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International Griechenlandkrise: Hoffnung, Druck, Hoffnung, Druck

Die Wechselstimmung zwischen Hoffnung und Druck dreht sich in immer höherer Kadenz. Nach dem gestrigen Abzug des IWF-Teams von den Verhandlungen in Brüssel wurden heute wieder versöhnliche Stimmen vernehmbar. Und während Angela Merkel von Lösungsansätzen spricht, wird in Athen demonstriert.

Legende: Video «Griechenland unter Druck» abspielen. Laufzeit 1:41 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 12.06.2015.

Schicksalstage für Griechenland: In der griechischen Finanzkrise ist die kommende Woche nach Einschätzung der Regierung in Athen entscheidend. Eine Einigung mit den Gläubigern sei bis zur Tagung der Eurogruppe am nächsten Donnerstag möglich, zeigte sich Staatsminister Alekos Flambouraris im Staatssender ERT zuversichtlich.

Drohung mit Zahlungsausfall

Der Junior-Koalitionspartner in der Regierung von Alexis Tsipras macht zudem Druck: Entweder gebe es bis zum 18. Juni eine Einigung oder Athen werde seine Schulden an die Geldgeber «nie» zurückzahlen, so der Parteichef der rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen, Verteidigungsminister Panos Kammenos, im Sender Mega.

Die Euro-Finanzminister beraten am 18. Juni in Luxemburg über die Finanzkrise. Dann wird auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, wieder mit am Tisch sitzen. Die Geldgeber machen Druck. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem mahnte Griechenland dringend, endlich seriöse Vorschläge zur Lösung der Schuldenkrise vorzulegen. «Wenn die griechische Regierung nicht bereit ist, schwierige Massnahmen zu ergreifen, dann kommen sie nie aus der Misere», sagte er in Den Haag im Fernsehen.

«Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geht in den festgefahrenen Griechenland-Verhandlungen weiter von einer Lösung aus. «Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg», bekräftigte sie in Berlin. «Aber der Wille muss von allen Seiten kommen», betonte die Kanzlerin.

Am Donnerstag hatte IWF-Sprecher Gerry Rice in Washington den griechischen Mangel an Kompromissbereitschaft ungewöhnlich deutlich kritisiert. Es habe zuletzt keinerlei Fortschritte gegeben, um Differenzen beizulegen. Das IWF-Team habe die Verhandlungen in Brüssel verlassen und sei zurück nach Washington gekehrt. «Der Ball liegt nun sehr deutlich im griechischen Feld», sagte Rice. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker betonte jedoch, er glaube nicht, dass sich der IWF aus den Verhandlungen zurückziehe.

Pleite als wahrscheinliches Szenario

Allerdings wurde heute auch bekannt, dass unter den Euro-Ländern erstmals formell über die Auswirkungen eines Zahlungsausfalls Griechenlands diskutiert wurde. Bei dem Treffen sollen keine konkreten Entscheidungen getroffen worden sein. Einige Euro-Länder betrachten allerdings eine Pleite als wahrscheinliches Szenario.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Es ist doch ein klarer Fall, Griechenland besteht auf einem Haircut, und da gibt Tsipras nicht nach, und wenn es keinen Haircut gibt gibt es einen Staatsbankrott. Eines ist sicher, die Gläubiger haben ein Problem und dazu gehört der IWF, die EZB und die spekulierenden Banken, die man bis heute gerettet hat.
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  • Kommentar von Stanic Drago, Delemont
    Alles spricht für eine Pleite. Grieche lassen nicht mit sich reden und sind nicht bereit irgendein Kompromiss einzugehen. Einzige was für Griechland spricht ist Wunsch von USA, dass Schuldenstreit muss beendet werden. Wir werden bald sehen, ob Wunsch von USA geht über Würde europäische Politiker, welche sich in letzte Monaten von Griechen für Nasen ziehen gelassen haben. Wünsch oder Würde? USA oder Grexit?
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  • Kommentar von Stanic Drago, Delemont
    Mehrere Medien haben berichtet, dass Merkel hat versucht Tsipras zu irgendeinen Kompromiss zu bewegen. EU hat verzichtet auf Privatisierung von Staatlichen Firmen, Renten Kürzungen, Entlassungen in Öffentlichen Sektor... Eine Geste von Griechen hätte gereicht, um Schuldenstreit zu beenden. Nicht mal diese Gäste war bereit Tsipras ihr zu geben. In Gegenteil, Rente Kürzungen würden mit Gerichturteil zu nichtig erklärt und vor 2 Jahre Geschlossene Fernseher Sender würde wieder in Betrieb genommen.
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      S. Drago: Es nützt nichts die Situation mit kl., faulen Kompromis zu lösen. Es muss eine umfassende Lösung für Griechenland her. Wenn die EU einigermassen unbeschadet aus dem Schlamassel herauskommen will muss im Rahmen der Möglichkeiten der EZB und IWF ein tragfähiger u. realistischer Plan ausgearbeitet werden. Alles andere bringt nichts u. gefährdet die Glaubwürdigkeit der EU u. GR. Ein Ausstieg von GR aus der EURO-Zone ist riskant und will niemand. GR weiss das genau u. pokert entspr.
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    2. Antwort von Stanic Drago, Delemont
      H.Girschweiler Danke für Ihren Antwort. Es ist spät für unbeschadet raus zu kommen. Jede realistische Plan wird zeigen, dass Griechland niemals ihren Schulden zahlen kann. Nicht mal Zinsen kann Griechland bedienen. Ein Schuldenerlass ist unausweichlich. Ich finde Glaubwürdigkeit von EU beschädigt von Moment an, wo sie zugelassen haben, dass unsere Banken Ihre Geld aus Griechland bekommen haben, während EU Steuerzahler jetzt für Griechischen Schulden gerade stehen müssen.
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