Zum Inhalt springen

International EU erwägt Asylzentren in Afrika

Die EU möchte, dass auf afrikanischem Boden Asylzentren errichtet werden. Das steht in einem Dokument, das SRF News vorliegt. Das Thema soll am Gipfeltreffen zur Flüchltingskrise in zwei Wochen zwischen der EU und afrikanischen Ländern in Malta besprochen werden.

Symbolbild: 15 Afrikaner auf einem offenbar langsam sinkenden Gummiboot auf dem Meer.
Legende: Durch Asylzentren in Afrika sollen weniger Flüchtlinge die gefährliche Reise übers Mittelmeer in Angriff nehmen. Keystone

Die Idee von europäischen Asylzentren auf afrikanischem Bodem ist brisant. In einem Dokument, das SRF News vorliegt, wird festgehalten, dies sei wohl der kontroverseste Punkt, der aktuell mit den afrikanischen Ländern verhandelt werde. Absender des Papiers ist das Büro von EU-Ratspräsident Donald Tusk. Es fasst den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen der EU und den afrikanischen Ländern zusammen.

Viele Fragen bleiben offen

Zwar gibt es in einzelnen Ländern wie etwa Mali so genannte Migrationsbüros der Europäischen Union. Da geht es allerdings vor allem darum, die Migranten über die Gefahren einer Migration zu informieren. Auch werden sie dort darüber aufgeklärt, dass sie als Wirtschaftsflüchtlinge keine Chance auf Asyl in Europa haben.

Erstmals spricht die EU nun aber von eigenen Lagern für Asylsuchende in afrikanischen Ländern. Was die genaue Aufgabe dieser Lager wäre und wer genau diese betreiben würde, bleibt allerdings unklar. Das Tusk-Dokument hält dazu lediglich fest, dass die Asylsuchenden vorselektioniert werden sollen: Diejenigen mit einer Chance auf Asyl könnten legal und sicher in die EU einreisen, während die EU diejenigen ohne Chancen auf Asyl bei ihrer Rückkehr in ihre Herkunftsländer unterstützen würde.

Endstation der Flucht?

An solchen Lager gibt es seitens der afrikanischen Länder und des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR allerdings Kritik. Auch das steht explizit in dem Dokument. Die Kritiker monieren, dass die EU so die eigene Verantwortung gegenüber Asylsuchenden einfach auslagere. Auch befürchten sie, dass diese Lager zu peramenenten Einrichtungen werden könnten, was für viele afrikanische Länder eine enorme Belastung wäre. In den noch anstehenden Verhandlungsrunden werden die Europäer auf diese Bedenken Antworten liefern müssen.

Falls solche Lager tatsächlich eingerichtet werden und Flüchtlinge dank ihnen tatsächlich sicher nach Europa gelangen könnten, wäre das ein enormer Gewinn. Doch wird man ganz genau hinschauen müssen, mit welchen Regierungen die EU zusammenarbeiten müsste und ob tatsächlich alle Flüchtlinge eine Perspektive auf ein faires Asylverfahren hätten. Denn die Lager könnten für viele Flüchtlinge auch einfach zur Endstation ihrer Flucht und diesen so das Recht auf einen Asylantrag geraubt werden.

Das sagt das UNHCR zu den Plänen der EU:

Beat Schuler vom UNHCR in Rom bestätigt die Pläne der EU: «Die Pläne sind recht weit vorangeschritten, es sind zwei Arbeitsgruppen an der Arbeit. Sie beschäftigen sich mit dem Schutz von Flüchtlingen in Afrika, und in diesem Zusammenhang wird von Asylzentren gesprochen. Die EU denkt daran, dort möglicherweise Asylgesuche entgegenzunehmen und auch dort über sie zu entscheiden. Wer als Flüchtling akzeptiert würde, könnte anschliessend sicher nach Europa reisen und müsste nicht mit einem Schmuggler übers Mittelmeer kommen. Allerdings will unseres Wissens derzeit kein einziger afrikanischer Staat ein solches Zentrum. Auch das UNHCR ist nicht überzeugt, dass solche Zentren dazu beitragen könnten, dass keine Flüchtlinge mehr nach Europa kommen.»

25 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Bendicht Häberli (bendicht.haeberli)
    Interessant: Die SVP verlangt dies bereits seit 2 Jahren. Zusammen könnte die Weltgemeinschaft x-Millarden einsetzen um diesen Menschen vor ORT zu helfen und eine neue Existenz aufzubauen. Sie wären in ihrem Kulturkreis und könnten unter demokratischen Führungen beim Aufbau von neuen Staaten mit anpacken.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Sandro Baumgartner (Sandro Baumgartner)
      @Häberli, in ihrem Kulturkreis?? Na klar die "Asylbewerber" haben ja alle die gleiche Kultur/Sprache/Religion....(Ironie Off)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Das fordern Kritiker doch schon von Anfang an, man stellte sie in braune Ecke. Es ist dies die einzige Möglichkeit, dem Elend ein Ende zu setzen, so wie das Australien tat. All diese Wohltäter tragen Mitschuld an Tod+Leid 10'000er. Dennoch, entlang der Aussengrenzen muss viel stärker kontrolliert, sollen auch gut eingerichtete, geschlossene Empfangszentren errichtet werden, wo nach effizienten Verfahren Wirtschaftsflüchtlinge nicht verteilt, sondern sofort heimgeflogen/-geschifft werden müssen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von R. Glättli (R. Maier-G.)
    Schliesst alle Waffenfabriken auf dieser Welt und ihr braucht keine Asylzentren mehr!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      Das, Herr R.Glättli, wäre zu schön um wahr zu sein, es verblieben Knüppel und Küchenmesser! Es wären überdies alle Staaten mit kleiner Bevölkerungszahl schutzlos jeder nachbarschaftlichen Begehrlichkeit ausgeliefert. Zudem ist Armut, bzw. Überbevölkerung und eine Jugend mit geringer Chance auf sozialen Aufstieg der Grund für Auswanderungssehnsüchte. Hauptauslöser für die derzeitige Völkerwanderung ist eine übersatte westliche Gesellschaft ohne Wehrwillen, bzw. ihr honigsüsses Sozialsystem .
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Glättli : Das ist wahrlich zu kurz gegriffen und völliger Unsinn. Es ist die heutige Wirtschafts-Ordnung, die einer Rund-um-Erneuerung bedarf. Das Gefälle zwischen Arm & Reich wird allmählich zu einem Problem der Wirtschaftsführenden. Was in den letzten "500 Jahren Globalisierung" (in div. Varianten) funktionierte wird so nicht mehr weitergehen können. Oder es gibt mehr Kriege und da benötigen wir auch Waffen zu unserem Schutz.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen