Germanwings: Bergung abgeschlossen – kein weiterer Verdacht mehr

Vier Wochen nach der Tragödie: Nach dem Absturz des Germanwings-Flugzeugs in den französischen Alpen haben Helfer alle Wrackteile geborgen. Zeitgleich vermelden die Ermittler, dass bislang ausschliesslich Verdachtsmomente gegen den Co-Piloten entdeckt wurden.

Wrackteil der Unglücksmaschine

Bildlegende: Die Überreste des Flugzeugs wurden per Hubschrauber abtransportiert. Keystone

Weder gegen seine Ärzte, noch gegen Airline-Mitarbeiter habe sich bisher ein Verdacht ergeben, sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. Vier Wochen nach dem Germanwings-Absturz haben Ermittler somit bislang ausschliesslich Verdachtsmomente gegen den Co-Piloten entdeckt.

Die bisherigen Indizien:

  • Der 27-jährige Copilot war am Tattag krankgeschrieben.
  • Ärztliche Atteste waren zerrissen in der Düsseldorfer Wohnung von Andreas L. entdeckt worden.
  • Seine Ausbildung hatte der Co-Pilot wegen einer schweren Depression monatelang unterbrechen müssen und darüber auch informiert.
  • Zuletzt war er wegen eines anderen Krankheitsbildes in Behandlung und krankgeschrieben.
  • Auf dem Tablet-Computer des Co-Piloten waren Suchbegriffe zu einer Selbsttötung gefunden worden. Ausserdem hatte sich der Nutzer nach Behandlungsmethoden erkundigt.
  • Der Co-Pilot hatte sich über Cockpittüren und deren Sicherheitsvorkehrungen informiert.

«Die Wrackteile müssen vorerst aufbewahrt werden»

5:34 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.04.2015

Wrack geborgen – Säuberung beginnt

Das Wrack selbst ist inzwischen geborgen, wie die Behörden vor Ort melden. Die Lufthansa hatte eine Spezialfirma mit den Aufräumarbeiten beauftragt. Die Überreste des Flugzeugs wurden per Helikopter abtransportiert und werden in einer Halle in Seyne-les-Alpes gelagert, bis die Staatsanwaltschaft sie freigibt. «Die Untersuchung läuft noch, darum müssen die Wrackteile so lange aufbewahrt werden, falls im Rahmen der Abklärungen noch irgend etwas überprüft werden muss», sagt SRF-Frankreich-Mitarbeiter Rudolf Balmer.

Doch damit sind die Spuren der Katastrophe noch nicht beseitigt. Als nächstes steht die Reinigung des zerklüfteten Absturzortes von möglichen Schadstoffen wie Kerosin an.

«  Das Einsammeln der Wrackteile ist abgeschlossen, wir treten jetzt in eine Phase der Entgiftung »

Benoît Zeisser
Gendarmerie-Hauptmann

Die Säuberung des Geländes unter Aufsicht der französischen Behörden dürfte etwas länger dauern. Zunächst müssen Analysen klären, welche Schadstoffe wo in den Boden gelangt sind. Etwa vier Tonnen Kerosin und 95 Liter Öl und Schmierstoffe hatte das Flugzeug an Bord. Ziel ist es, die Arbeiten vor Wintereinbruch abschliessen zu können. «Man möchte mit der vollständigen Räumung auch verhindern, dass Schaulustige dorthin gehen», so Balmer.

Weiter bleibe die provisorische Gedenktafel wahrscheinlich längerfristig bestehen, so der Mitarbeiter. Eine Gedenkstätte ist momentan nicht geplant. «Diese Ortschaft ist zudem mehrere Wanderstunden vom Unfallort entfernt», sagt Balmer weiter, man wolle auch nicht das Leute dorthin pilgern und weiter nach Wracküberbleibseln suchen. Auch aufgrund des nicht geringen Unfallrisikos im zerklüfteten Gelände.

Bei dem Absturz am 24. März starben 150 Menschen. Der Co-Pilot wird verdächtigt, das Flugzeug absichtlich zum Absturz gebracht zu haben.