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International Aufrufe zur Mässigung an Saudi-Arabien und Iran

Ob in den USA, in China, Russland, Frankreich und Deutschland: Die Eskalation zwischen dem Iran und Saudi-Arabien nimmt man weltweit mit Besorgnis zur Kenntnis. Und ruft zur Mässigung auf.

Schiitische Iraker verbrennen eine Puppe, die den saudischen König darstellen soll.
Legende: Grenzenlose Wut: Schiitische Iraker verbrennen eine Puppe, die den saudischen König darstellen soll. Keystone

Die Eskalation der Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien ruft die Weltmächte auf den Plan. Und aus allen Aussenministerien von Washington über Berlin, Paris, Moskau bis nach Peking kommt die gleiche Forderung: Die Krise sei umgehend mit diplomatischen Mitteln beizulegen.

In Moskau erklärte zudem ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter des Aussenministeriums der Agentur RIA, sein Land stehe als Vermittler zur Verfügung. Moskau unterhält enge Beziehungen zum Iran und hat sowohl bei dessen Einbeziehung in die Suche nach einer Lösung des Syrien-Konflikts wie auch beim Kompromiss um das iranische Atomprogramm eine entscheidende Rolle gespielt.

Teheran unterstützt im Gegensatz zu Riad in Syrien Machthaber Baschar al-Assad und im Jemen die schiitischen Huthi-Rebellen, die von einer von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition bekämpft werden.

Seltene Wortmeldung aus China

Auch das in der Nahost-Region gewöhnlich zurückhaltende China zeigte sich alarmiert: Man sei hochgradig besorgt, dass der Konflikt sich ausweiten könnte, erklärte das Aussenministerium in Peking. China zählt zu den grössten Ölimporteuren. Zuvor hatten schon die USA die Regierungen in der gesamten Region aufgerufen, ihren Einfluss geltend zu machen, um die Lage zu beruhigen.

Am Sonntag kommt zudem die Arabische Liga in Kairo zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Riad habe das Treffen beantragt, um über die Angriffe auf die saudi-arabische Botschaft und das Konsulat im Iran zu sprechen, teilte Liga-Vizegeneralsekretär Ahmed Ben Helli mit. Überdies solle «die iranische Einmischung in arabische Angelegenheiten verurteilt werden».

Auch die Schweiz warnte vor einer Anheizung der konfessionellen Spannungen in der Region und brachte nach der Serie von Exekutionen in Saudi-Arabien ihre Ablehnung der Todesstrafe zum Ausdruck. Dazu berief das Aussendepartement in Bern auch den saudi-arabischen Geschäftsträger ein.

Ein jahrzehntealter Konflikt

Die seit langem schwelenden Spannungen zwischen dem sunnitischen saudischen Königshaus und der klerikal ausgerichteten schiitischen Führung im Iran haben sich durch die Hinrichtung des prominenten schiitischen Geistlichen und entschiedenen Regimegegners Nimr al-Nimr und 46 weiteren Menschen in Saudi-Arabien verschärft.

Die Beziehungen zwischen Riad und Teheran sind seit der islamischen Revolution im Iran 1979 angespannt. Das sunnitische Saudi-Arabien wirft dem schiitischen, persischen Iran immer wieder eine Einmischung in arabische Angelegenheiten vor.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    In KSA hat man erst kürzlich 100 neue Henker eingestellt und ausgebildet. Die schaffen es in Rekordtempo 47 Todesurteile öffentlich durch Hängen und Köpfen zu vollstrecken. In Texas brauchen dagegen die Justizbehörden im Schnitt 10,5 Jahre bis zur Vollstreckung jedes einzelnen Todesurteils, weil erst danach alle Rechtsmittel ausgeschöpft sind. Sowas nennt man dort lediglich "Orientalische Produktivität". Nur in China geht es offenbar noch schneller.
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Es ist unglaublich, wie Saudi-Arabien, als Unrechtsstaat mit Unrechtsgesetzen, in der westlichen Wahrnehmung immer noch als "der Gute" dargestellt wird. Die Wahrhrit wird einfach umgedreht. Ich bin Ulrich Tilgner, als vielbeachteter Nahost-Journalist, sehr dankbar, dass er das auch so sieht (Interview aus SRF 4 News aktuell vom 04.01.2016).
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Auch die Schweiz warnte vor einer Anheizung der konfessionellen Spannungen in der Region und brachte nach der Serie von Exekutionen in Saudi-Arabien ihre Ablehnung der Todesstrafe zum Ausdruck. Dazu berief das Aussendepartement in Bern auch den saudi-arabischen Geschäftsträger ein." Mehr kann die kleine Schweiz wohl auch nicht tun.
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    1. Antwort von Lucas Frank (Lucas)
      Mehr kann auch China, die USA, und die EU nicht tun. Wirtschaftliche beziehungen in der Globalisierten Welt haben nichts mehr nur mit Politik zu tun, wir brauchen Saudisches Öl in Europa, China braucht es auch, nur Kanada und die USA können sich selbst versorgen.Auch die Schweizer Waffenlieferung an die Saudis hat jetzt überhaupt nichts damit zu tun, und um irgendwie einfluss auf die Islamische Welt zu haben, braucht man gute beziehungen zu den Saudis, genau wie zum Irak, Iran ist was anderes.
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    2. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      @L.Frank. Da vermischen Sie ein bisschen viel. 1.Die Schweiz liefert sei Mai 2015 keine Waffen mehr nach Saudi-Arabien. 2.Die USA sind weltgrösster Ölimporteur (allein die Militärs verbrauchen Öl in Milliardenhöhe). 3.Die Wirtschaft, insbesondere der "militärisch-industrielle Komplex" und die grossen Banken (GS, JP, Wells Fargo uvm.) haben sehr grossen Einfluss auf die Politik. Der Lobbyismus wirkt auf Politiker und Ex-Politiker wie die Bush-Familie, Mc Cain, Nuland, Albright, Rubio oder Graham.
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    3. Antwort von Lucas Frank (Lucas)
      Wir können es ja machen wie die Saudis selbst, alle Wirtschaftlichen und Politischen beziehungen aufgeben, Lächerlich. Wählen sie doch die Grünen....
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    4. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Ihren Worten entnehme ich, dass die Politik keinerlei Ethik zu brücksichtigen hat, L.Frank. Die Schweiz und auch Europa sollten zuerst einmal die schädlichen Sanktionen gegen Russland und den Iran aufheben - und dann sich von der "Transatlantiktreue" zu weltoffenen Staaten entwickeln - weltoffen nach ALLEN SEITEN, auch nach Russland... Ich meine selbstverständlich wirtschaftliche Beziehungen, keine politischen.
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