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International Atomausstieg: Ja, nein, vielleicht?

Der Aufschrei nach Fukushima war gross. Der Schock ebenso. Wer vorher der Atomenergie skeptisch gegenüberstand, sah sich bestätigt. Selbst Befürworter hielten kurz inne. Doch was ist geblieben vom Traum einiger, eine Welt ohne AKW zu schaffen? Wenig, so viel sei schon vorab verraten.

Fahne mit dem Aufdruck «Atomkraft? Nein Danke.»
Legende: Ausstieg: Ja oder Nein? Die Angst vor einem Zwischenfall wie in Fukushima schwindet – die Zahl der Reaktoren steigt. Keystone

«Der Völker Leid: Vergesslichkeit» – beim Blick auf Fukushima und seine Folgen mag einem der Spruch des deutschen Lyrikers Erich Limpach in den Sinn kommen. Weltweit betreiben mehr als 30 Länder rund 440 Reaktoren – Tendenz steigend. Allen Gefahren und ungelösten Endlagerproblemen zum Trotz ist das Atomkraftgeschäft weiter auf der Überholspur.

Unter dem Vorwand des Klimaschutzes und der Bereitstellung preiswerten Stroms werden derzeit weltweit Hunderte neue Reaktoren gebaut oder befinden sich in der Planung.

Einzig Deutschland hat nach Fukushima Konsequenzen gezogen und den Atomausstieg gesetzlich verankert. 2022 soll das letzte AKW vom Netz gehen. Die unausgesprochene Hoffnung, dass sich dem möglichst viele Länder anschliessen mögen, zerschmolz mit den Jahren. Unsere Auflistung der wichtigsten Länder und deren Einstellung zu einem möglichen Ausstieg zeigt dies deutlich:

Ausstieg vor dem Einstieg

Österreich: Per Volksabstimmung wurde 1987 beschlossen, keinen Atomstrom zu produzieren. Seither gehört Österreich zu den Vorreitern staatlicher Initiativen gegen Atomenergie.

Dänemark: 1985 entschied sich das Land mit einem Parlamentsbeschluss gegen die Nutzung der Kernenergie.

Ausstieg vollzogen

Italien: Nach einer Volksabstimmung 1987 wurden sämtliche vier Atomkraftwerke Italiens stillgelegt. Ein angedachter «Ausstieg aus dem Ausstieg» scheiterte 2009. Bei einer Volksabstimmung votierten 94,1 Prozent gegen einen Wiedereinstieg.

Ausstieg mit fixem Datum

Deutschland: Nach Fukushima beschloss die Regierung einen Wechsel in der Atompolitik. Zeitnah gingen acht Kernkraftwerke vom Netz. Die Laufzeit der übrigen neun Kraftwerke wurde zeitlich gestaffelt, wobei die letzten 2022 abgeschaltet werden sollen.

Belgien: Bereits 2003 beschloss das Land, bis 2025 aus der Atomkraft auszusteigen. Unterdessen wurden die Laufzeiten für zwei ältere Reaktoren um zehn Jahre verlängert. Am Ausstieg bis 2025 soll aber festgehalten werden.

Ausstieg ohne fixes Datum

Schweden: Bei einem Referendum1980 hatte eine Mehrheit der Bevölkerung für einen Ausstieg gestimmt. Das letzte AKW sollte demnach 2010 vom Netz gehen. Doch bisher wurde nur eines von vier AKW stillgelegt. 2009 beschloss die Regierung, dass neue Reaktoren als Ersatz für stillgelegte Kraftwerke gebaut werden dürfen. Fünf Jahre später allerdings wurde die Gebühr für die Endlagerung von Atommüll drastisch erhöht, so dass Neubauten vor diesem Hintergrund unrentabel wären.

Ausstiegswillig

Schweiz: Der Bundesrat kündigte im Mai 2011 an, langfristig aus der Atomenergie aussteigen zu wollen. Der erste Reaktor soll 2019 vom Netz gehen (Kernkraftwerk Mühleberg). Beznau I soll 2029 folgen, Beznau II im Jahr 2031. Wann genau die restlichen AKW vom Netz gehen sollen, bleibt aber offen, da ihre Laufzeit bisher nicht eingeschränkt wurde.

Ausstiegsunwillig

Frankreich: Ein Ausstieg stand im Nachbarland nie zur Debatte. Allerdings wurde 2015 ein Gesetz zur Energiewende beschlossen. Demnach soll bis 2025 der Anteil des Atomstroms von 75 Prozent auf 50 Prozent abgesenkt und mehr als 20 von insgesamt 58 Atomkraftwerken abgeschaltet werden. Für 2016 wurde die Stilllegung von Fessenheim im Elsass angekündigt. Allerdings gab es um den Termin zahlreiche wiedersprüchliche Signale aus der Politik.

Grossbritannien: London setzt weiter auf Kernenergie. 16 AKW sind derzeit am Netz. Neue sollen gebaut werden. Über acht mögliche Standorte wird diskutiert.

USA: In den Vereinigten Staaten sind momentan 60 Kernkraftwerke am Netz. Die Kernenergie hat einen Anteil von 19 Prozent. Vor allem in südlichen Bundesstaaten werden derzeit neue Atommeiler gebaut. Bei älteren Kraftwerken wird über Laufzeit-Verlängerungen diskutiert.

Russland: Hier stehen derzeit insgesamt 34 Kernreaktoren in Betrieb. Acht weitere Meiler befinden sich im Bau. Ein Ausstieg steht nicht zur Debatte.

China: Das Land hat gegenwärtig 30 Atommeiler im Einsatz. Weitere 21 befinden sich im Bau. Nach dem neuen Fünf-Jahres-Plan sollen bis 2030 rund 110 Atomkraftwerke im Betrieb sein. Grund für den Ausbau sind vor allem die ehrgeizigen Klimaziele.

Indien: 21 Atomreaktoren gibt es derzeit in Indien. Sechs weitere befinden sich im Bau, 22 weitere in Planung. Derzeit werden nur drei Prozent des Bedarfs aus Atomstrom gedeckt. Bis 2050 soll es ein Viertel sein.

Japan: 2012 wurde ein Ausstieg für 2030 bis 2040 verkündet. 2014 machte die Regierung Abe den vollständigen Kernenergieausstieg allerdings wieder rückgängig.

4 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Der Atomausstieg ist richtig und wichtig - der Mensch hätte die Atomenergie gar nie anfassen dürfen. Der Rückbau geschieht wahrscheinlich auf Kosten der Steuerzahler, denn die Rückstellungen dafür sind viel zu klein. Zum Glück hat die Schweiz "nur" 4 Atomreaktoren - die weltweite Verwendung von Atomkraftwerken ist ein Grund zur Sorge für den Planeten, s. Tschernoby, Fukushima oder andere "Störfälle".
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  • Kommentar von B. Häfeli (xxx)
    Die Tragik um Fukushima ist gross - die Tragik, dass die Menschheit daraus aber nichts gelernt hat, ist aber viel grösser!
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  • Kommentar von Marco Pfister (mp)
    Bitte geht nochmals über die Bücher, SRF. Die Schweiz gehört unter "Ausstieg ohne fixes Datum", denn National- und Ständerat haben das Neubauverbot nicht gestrichen. Bei Mühleberg ist's nicht "soll" - das Datum ist auf den 20. Dez. 2019 fixiert worden. Das Ende von Beznau 1 und 2 und auch von Gösgen und Leibstadt steht nach der letzten Parlamentsdebatte jedoch wieder in den Sternen, 2029 und 2031 steht nirgends mehr. Deswegen braucht es jetzt ein Ja zur Initiative für den geordneten Ausstieg.
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