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International Boston jubelt: Zweiter Terrorverdächtiger gefasst

Nach einer dramatischen Grossfahndung hat die Polizei den flüchtigen mutmasslichen Bombenattentäter von Boston festgenommen. Zuvor gingen Sicherheitskräfte bereits davon aus, den 19jährigen eingekesselt zu haben.

Der 19jährige Dschochar Zarnajew ist am Freitagabend (Ortszeit) auf einem Boot im Bostoner Vorort Watertown aufgefunden worden.

Die Bostoner Polizei twitterte um 20.58 Uhr Ortszeit (2.58 Uhr MESZ): «GEFASST!!! Die Jagd ist vorbei. Die Suche ist abgeschlossen. Der Terror ist vorbei. Und die Gerechtigkeit hat gesiegt. Verdächtiger in Haft.»

Tatverdächtiger schwer verletzt

Der verletzte mutmassliche zweite Bombenleger von Boston befinde sich in einem «ernsten Zustand», so die Polizei weiter. Zarnajew war nach seiner Festnahme ins Spital gebracht worden.

Bild des verdächtigen Flüchtigen
Legende: Der zweite Verdächtige: Inzwischen kennt jedes Kind in Boston das Bild des 19jährigen Mannes. Reuters

Wie weiter mitgeteilt wurde, ist seine Festnahme einem Hausbesitzer zu verdanken. Der hatte nach der Aufhebung einer Ausgangssperre an seinem Boot, das auf dem Grundstück abgestellt war, Blutspuren auf der Abdeck-Plane entdeckt. Als er diese angehoben habe, entdeckte er darunter einen blutbedeckten Körper, hiess es. Er habe dann den Polizeinotruf gewählt.

Heli-Einsatz

Die Behörden hätten zunächst einen Helikopter mit einer Vorrichtung zum Aufspüren von Hitzeausstrahlung eingesetzt und dadurch festgestellt, dass es sich bei der Person im Boot um einen lebendigen Menschen handele. Danach seien dann Spezialeinsatzkräfte an den Ort geschickt worden. Sie hätten versucht, den Verdächtigen anzusprechen, der habe aber nicht reagiert.

Wie Zarnajew dann in Gewahrsam genommen wurde, blieb zunächst unklar. Laut Medienberichten gingen Vermutungen aber dahin, dass er nicht im Zuge seiner Festnahme, sondern bereits in der Nacht zum Freitag während eines Schusswechsels mit der Polizei verletzt wurde. Dabei war sein mutmasslicher Komplize und älterer Bruder Tamerlan getötet worden.

«Wir sind erschöpft, aber dankbar»

Nach der Festnahme hat sich die Polizei überaus erleichtert über den Ausgang der Terroristenjagd geäussert. «Leute, wir sind erschöpft, aber wir haben heute Nacht einen Sieg zu vermelden», sagte Timothy Alben von der Staatspolizei in Massachusetts. «Wir sind so dankbar, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird. Wir sind auf ewig dankbar für den Ausgang.»

Auch der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, zeigte sich erleichtert darüber, dass die Bürger von Boston jetzt wieder ruhig schlafen könnten. Patrick dankte den an der Fahndung beteiligten Behörden für ihren Grosseinsatz – auch im Namen der Terroropfer.

Obama
Legende: US-Präsident Obama: Den Familien der Opfer sind wir eine lückenlose Aufklärung des Falles schuldig. Keystone

Jubel in Watertown

Nach der Festnahme war auf den Strassen des Ortes, der stundenlang durch die Fahndungsaktionen in Atem gehalten worden war, Jubel ausgebrochen. US-Fernsehsender zeigten Bürger, die ins Freie strömten und applaudierten. Während der Suche nach dem Terrorverdächtigen hatte die Polizei tagsüber eine Ausgangssperre für den Grossraum Boston verhängt.

Zuvor war nach übereinstimmenden US-Fernsehberichten im Bostoner Vorort Watertown eine Serie von Schüssen gefallen. Auf dieses Gebiet hatte sich die Suche nach dem Flüchtigen konzentriert. Die Schüsse waren den Berichten zufolge kurz nach einer Pressekonferenz zu hören, auf der die Polizei mitgeteilt hatte, dass Zarnajew bisher nicht gefasst sei.

Obama lobt und warnt

Nach der Festnahme hat US-Präsident Barack Obama die Tapferkeit und Professionalität der Sicherheitsbehörden gelobt. «Sie haben so gearbeitet, wie sie sollten, als ein Team», sagte der Präsident im Weissen Haus in Washington. Der Fahndungserfolg schliesse «nach fünf langen Tagen» ein wichtiges Kapitel dieses schlimmen Ereignisses.

Obama kündigte eine lückenlose Aufklärung des Falles an. Es gebe viele ungeklärte Fragen. «Warum haben junge Männer, die hier aufgewachsen sind und studiert haben, zu so starker Gewalt gegriffen», fragte er. Die Familien der Opfer verdienten Antworten. Er habe die Bundespolizei und das Heimatschutzministerium angewiesen, alle notwendigen Ressourcen für die Aufklärung einzusetzen. Dabei solle auch herausgefunden werden, welche möglichen Verbindungen «diese Terroristen» gehabt haben könnten.

Verletzte Opfer werden überleben

Obama betonte, dass die Amerikaner nun nicht eine gesamte Gruppe von Menschen verurteilten sollten: «Wir sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen».

Von den Verletzten des Anschlags befand sich am Freitag niemand mehr im kritischen Zustand. Aus den Spitälern der Stadt verlautete, von den Schwerverletzten würden wohl alle überleben. Die Genesung könne aber Jahre dauern.

Obama und Putin vereinbaren Zusammenarbeit

Auf der Suche nach Motiven für den Bombenanschlag in Boston wollen Russland und die USA eng zusammenarbeiten. Laut SRF-Korrespondentin Karin Bauer hat man das bereits 2011 schon einmal getan. Allerdings seien damals die Ermittlungen gegen den älteren der beiden Brüder im Sande verlaufen.

Die neuerliche Zusammenarbeit hat bisher jedoch noch keine Früchte getragen. Bislang habe Moskau noch keine wertvollen Hinweise liefern können, meldete die Agentur Interfax. «Da die Zarnajew-Brüder nicht in Russland lebten, konnten unsere Sicherheitsdienste ihren ausländischen Partnern noch keine aussagekräftigen Informationen übergeben», zitiert die Agentur eine anonyme Quelle.

Kremlchef Wladimir Putin und US-Präsident Barack Obama hatten zuvor in einem Telefonat betont, dass die Geheimdienste beider Länder sich im Kampf gegen den internationalen Terrorismus enger abstimmen wollten.

Wer sind die Verdächtigen?

Wer sind die Verdächtigen?

Die Namen der mutmasslichen Bombenleger von Boston sind bekannt. Nun gibt es unterschiedliche Angaben über die Herkunft und den Lebenslauf der beiden Brüder. Gemäss einem Onkel sind die Brüder Tschetschenen und muslimischen Glaubens. Mehr.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von peter beutler, leissigen/ beatenberg
    Die Untersuchung muss noch abgewartet werden, bevor man auf muslimischen Einwanderern herumhackt. Auch einheimische christliche Fundis haben Attentate verübt: Denken wir an das Massaker von Breivik in Norwegen. Ihm fielen 77 JUSOS /SPler zum Opfer, mehr als hundert wurden z.T. schwer verletzt. 168 Menschenleben kostete das Massaker von Oklahoma City (1996). Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Religiöse Fundis, ob christlich, moslemisch oder mosaisch gleichen sich wie ein Ei dem andern.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Typische polemische Worte aus der linken Szene. Es hat sich bei euch offensichtlich immer noch nicht herumgesprochen, dass das Gedankengut der Nationalsozialisten mit dem Christentum NICHTS zu tun hat. Damals wurden die bibelgläubigen Christen genauso verfolgt und massakriert wie die Juden. Weder McVeigh noch Breivik waren und sind christliche Fundis. - Was Boston betrifft, wiederhole ich hier, dass ich gleich mit Tschetscheniwood gerechnet habe, weil gerade diese so "arbeiten".
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  • Kommentar von Walter Kathriner, Sarnen
    Zitat: «Der Westen hat die al-Kaida in Afghanistan in ihrer Anfangsphase unterstützt und später einen hohen Preis dafür bezahlt. Heute unterstützt er die al-Kaida in Syrien, Libyen und Teschenien. Dafür wird er später den Preis im Herzen Europas und im Herzen der USA zahlen.»........ wie wahr, wie lange geht das noch bis wir im Volk und den Medien, die rechten Faschisten und linken Heilsbringer NGOs durchschauen und dort Einhalt gebieten.
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  • Kommentar von Alex Bauert, Köniz
    @Binggeli, Hermann, etc: Hat nix mit Islam zu tun. In den USA sterben pro Jahr über 10'000 Menschen mit Feuerwaffen. Die kriegen das auch als «Christen» hin. An der Grenze Mexiko-USA sterben auch viele Menschen - soll das christlich sein? Wir kaufen Kleider bei H&M aus Bangladesch und die Arbeiterinnen dort sind hungrig, weil sie wörtlich Hungerlöhne erhalten? Es sterben mehr Kinder an Armutsfolgen in der Welt als je von Moslems Menschen getötet wurden.
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    1. Antwort von Beppie Hermann, Bern
      Sie vergleichen den Samichlaus mit Osterhasen! Wenn Sie mit erklären, wie viele Tote wir hierzulande jährlich im Strassenverkehr zu beklagen haben, wäre es doch völlig daneben, Ihnen die Statistik der Krebstoten zum Vergleich unter die Nase zu halten. Dann müssten wir darüber reden, wie man den Strassenverkehr sicherer gestalten könnte. Abgesehen davon ist es müssig, mit Blinden über ein Thema zu diskutieren, welches sie gar nicht wahrnehmen.
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