Hauptbahnhof Milano Centrale wird zum Flüchtlingslager

Selbst in den riesigen Hallen des von Mussolini geprägten Hauptbahnhofs von Mailand sind sie nicht zu übersehen: Hunderte Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea, Familien mit kleinen Kindern, die ohne eine Unterkunft auf eine Weiterfahrt hoffen. Das Rote Kreuz schlägt Alarm.

Die Stadt Mailand erlebt einen akuten Flüchtlingsnotstand. 350 Flüchtlinge aus Syrien und Eritrea erreichten seit Dienstag den Hauptbahnhof Milano Centrale. Dort versuchen ganze Familien vergebens nach einer Unterkunft und übernachteten auf Kartons. Alle hoffen, weiterreisen zu können.

Milano Centrale sei ein Flüchtlingslager, twitterte die in Mailand erscheinende Abendzeitung «Corriere della Sera». Sie berichtete mit einer grossen Bildergalerie über den Einsatz des italienischen Roten Kreuzes im Hauptbahnhof.

Hunger, Durst und Krätze

Die Hilfsorganisation schlug nun Alarm. Viele der anwesenden Kinder seien erschöpft und unterernährt. Unter den Flüchtlingen seien Fälle von parasitären Hautkrankheiten (Krätze) festgestellt worden. An die Flüchtlinge wurden Lebensmitteln und Wasser verteilt.

«Mailand kann es allein nicht schaffen, andere Städte müssen uns helfen», warnte das für Sozialfragen zuständige Mitglied des Stadtrats, Pierfrancesco Majorino. Seit Oktober 2013 habe Mailand bereits 64'000 Menschen versorgt, 10'000 allein seit Jahresbeginn. Jede Nacht stelle die Stadt 800 Betten zur Verfügung, diese seien jedoch ungenügend.