«Die Menschen sind nervlich am Ende»

Die Waffenruhe im Gazastreifen erlaubt es den Bewohnern, ihre Familienangehörigen zu besuchen. Sie nutzen die Zeit, um sich das Nötigste zu besorgen, es kehrt Leben in die Strassen zurück. Die Menschen sehnten sich nach einem normalen Alltag, erzählt ein Politologe aus Gaza-Stadt.

Drei Kinder sitzen auf einem vollbepackten Wagen.

Bildlegende: Waffenruhe: Die Menschen nutzen die Zeit, um zu ihren Häusern zurückzukehren. Reuters

SRF: Wie präsentiert sich die Lage im Gazastreifen heute?

Usama Antar, Gaza-Stadt: Die Lage ist viel ruhiger. Es gibt im Moment keine Bombardierungen mehr in unserer Nähe. Bereits in der Nacht schlugen weniger Bomben ein als während der Nächte zuvor. Zwar hat die israelische Armee einige Ziele bombardiert und es fielen auch Raketen von palästinensischer Seite auf Gebiete im Süden Israels. Doch die Vorbereitung für die Waffenruhe war bereits spürbar.

Was werden die Menschen im Gazastreifen heute tun?

Heute ist ein sehr wichtiger Tag für die Palästinenser im Gazastreifen. Es ist ein Tag der Gefühle: Die Menschen trauern gemeinsam, leisten sich gegenseitig Beistand, besuchen Verletzte im Spital oder zu Hause und treffen Verwandte. Auch werden sie ihre Häuser besichtigen. Wir hoffen, dass es nun zu einer endgültigen Waffenruhe kommt.

Bereits gestern schwiegen die Waffen für ein paar Stunden.

Ja genau. Auch da gingen die Menschen auf die Strasse. Sie halten es nicht mehr aus in den Häusern. Zudem müssen sie viele Dinge besorgen. Heute sehe ich nun von meiner Terrasse aus, dass viel mehr Autos und Passanten unterwegs sind.

Wie würden Sie die Stimmung der Menschen beschreiben?

Sie sind sehr müde. Sie sind nervlich am Ende. Es gibt keinen Strom und die Wasserleitungen funktionieren nur schlecht. Nun wollen wir wieder zu unserem normalen Alltagsleben zurückkehren.

Das Gespräch führte Andrea Christen.

Zur Person

Usama Antar ist palästinensischer Politologe. Er lebt und arbeitet im Gazastreifen.