Hacker plündern Computer der US-Regierung

Ein massiver Cyberangriff auf den US-Regierungsserver alarmiert Washington. Daten von Millionen ehemaliger oder aktueller Mitarbeiter könnten in die Hände der Hacker gefallen sein. Peking wehrt sich gegen Vorwürfe, dass chinesische IT-Experten hinter der Attacke stecken.

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Leck bei heiklen Daten

1:08 min, vom 5.6.2015


Riesiger Datendiebstahl in den USA

1:23 min, aus HeuteMorgen vom 05.06.2015

Hacker-Alarm in den USA: Nach Sony Pictures, State Department und Weissem Haus war diesmal das «Personalbüro» der Regierung das Ziel. Dabei hatte Obama schon vor Wochen Alarm geschlagen.

Die Personalbehörde der US-Regierung ist Opfer eines massiven Cyberangriffs geworden. Mutmasslich Hacker aus China drangen nach US-Medienberichten in Computer des Office of Personal Management (OPM) ein.

«Einer der grössten Diebstähle von Regierungsdaten»

Die Behörde unterrichtete nach eigene Angaben etwa vier Millionen Amerikaner über einen möglichen Datenklau. Es handele sich um sensible Daten, die zu finanziellen Betrügereien missbraucht werden könnten, teilte das OPM mit. Ein Regierungsbeamter sprach im «Wall Street Journal» von «einem der grössten Diebstähle von Regierungsdaten, die es jemals gab».

Berichte, wonach Hacker aus China hinter der Attacke steckten, wollte die Behörde allerdings zunächst nicht bestätigen. Ein Sprecher der chinesischen Botschaft bestritt nach Angaben des US-Senders NBC News eine Verwicklung seines Landes.

«  Nationaler Notfall »

Barack Obama
US-Präsident

Nach einer Serie von Angriffen auf Regierung, Behörden und private Unternehmen hatte Präsident Barack Obama erst kürzlich von einem «nationalen Notfall» gesprochen.

Betroffen seien Daten gegenwärtiger sowie früherer Mitarbeiter, teilte die OPM weiter mit. Man habe den Angriff bereits im April entdeckt. Die Behörde rief unter anderem dazu auf, Kontobewegungen genau zu verfolgen und möglichen Missbrauch sofort zu melden.

FBI eingeschaltet

Das Heimatschutzministerium und die Bundespolizei FBI hätten Ermittlungen aufgenommen, hiess es weiter. Zudem habe man die eigenen Sicherheitsmassnahmen sofort verstärkt, teilte die OPM mit.

In den vergangenen Monaten waren unter anderem das Aussenministerium und das Weisse Haus zum Ziel von Cyberangriffen geworden. Immer wieder deuten US-Ermittler in Richtung China, vereinzelt aber auch in Richtung Russland. Zum Jahresende machte der Angriff mutmasslicher nordkoreanischer Hacker auf die Computer von Sony Pictures weltweit Schlagzeilen.

Obama warnte im April, die Bedrohung durch Hacker gehöre zu den grössten Herausforderungen für die Wirtschaft und die nationale Sicherheit des Landes. Zugleich verfügte er einen Exekutiverlass, um Verantwortliche, die hinter solchen Angriffen stecken, mit Sanktionen zu belegen.

Datenströme im NSA-Visier

Der US-Geheimdienst NSA durchsucht offenbar abgefangene Datenströme nicht nur nach Nachrichten mutmasslicher Extremisten, sondern auch nach Hinweisen auf Hackerangriffe. Das berichten die «New York Times» und «ProPublica». Die NSA dürfe dabei offiziell nur nach Hackern suchen, die sie mit einer ausländischen Regierung in Verbindung bringen könne.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Schweizer Unternehmen für heikle Informatiknetze

    Aus 10vor10 vom 5.6.2015

    Der Bundesrat hat beschlossen, dass künftig nur noch Schweizer Unternehmen die heiklen Daten der Bundesverwaltung unterhalten dürfen. Dies ist ein Problem für die UPC Cablecom, die zu einem britischen Konzern gehört. Die Firma versteht jedoch nicht, wieso sie sich nicht mehr um Bundesaufträge bewerben kann und diese zu einem grossen Teil der Swisscom zugesprochen werden.