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International Brasiliens Männerriege verspricht Jobs

Nach dem Auszug der suspendierten Staatspräsidentin Rousseff hat Brasiliens Interimspräsident Temer das Kommando im Regierungspalast übernommen. In einer ersten Rede appellierte er an die Einheit des Landes und versprach die Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Sein Kabinett ist eine reine Männerriege.

Legende: Video Michel Temer braucht schnelle Erfolge abspielen. Laufzeit 1:21 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 13.05.2016.

In seiner ersten Rede im Präsidentenpalast hat Übergangspräsident Michel Temer versprochen, dem grössten Land Lateinamerikas wieder «Glaubwürdigkeit» zu verschaffen.

Temer bei einer Rede
Legende: Privatisierungen und das in Schieflage geratene Staatsbudget stehen im Fokus von Temer. Keystone

«Frieden wiederherstellen»

Genauso dringend sei es, «den Frieden wiederherzustellen und Brasilien zu vereinen». Dialog sei der «erste Schritt», um die Herausforderungen zu meistern, um das Land voranzubringen und wieder für Wirtschaftswachstum zu sorgen.

Temer bekräftigte, dass Programme wie die Familiensozialhilfe und der soziale Wohnungsbau fortgeführt würden. Die grösste Herausforderung sei die Wiederbelebung der Wirtschaft, das Bekämpfen der Rezession. «Wir wollen die Arbeitslosenzahl reduzieren», versprach Temer. Im fünftgrössten Land der Welt sind derzeit rund elf Millionen ohne Job.

Bedingungen für Privatsektor verbessern

Zu seiner Agenda zählen die Sanierung des Staatshaushalts, eine Rentenreform und eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes. Wie der 75-Jährige in seiner Rede weiter sagte, will er unter anderem die Bedingungen vor den Privatsektor «deutlich verbessern» und das Staatsbudget «neu ausrichten».

Temers Partei PMDB war seit 2003 Partner von Rousseffs Arbeiterpartei. Durch den Bruch der Koalition und die Unterstützung des Amtsenthebungsverfahren gegen Rousseff wurde der Wechsel möglich. In Reihen der PMDB stehen führende Politiker unter Korruptionsverdacht.

Es ist wichtig, dass wir die Nation beruhigen und Brasilien vereinigen
Autor: Michel TemerBrasiliens Übergangspräsident

Die Bevölkerung müsse Zuversicht haben, dass das grösste Land Lateinamerikas die schwere Krise überwinden kann, die durch die Rezession, die politische Instabilität und die Korruptionsskandale gekennzeichnet sei, sagte er weiter. «Es ist wichtig, dass wir die Nation beruhigen und Brasilien vereinigen.»

Er forderte seine 24 Minister auf, eine wirtschaftsfreundliche Politik zu machen und gleichzeitig die sozialen Sicherungssysteme beizubehalten. Die Ministerien werden nur von Männern geführt, dem Kabinett gehört keine Frau an.

Kostspieliges Pensionssystem

Zum Finanzminister ernannte er den ehemaligen Notenbank-Chef Henrique Meirelles. Er hat nun den Auftrag, das kostspielige Pensionssystem des Landes zu reformieren. Temer selbst hatte früher angekündigt, die auf 31 Ministerien aufgeblähte Regierung zu verkleinern, im Sozialetat zu sparen, Staatsfirmen zu privatisieren und so das Budget des Landes wieder ins Lot zu bringen und die Rezession zu überwinden.

Der brasilianische Senat hatte am Donnerstag wegen Korruptionsvorwürfen den Weg für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Rousseff freigemacht und die 68-Jährige für 180 Tage suspendiert. In dem Zeitraum soll ein Prozess im Senat klären, ob Rousseff Budgetregeln verletzt hat, um ihre Wiederwahl 2014 zu sichern. Rousseff sprach von einem Putsch und kündigte rechtliche Schritte an.

Petrobras tief im Minus

Der vom Korruptionsskandal erschütterte staatliche brasilianische Ölkonzern Petrobras hat zu Jahresbeginn ein Verlust von 1,25 Mrd. Real (ca. 350 Mio. Fr.) eingefahren. Vor Jahresfrist wurde noch ein Gewinn von 5,33 Mrd. Real gemeldet. Der Umsatz sank um 5,4 Prozent auf 70,3 Milliarden Real. Die Firma ist der weltweit höchst-verschuldete Ölkonzern.

13 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Der brasilianische Interimspräsident Michel Temer hat als Informant für die US-Regierung die innenpolitische Lage in Brasilien sondiert. Wikileaks veröffentlichte vertrauliche Depeschen über die Tätigkeit Temers. Erst kürzlich hatten sich seine Leute mit US-Senatoren getroffen, um über eine Kooperation im Erdöl-Sektor, wogegen sich Rousseff gewehrt hatte, zu beraten - ein Treffen, das im Lichte der Wikileaks-Enthüllungen durchaus als konspirativ bezeichnet werden kann.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Brasilien hat einen langen Weg vor sich. Wenn BR auf imperiale Systeme aus dem Norden setzt, wird es sein Human-Potential noch weniger nützen können. Das Macho-Land BR dürfte in eine Sackgasse geraten und sich in eine ungesunde Abhängigkeit begeben. Und bei finanzstarken Investoren knallen die Korken. Das ist wie Weihnachten & Ostern zusammen. Die Eliten im Land werden reicher und sich noch mehr vor den Ärmsten schützen. Eine rosige Zukunft für Privatarmeen und Schutzdienste.
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  • Kommentar von D. Schmidel (D. Schmidel)
    Ich finde auch, die Brasilianerinnen gehören auf die Copacabana. Sie sind die schönsten Frauen der Welt. Nur die Verschwörer passen da irgendwie nicht dazu. Ich hoffe dieses phantastische Land findet sich wieder, mit oder ohne Capoeira.
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