Grundhaltung dem Leben gegenüber.

Im Alltag als Erwachsene komme uns diese «basic nature» abhanden. Bei Kindern aber, so Chick Corea, sehe man das noch sehr schön: diese unschuldige Neugierde auf die Welt, die Lust daran, neue Sachen kennenzulernen. Es sei die Aufgabe der Menschen, zu dieser «basic nature» zurückzukehren. Das habe er mit «Return to Forever» gemeint.

Ein halbes Jahrhundert Musik

Wenn man also zu seiner «basic nature» zurückkehrt, dann findet man das «Forever»: den immer wieder neuen Antrieb zu grossen Taten, den Jungbrunnen, die ewige Lebenskraft.

Vier Männer auf der Bühne, einer spielt Bass, der andere E-Gitarre.

Bildlegende: Chick Corea (zweiter von rechts) mit «Return to Forever». Wikimedia

Da kann man sich natürlich schon fragen, ob das nicht eine etwas gar naive aufklärerische Lebenseinstellung ist, die die Kindheit verklärt und an der Lebensrealität scheitern muss? Nicht für Chick Corea: Für ihn funktioniert dieses Credo. Warum sonst wäre er seit einem halben Jahrhundert so innovativ und auf konstant hohem Niveau am Spielen?

Gassenhauer und Klassiker

Und so ist denn auch das Konzept seiner neuesten Band genial einfach: Da steht im Zentrum ein älterer Herr, der mit seiner Band das erkundet, was schon Generationen von Jazzmusikern erkundet haben: die Songs aus dem Great American Songbook, die Gassenhauer von Broadway-Musicals, die Klassiker der grossen Komponisten im Jazz.

Christian McBride am Bass und Brian Blade am Schlagzeug sind, zusammen mit Chick Corea, nichts weniger als eine Zauberformel. Und dieser Chick Corea, der in den letzten Jahren deutlich gealtert ist, dünner und manchmal fast etwas zitterig geworden ist, ist als Mensch in seinem letzten Lebensabschnitt, als Künstler ganz und gar bei sich. Und als Musiker in Höchstform, sobald er sich vor Publikum an einen Flügel setzt.

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