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International Flüchtlinge: Europa vermisst die USA

Warum übernehmen die USA wenig Verantwortung, obwohl sie mit dem Irak-Krieg mitgeholfen haben, die Region zu destabilisieren? Was denken die USA über die Flüchtlingspolitik Europas? SRF-Korrespondent Thomas von Grünigen in New York gibt Antworten.

Der Kopf der Freiheitsstatue.
Legende: «Man macht sich in den USA Sorgen, dass sich die europäische Bevölkerung mittelfristig radikalisieren könnte.» Keystone

Was haben die USA bisher für die syrischen Flüchtlinge getan?

In den letzten 12 Monaten haben die USA lediglich etwa 1500 Flüchtlingen aus Syrien die Einreise erlaubt. Nun hat Präsident Obama jedoch angeordnet, im neuen Haushaltsjahr weitere 10‘000 von ihnen aufzunehmen. Zudem haben die USA bisher rund 4 Milliarden Dollar für humanitäre Hilfe ausgegeben. Gut möglich, dass die USA an der UNO-Generalversammlung Ende September weitere Vorschläge präsentieren wird.

Warum übernehmen die USA wenig Verantwortung, obwohl die USA mit dem Irak-Krieg die Region destabilisiert haben?

Die amerikanische Mitverantwortung an der Flüchtlingskrise ist in der breiten Öffentlichkeit nur bedingt ein Thema. Doch mittlerweile reagieren auch hierzulande viele Menschen betroffen auf die schockierenden Bilder, und der politische Druck aus Europa zeigt Wirkung. Allerdings herrscht eine gewisse Angst, dass mit den Flüchtlingen auch potenzielle Terroristen ins Land gelangen könnten. Zudem werfen hier viele Politiker die Frage auf, weshalb wohlhabende arabische Staaten kaum etwas zur Entspannung der Flüchtlingskrise beitragen.

Die USA gelten als Einwanderungsland. Und vor einem Jahr drängten Tausende minderjährige Flüchtlinge aus Lateinamerika in die USA. Welche Flüchtlingspolitik haben die USA derzeit?

Die US-Behörden bestimmen jedes Jahr neu, wie viele Flüchtlinge aus aller Welt sie aufnehmen wollen. Zurzeit sind es 70‘000 pro Jahr, doch diese Zahl wird nun als Folge der Syrienkrise angehoben. Die Flüchtlingsdebatte ist zurzeit das dominierende Thema im republikanischen Vorwahlkampf. Dabei geht es jedoch weniger um Kriegsflüchtlinge aus Syrien denn um die Zuwanderung aus Lateinamerika. Republikanische Präsidentschafts-Kandidaten fordern ein härteres Vorgehen bis hin zur Ausweisung von Millionen papierloser Ausländer.

Wie ist der Blick der Amerikaner auf Europa?

Die US-Regierung hat die deutsche Flüchtlingspolitik ausdrücklich gelobt. Die Bilder von Bürgern, welche die Flüchtlinge mit Herzlichkeit empfangen, haben auch hier die Runde gemacht. Zugleich macht man sich aber auch in den USA Sorgen, dass die Krise mittelfristig zu einer Radikalisierung der europäischen Bevölkerung führen und das politische Gefüge der EU in Frage stellen könnte.

Haben die USA einen Plan für Syrien?

Die USA finden in Syrien zu keiner klaren Linie, weil weder das Assad-Regime noch die islamistischen Rebellen vertrauenswürdige Partner sein können. Das verstärkte Engagement der Russen auf Seiten Assads macht die Situation jetzt noch komplizierter. Die Republikaner werfen dem Präsidenten seit langem ein zu zurückhaltendes Vorgehen in der Region vor. Auch sie haben jedoch Mühe, eine erfolgversprechende Strategie zu präsentieren.

Die Fragen stellte Christa Gall in schriftlicher Form.

Thomas von Grünigen

Thomas von Grünigen

Thomas von Grünigen ist seit Januar 2015 SRF-Korrespondent in New York. Er hat an den Universitäten Bern und Freiburg sowie an der American University in Washington DC Medien- und Kommunikationswissenschaft, Journalistik und Anglistik studiert und in Freiburg mit einem Master of Arts erfolgreich abgeschlossen. Seit 2006 arbeitet er für SRF.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    @Ch.Bühler. "..Kommentar, jedoch zu US-lastig.." Ich teile Ihre Meinung. Auch ich würde eine investigative Haltung eines international gebildeten Journalisten erwarten. Andererseits könnte aber seine Karriere durch allzu kritische Fragen und Statements gefährdet sein. Zudem spricht er auch zwischen den Zeilen mit Worten wie "gut möglich", "bedingt", "Sorgen" o.a..
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  • Kommentar von Jürg Sand (Jürg Sand)
    Dreierlei. Den USA sind diese europäischen Nöte einerlei (wären sie uns auch). Und, niemand hat diesen Irrsinn der EU oder CH anbefohlen, sie haben ihn mit Freude selbst verursacht. Das kleine, nicht ganz außer Acht zu lassende Argument des möglichen Terrorismusimports (gibt noch einige Bedenken mehr), wiegt unseren Geistesgrößen aber so wenig wie nichts.
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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    "Die USA finden in Syrien zu keiner klaren Linie, weil weder das Assad-Regime noch die islamistischen Rebellen vertrauenswürdige Partner sein können." Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. PARTNER! Wer um Himmelswillen hat denn die USA zur Partnerschaft mit Syrien eingeladen? Präsident Assad wohl kaum. Christa Gall hätte für meinen Geschmack noch gerne etwas weiterbohren und gezieltere Fragen stellen dürfen. Aber immerhin wird ein Anfang gemacht. Danke, SRF, für diesen Beitrag.
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